Gewerbegebiet Hockensberg: Bauausschuss empfiehlt Abschluss der Planungen

Auf der Zielgeraden

Im Zuge des Ausbaus der K 237 werden auch die Einmündungen der Straße „Brakland“ sowie des Rahmannsweges umgestaltet. Fotos: Schneider

Hockensberg - Von Tanja Schneider. Das Bauleitplanverfahren für das interkommunale Gewerbegebiet in Hockensberg ist auf die Zielgerade gebogen. Mit großer Mehrheit hat der Bau-, Straßen- und Verkehrsausschuss während seiner Sitzung am Dienstagabend im Dötlinger Hof dem Gemeinderat empfohlen, den neuen Bebauungsplan sowie die Änderung des Flächennutzungsplanes zu beschließen – sehr zum Unmut der gut 20 Bürger im Saal. Sie sehen keinen Bedarf für das Gebiet, kritisieren die Zerstörung der Kulturlandschaft sowie die Fällung von Bäumen und befürchten Emissionen, Mehrverkehr sowie den Wertverlust ihrer Immobilien. Viele von ihnen hatten bereits im Zuge der öffentlichen Auslegung der Planentwürfe kritische Stellungnahmen eingereicht und nutzten nun – wie schon bei vorangegangenen Sitzungen – die Einwohnerfragestunde, um erneut ihre Bedenken zu äußern und um an die Politik zu appellieren.

Doch es half nichts. Mit den insgesamt fünf Stimmen von CDU und SPD ging der Beschlussvorschlag der Verwaltung durch. Lediglich Gabriele Roggenthien (Bündnis 90/Die Grünen) und Helge Vosteen (FDP) stimmten gegen das Vorhaben.

Das Votum gibt einen Ausblick auf die Ratssitzung am Donnerstag, 14. November, ab 19 Uhr im Dötlinger Landhotel. Bleiben die Fraktionen bei ihren Meinungen, ist das Gewerbegebiet, das Dötlingen zusammen mit Wildeshausen sowie der Gemeinde Prinzhöfte entwickeln will, beschlossene Sache.

Der Bauausschussvorsitzende Gernot Kuhlmann (CDU) verglich den Stellenwert des Projektes mit dem des Erdgasporenspeichers der ExxonMobil in Dötlingen. „Den wollte anfangs auch niemand haben. Doch langfristig gesehen, hat die ganze Gemeinde von ihm profitiert“, sagte Kuhlmann mit Blick auf die dadurch geflossenen Gewerbesteuereinnahmen sowie ermöglichte Investitionen. „Und ich denke, dass auch diesmal die ganze Kommune profitieren wird.“

Da ist sich die Grünen-Ratsfrau Roggenthien nicht so sicher. Wie auch einige Einwohner äußerte sie Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Zudem bemängelte sie, dass die Bürger nicht aktiv in die Planungen eingebunden worden seien und dass das von ihrer Fraktion geforderte Energiekonzept bisher nur ein Lippenbekenntnis sei. Nach Angaben von Bauamtsleiter Uwe Kläner soll es nach Abschluss der Bauleitplanung vorangetrieben werden.

Den Start derselbigen hätten die Grünen damals übrigens nur befürwortet, weil es eine konkrete Anfrage eines Industriebetriebes gab und gleichzeitig Exxon begonnen hatte, sich zurückzuziehen. „Vor diesem Hintergrund haben wir gesagt: Ok, wir machen mit. Und es schon 150 Mal bereut“, so Roggenthien. Die Ausgangslage sei mittlerweile eine andere. Damit hat sie recht. Schließlich lässt sich auf dem rund 30 Hektar großen Areal zwischen B 213, K 237 und der Straße „Brakland“ aufgrund der aktuellen Rechtssprechung sowie der Ergebnisse des Schallgutachtens keine Industrie realisieren, wie während der Ausschusssitzung im Juni bekannt geworden war (wir berichteten). Möglich sind nur Gewerbe und eingeschränktes Gewerbe. Betriebe, die Abfall und Müllprodukte sowie Tiere und tierische Produkte be- und verarbeiten, waren von der Politik ausgeschlossen worden, ebenso wie Tierhaltungsanlagen und Bordelle. Zulässig sein sollen hingegen ausnahmsweise auch Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke.

„Alle drei Kommunen sind weiterhin davon überzeugt, dass es richtig, wichtig und notwendig ist, das Gebiet zu entwickeln“, betonte Bürgermeister Ralf Spille und verwies auf den Bedarf. „Wir haben keine Grundstücke mehr, die wir Firmen anbieten können.“ Während der Verwaltungschef und die Ausschussmehrheit das Areal, unter anderem aufgrund seiner Lage zur B 213 sowie zur A 1, als gut geeignet betrachten, bezeichnen es die Kritiker als untauglich. Zum einen aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung sowie zum Altonaer Mühlbach, zum anderen wegen des schützenswerten Grünzuges, der erhalten bleiben soll und damit die Fläche zweiteilt. „Es werden quasi zwei Gebiete erschlossen – mit zwei Zufahrten und zwei Regenrückhaltebecken“, sagte der Heimatvereinsvorsitzende Marcus Martens während der Einwohnerfragestunde. „Dazu kommen viele Einschränkungen.“ Da könne sich dieses Vorhaben doch nicht mehr lohnen.

Die Anlieger kritisierten, dass Alternativstandorte nicht ausreichend geprüft worden seien. Dem widersprach unter anderem Kuhlmann und verwies auf eine etwas nördlich gelegene Fläche, die genau unter die Lupe genommen worden war. „Und sie war nicht besser, eher schlechter, weil der Eingriff in die Natur dort noch größer wäre“, sagte er. Seine Parteikollegin Beate Wilke ergänzte: „Das Gebiet in Hockensberg ist größtenteils Ackerland und keine ökologisch wertvolle Fläche.“ Was als erhaltenswert eingestuft wurde, werde auch bewahrt und sogar noch aufgewertet, sagte die CDU-Ratsfrau. Ein Beispiel ist der Altonaer Mühlbach, an den eine der Kompensationsflächen grenzt. Ursprünglich war hier nur eine Böschungsabflachung angedacht. Nach Rücksprache mit der Hunte-Wasseracht ist nun eine größere Renaturierungsmaßnahme samt neuem Gewässerverlauf geplant.

Laut Wilke haben Politik und Verwaltung auch viel getan, um „die Anlieger vor Nachteilen zu bewahren“. Thomas Aufleger vom Oldenburger Planungsbüro NWP verwies unter anderem auf den breiteren Grünstreifen, der Gewerbegebiet und Wohnbebauung trennt, auf die Sperrung der Straße „Brakland“, die zu einer Verkehrsberuhigung führe, sowie auf den Ausschluss verschiedener Branchen. „Eine solche Planung bedeutet abschließend auch immer, einen Kompromiss zu finden. Für viele mag er möglicherweise nicht weitgehend genug sein“, sagte Aufleger.

Er hatte zuvor die Ergebnisse aus der öffentlichen Auslegung im Juli sowie der erneuten, verkürzten Auslegung im Oktober vorgestellt. Neben den Einwohnern, die die oben genannten Punkte thematisiert hatten, nahmen auch die Träger öffentlicher Belange wie beispielsweise der Landkreis Oldenburg Stellung zu dem B-Plan sowie der F-Plan-Änderung. Im Wesentlichen ging es um Belange des Artenschutzes, Hinweise zur Denkmalpflege sowie zu den Verkehrsflächen. Für Letztere hatte es noch Anpassungen gegeben, weshalb die erneute Auslegung erforderlich geworden war.

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