Veronika Rothfuß und Kirsten Reinhardt mit Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet

„In Einzigartigkeit nicht vergleichbar“

Kirsten Reinhardt wurde für ihr Kinderbuchmanuskript „Fennymores Reise“ ausgezeichnet.Fotos: dpa

Oldenburg - OLDENBURG (cs / eb) · In diesem Jahr konnte sich die fünfköpfige Jury einfach nicht für ein Werk entscheiden: Den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis vergaben sie am Montagabend gleich an zwei junge Autorinnen. Kirsten Reinhardt und Veronika Rothfuß müssen sich zwar das Preisgeld von 7 600 Euro teilen. Aber es gibt auch für beide die Ehre, die besten aus 413 eingesandten Werken geschrieben zu haben.

„Wir haben zwei Bücher, einen Jugendroman und ein Kinderbuch, die beide überaus preiswürdig erscheinen, doch in ihrer Einzigartigkeit einfach nicht vergleichbar sind, so dass sich die Jury statt für ein unglückliches Kopf-an-Kopf-Rennen für die Teilung des Preises entschieden hat“, begründete Jurorin Dr. Mareile Oetken.

Kirsten Reinhardt bekam den Preis für ihr Kinderbuch-Manuskript „Fennymores Reise oder Warum Stinkesocken manchmal auch nützlich sein können“. „Wenn er richtig mitgezählt hatte, würde Fennymore in diesem Jahr zwölf Jahre alt werden. Doch genau wusste er es nicht, denn sein Geburtstag wurde nicht gefeiert. Tante Else hatte das so beschlossen, denn an Fennymores siebtem Geburtstag waren seine Eltern verschwunden und nicht wieder aufgetaucht, und Tante Else wollte auf gar keinen Fall an diesen Tag erinnert werden“, erzählt Reinhardt in dem Manuskript. Doch dann stirbt Tante Else, und Fennymore nimmt sein Leben selber in die Hand, gemeinsam mit seinem besten Freund Monbijou, einem Fahrrad, das sich für ein Pferd hält. Das ist gar nicht so einfach in einer Stadt, in der selbst der Tod korrupt ist.

„Kirsten Reinhardts Kinderbuch ist außergewöhnlich in seinen skurrilen Schilderungen. Sie erzählt mit viel Tempo, Komik, Originalität und Leichtigkeit vom selbstverständlichen Wahnwitz im Leben des Waisen Fenny-more“, begründet Oetken die Preisvergabe.

Kirsten Reinhardt wurde 1977 in Walsrode geboren. Ihr Abitur machte sie an der Deutschen Schule in Tokio, anschließend studierte sie Theaterwissenschaft und Literatur in München. Später folgte an einer Berliner Journalistenschule die Ausbildung zur Redakteurin. Reinhardt arbeitet seit März 2007 als Redakteurin bei taz.de. Im September 2008 ging sie nach der Geburt ihres Sohnes ein Jahr in Elternzeit und beendete ihr Buch.

Veronika Rothfuß wurde für ihr im Carlsen-Verlag erschienenes Jugendbuch „Mücke im März“ ausgezeichnet. „Letzten Endes geht es darum, die richtige Sprache zu finden. Auch die eigenwillige Sicht der Dinge. Veronika Rothfuß hat sie gefunden, diese eigene Sprache. Und ist dabei nicht zimperlich. In ihrer Geschichte ist Lebensgefühl, auch Humor und manchmal so ein leiser Schmerz“, lobt Juror Hans-Joachim Gelberg das Werk der Autorin.

Rothfuß erzählt die Geschichte von Mücke. Der Ich-Erzählerin müsste es eigentlich richtig gut gehen. Ihr Vater ist im Auftrag großer Unternehmen unterwegs, ihr kleiner Bruder geht auf eine internationale Grundschule, und um den Haushalt kümmert sich Frau Kowalski. Nur Mückes Mutter geht es nicht gut. Sie leidet an einer besonderen Form von Demenz. Wie ein dunkles Tuch liegt die Krankheit über der Familie. Und dann hat sich Mücke ausgerechnet in Yurik verliebt, dessen eines Bein deutlich kürzer ist als das andere...

Rothfuß wurde 1980 im Schwarzwald geboren. Nach Ausbildungen zur Goldschmiedin und zur Schauspielerin hat sie jetzt mehrere Engagements an kleinen Theatern.

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg den Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen. Die Jury bestand in diesem Jahr aus dem Sonderpädagogen Christian Bittner, dem Diplom-Pädagogen Robert Elstner, Hanna Poelker, Schülerin aus Oldenburg, Dr. Mareile Oetken, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg, und dem Redakteur Ralf Schweikart.

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