Günter Beier will alte Ställe abreißen und landwirtschaftlichen Bereich für Gewerbe und Wohnen nutzen

„Einwohner sind die Ratten“

Diese seit langer Zeit leer stehenden Putenställe in Dünsen sind nicht gerade eine Bereicherung für das Landschaftsbild.

Dünsen - Von Jürgen BohlkenSeit Jahren stehen zwei Putenställe an der Straße „Vor der Linde“ in Dünsen leer. „Sie werden nicht mehr genutzt. Einwohner sind die Ratten“, sagte Bürgermeister Hartmut Post am Donnerstagabend während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, der im „Landhaus“ tagte. Nun ergibt sich die Chance, die ungeliebten „Altlasten“ loszuwerden. Der Zimmereibetrieb Günter Beier will sie abreißen und dort im Gegenzug eine Lagerhalle und ein Wohnhaus errichten.

Dafür allerdings bedarf es einer Bauleitplanung. Das Areal, um das es geht, liegt im Außenbereich – an der Bahnlinie. Auch der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde müsste geändert werden. Dort wäre eine gewerbliche Baufläche darzustellen. Noch sieht der F-Plan für den Bereich landwirtschaftliche Nutzung vor.

Den nötigen Bebauungsplan hat der Dünsener Rat mit einem einstimmig gefassten Aufstellungsbeschluss auf den Weg gebracht. Hartmut Post nannte die Chance, nicht mehr benötigte landwirtschaftliche Anlagen einer gewerblichen Nachnutzung zuzuführen, „zukunftsweisend“. Ein Bürger hatte indes Bauchschmerzen damit. Ein anderer Dünsener, Erich Müller, urteilte hingegen: „Wenn ich die Wahl zwischen Gestank aus einem Putenstall oder Lärm habe, nehme ich lieber den Lärm.“ Krach sei aber gar nicht zu befürchten, versicherte Günter Beier, der selbst dem Rat angehört und gemäß Gemeindeordnung befugt war, an Beratung und Abstimmung teilzunehmen: „Wir sind, wenn überhaupt, einmal im Monat dort, um Holz zuzuschneiden.“ Hinzu komme, dass die modernen Sägen nicht mehr so laut seien. Auch das Verkehrsaufkommen würde nicht nennenswert zunehmen: „Das bewegt sich bei einer oder zwei 7,5-Tonner-Fahrten im Monat.“ Heinz-Jürgen Greszik (Dünsener Bürgerliste, DBL) sprach das „Dilemma“ an, in dem Günter Beier stecke. Die Gemeinde Dünsen habe in der Vergangenheit keine Gewerbegebiete ausgewiesen und könne den eigenen Betrieben, die umsiedeln oder sich erweitern wollen, daher nun „nichts bieten“. Bliebe die Fläche „Vor der Linde“ Außenbereich, so könnte dort jederzeit „ein großer Putenstall“ entstehen, gab Greszik zu bedenken.

Günter Beier habe sich in der Gemeinde nach geeigneten Flächen umgeschaut, sei aber nirgends fündig geworden, erläuterte Hartmut Post. Die Kommune habe es sich auf ihre Fahnen geschrieben, zumindest die bestehenden Betriebe „zu pflegen“. In die gleiche Richtung äußerte sich Heinrich Dittmer-Hohnholz (Wählergemeinschaft). Er fände es im Übrigen gut, wenn die alten Ställe „da wegkämen“.

Die Kosten für die Bauleitplanung trägt Beier selbst. Samtgemeindebauamtsleiter Jens Hüfner nannte die Vorteile des „vorhabenbezogenen“ Bebauungsplanes. In dem damit verbundenen Durchführungsvertrag kann die Gemeinde viele Regelungen festzurren. Der Investor, so Hüfner, bekomme etwa ein „Zeitfenster“ vorgegeben, in dem er sein Vorhaben realisieren müsse. Ein Schallschutzgutachten sei obligatorisch. Aus städtebaulicher Sicht hielt der Fachmann die Bauleitplanung für vertretbar: „Das Landschaftsbild kann dadurch nur gewinnen.“ Am Montag befindet der Samtgemeinde-Planungsausschuss darüber, ob für das Vorhaben der F-Plan geändert werden soll.

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