Revierförster Eberhardt Guba über Borkenkäfer, Gartenabfälle und Neophyten / „Man braucht ein gewisses Feeling“

„Eine Wissenschaft für sich“

Revierförster Eberhardt Guba kennzeichnet einen „Zukunftsbaum“.

Harpstedt - Von Josephine PabstHARPSTEDT · Ein gewöhnlicher Arbeitsplatz im Büro umfasst fünf, vielleicht zehn Quadratmeter. Der Chef sitzt auch schon mal im eigenen Büro mit 40 Quadratmetern. Förster Eberhardt Guba aus Harpstedt hat jedoch keinen solchen „Arbeitsplatz“: Sein Verantwortungsgebiet umfasst 2 000 Hektar von Harpstedt bis Prinzhöfte, und von Kirchseelte bis Wohlde.

Laut einer Internetenzyklopädie befasst sich der Beruf des Försters mit der „nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung des Waldes unter Berücksichtigung seiner ökologischen und sozialen Funktionen“. Seit 1981 ist Eberhardt Guba Revierförster in Harpstedt und hat definitiv „gut zu tun“: „Der Beruf umfasst alles von der Kultur bis zur Holzernte“, meint er. „Allerdings bin ich bei Wildunfällen in der Samtgemeinde nicht zuständig, sondern nur bei Unfällen auf den Flächen der Revierförsterei. In der Samtgemeinde kümmert sich der jeweilige Jagdberechtigte darum.“

Fast jeden Tag ist er mit einem Kollegen im Wald unterwegs, begutachtet die Bäume, markiert gut gewachsene und solche, die stören. Die Markierung ist eine Wissenschaft für sich: „Dafür braucht man ein gewisses Feeling, das lernt man nicht an einem Tag“, so Guba. Mit einem blauen Ring werden „gut geartete“ Bäume gekennzeichnet, die einen möglichst geraden Stamm haben und wenige Astgabelungen aufweisen. „Die Kronen brauchen Platz und Licht. Bäume, die in die Krone hineinwachsen und stören, kennzeichnen wir mit orange.“ Kleinere Bäume neben den „Auserwählten“ müssen nicht entfernt werden – der Baum verdrängt sie von ganz allein. Probleme bereitet dem Revierförster derzeit die Fichte. „Der Baum gehört hier eigentlich nicht hin, der ist nicht robust genug.“ Die Wurzeln reichen nicht weit in den Boden hinein, so dass die Fichte anhaltender Trockenheit nicht gewachsen ist. Außerdem liebt der Borkenkäfer Fichtenrinden und -holz: „Nachdem der Käfer den Baum befallen hat, stirbt dieser schnell ab und muss gefällt und entfernt werden, bevor der Schädling sich ausbreiten kann“, weiß Eberhardt Guba. Aber auch Eichen bereiten mitunter Kopfzerbrechen: „Das war ein ganz schlechtes Jahr für die Eiche. Erst haben Schmetterlingsraupen die jungen Blätter abgefressen, dann sind in der Hitze viele weitere Blätter – und manche Bäume sogar ganz – verbrannt.“ Ältere Blätter wurden schließlich vom „Echten Mehltau“, einem Pilz, befallen, mit dem die Bäume selbst fertig werden müssen. Sorge bereiten neben den „Baumproblemen“ auch Gartenabfälle, die im Wald entsorgt werden. „Die Herkulesstaude gehört zu den ,Neophyten', also Pfanzen, die hier nicht heimisch sind. Wir bekämpfen sie, wenn wir sie sehen, denn der Saft löst auf der Haut unter Sonneneinstrahlung Verbrennungen aus.“ Das „Indische Springkraut“ vermehre sich ebenfalls stark. „Das hat sich durch Vogelfutter verbreiten können“, betont Guba. In dem Wald hinter dem Friedhof wachse Rhododendron: „Die haben hier wirklich nichts zu suchen.“

Trotz allem schätzt der Revierförster seine Arbeit: „Seit fast 30 Jahren bin ich hier schließlich schon Förster.“ Und ein paar Jahre werden wohl noch hinzukommen.

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