Stippvisite im Wasserwerk Harpstedt: Steuerungstechnik wird Step by Step erneuert / Investitionen bewegen sich in sechsstelliger Höhe

Durch dunkle Rohre fließt Roh-, durch helle Trinkwasser

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Je heller die Rohre, desto reiner das darin befindliche Wasser. ·

Harpstedt - Die Rohre, die das Wasserwerk Harpstedt des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOOV) durchziehen, unterscheiden sich in ihrer Farbgebung.

Dahinter steckt ein System: Durch dunkelgrüne Leitungen fließt Roh- und durch helle Trinkwasser; zwei mittlere Stufen von Grün deuten auf Filtrate nach der ersten und der zweiten Filterstufe hin. „Je heller das Rohr, desto reiner das darin befindliche Wasser“, beschreibt OOWV-Pressesprecher Gunnar Meister die Logik der Farbwahl. „In braunen Rohren ist Spül- und Abwasser, in blauen Luft“, ergänzt Betriebsleiter Julius Koops.

Grundwasser enthält für gewöhnlich Eisen-(II)- und Mangan-(II)-Verbindungen; Sauerstoffzufuhr bewirkt die Umsetzung der Metalle in die nächsthöhere Oxidationsstufe, und oxidierte Metalloxidhydrate lösen sich schwer in Wasser, scheiden sich bevorzugt auf der Oberfläche von Kieskörnern ab – diese Eigenschaft macht sich auch die Filtertechnik des Harpstedter OOWV-Werks zunutze. Am Anfang der Aufbereitungskette zwecks Trinkwassergewinnung steht ein Riesler. „Das ist ein Behälter, in dem das geförderte Grundwasser auf Böden mit Rohren fällt und unten wieder rausläuft, während von unten Luftsauerstoff eingeblasen wird und oben entweicht“, erläutert Julius Koops. Sinn und Zweck dabei sei zum einen das Austreiben der unerwünschten Gase Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid. Der Sauerstoff lasse zum anderem die Eisenverbindungen oxidieren und ausflocken. Das Abfiltern dieser Moleküle vollziehe sich dann in der ersten Filterstufe. „Darin befinden sich eine Kies- und – darüber – eine Quarzsand-Kies-Schicht. Das Rohwasser kommt von unten, wird in der Mitte durch ein Rohr nach oben geführt und verteilt, sickert durch die Schichten und läuft als Filtrat heraus“, so Julius Koops. „Hat sich der Filter zugesetzt, muss er gespült werden. Das Spülwasser geht in unsere Absetzteiche im Brammer Moor.“

Die zweite Filterstufe dient der Entmanganisierung auf mechanischem Wege. Zudem entsäuert sie das Filtrat aus Stufe eins mittels Jurakalkperle als Befüllung. „Das ist Calciumcarbonat“, sagt Koops. Will heißen: Kalk. Der macht das Wasser etwas härter, wodurch sich nun auch die Mangan-Bestandteile abfiltern lassen, zehrt sich dabei aber selbst auf. Er geht also nach und nach verloren. Folglich muss neuer Kalk eingekauft werden. „Jährlich benötigen wir etwa 200 Tonnen“, so Koops.

In einem weiteren Riesler wird überschüssiges Kohlendioxid ausgetrieben. Dadurch werde, so der Betriebsleiter, zugleich der ph-Wert nachjustiert, der sich leicht im alkalischen Bereich bewegen soll. Bevor das „fertige“ Trinkwasser, das mit einem Härtegrad um 7,0 eindeutig zu den weichen Wässern zählt, mittels Pumpen ins Rohrnetz gelangt, erfolgt eine Zwischenlagerung in Behältern. Davon hat das Harpstedter Werk zwei – einen drinnen mit einem Fassungsvermögen von 800 Kubikmetern und einen draußen mit einem Volumen von 5 000 Kubikmetern. Die Förderung erfolgt auf der Grundlage voreingestellter Kurven automatisch.

Seit 2013 und voraussichtlich noch bis 2015 vollzieht sich stufenweise die Erneuerung der Steuerungstechnik. Gunnar Meister geht davon aus, dass sich die damit verbundenen Gesamtkosten, grob geschätzt, auf mehrere 100 000 Euro belaufen.

„Für die jetzige Steuerungstechnik gibt es keine Ersatzteile mehr. Sie stammt von AEG. Der Konzern hat die Sparte vor zig Jahren verkauft und der Käufer die Produktion dann eingestellt“, weiß der Betriebsleiter. Daher werde der Standort Harpstedt nun in Anpassung an die anderen Werke des OOWV mit Siemens-Technik ausgestattet. „Das müssen wir aber Stück für Stück erledigen. Wir können ja nicht einfach mal eben so unser Wasserwerk abschalten“, so Julius Koops. · boh

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