Stiftungsmahl: Katholischer Geistlicher Reinhard Molitor begeistert mit Festrede über Luther

Von einst „tiefen Gräben“ zu gelebter Ökumene

Ein würdiger Festredner: Monsignore Reinhard Molitor (r.).
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Ein würdiger Festredner: Monsignore Reinhard Molitor (r.).

Klein Ippener - „Luther gehört uns beiden“, sagte der Domkapitular und scheidende Twistringer Dechant Reinhard Molitor am Dienstag beim fünften Stiftungsmahl der Harpstedter Kirchen-Stiftung in „Hackfeld‘s Dorfkrug“ in Klein Ippener und meinte mit „beiden“ sowohl Protestanten als auch Katholiken.

Der Monsignore sprach über den Reformator aus katholischer Sicht, warb für die Ökumene, begeisterte, machte die 100 Zuhörer aber auch nachdenklich.

2017 jährt sich die Reformation zum 500. Male. Molitor wünschte sich, das dieses Jubiläum auf örtlicher Ebene ökumenisch begangen wird. Er erinnerte an die tiefen Gräben zwischen evangelischen und katholischen Christen noch vor 70 Jahren. Die Flucht vieler Katholiken in hiesige Gebiete und Gastfreundschaft, wie sie sich etwa bei katholischen Gottesdiensten in der evangelischen Christuskirche in Harpstedt zeigte, halfen Gräben zu überwinden. Molitor brachte Beispiele dafür, dass heute „die Welt nicht mehr gern zwischen evangelisch und katholisch unterscheidet“. Luther aus katholischer Sicht sieht er unter vier großen „W‘s“: „Luther hat uns weh getan, wie er gelebt und was er geschrieben hat“, so der Domkapitular. Er habe aber die Kirche nicht spalten wollen. Vieles sei zeitbedingt gewesen. Molitor zitierte den Reformator, der einst den Papst als „verzweifelten Spitzbuben und leibhaftigen Teufel“ titulierte. „Tetzel mit seinem Ablasshandel“ würde man indes heute, so der Festredner, „als Bettelbetrüger verhaften.“ Luther sei es im Tiefsten um den Glauben gegangen. Er habe – zweitens – die Kirche „geweckt“, habe sie herausgefordert, Fragen zu beantworten – wie etwa seine große Frage nach einem „gerechten Gott“. Leider habe er nicht die richtigen Gesprächspartner auf der Seite der offiziellen Kirche bekommen und sei dadurch tief enttäuscht gewesen. „Am Ende des Konfliktes waren er und die Kirche nicht mehr die gleichen.“

Unter dem dritten Stichwort „Wunderliches“ zeigte Molitor Widersprüche und Überraschendes bei Luther auf, der ein auch katholischerseits geschätzter Liederdichter und großer Marienverehrer war. Und viertens gelte es, „Wunden zu bekennen“, etwa Luthers – sicher auch zeitbedingten – Judenhass. Molitor schlug ein gegenseitiges Schuldbekenntnis zum Jubiläum 2017 vor. Nach seiner Ansicht wäre die Kirche „ohne jemanden wie Martin Luther nicht heil aus der damaligen Zeit herausgekommen“. Als Beispiel nannte der Geistliche die ausgedehnte Heiligenverehrung, die heute in der Praxis der Kirche deutlich zurückgefahren worden sei.

Molitor bekannte, ihm sei ein Nebeneinander der Konfessionen zu wenig. Er trat dafür ein, sich in der Ökumene gemeinsam „auf das Wesentliche zu besinnen“. So habe auch der emeritierte Papst Benedikt als zentrale ökumenische Aufgabe beschrieben, „tiefer und lebendiger zu glauben“; er habe Luther bei seinem letzten Deutschlandbesuch als „Gottsucher“ gewürdigt.

Wie im Orchester, so Molitor, könne es verschiedene Stimmen und Instrumente geben, aber nur gemeinsam lasse sich ein schöner Klang erzeugen. · gsa

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