Zahnärzte stecken im Corona-Dilemma

Reduziert: Der mobile Zahndienst von Ulf Syberberg kommt in Coronazeiten nur noch für Schmerz- und Notfallbehandlungen. Für seine Praxis „Am Kohlhoff“ in Dötlingen gilt diese Einschränkung nicht. Archivfoto: ts

„Abstand halten“ lautet der Appell anlässlich der Coronakrise. Ein Aufruf, dem nicht alle Berufsgruppen folgen können. Besonders für Zahnärzte ist die Situation ein Dilemma. Denn sie müssen ganz nah ran an die Patienten. Der Dötlinger Zahnarzt Ulf Syberberg gewährt einen Einblick in den derzeit erschwerten Praxisalltag.

VON TANJA SCHNEIDER

Dötlingen – „Letzte Woche ging eigentlich noch alles seinen einigermaßen normalen Gang“, sagt Ulf Syberberg. Klar herrschte zu dem Zeitpunkt aufgrund des Coronavirus auch in seiner Zahnarztpraxis in Dötlingen bereits besondere Vorsicht. Ein Schild, dass Patienten mit grippeähnlichen Symptomen sowie solche, die Kontakt zu Infizierten hatten oder in einem Risikogebiet waren, darauf hinweist, die Praxis nicht zu betreten, hängt schon länger. Vor dem Empfangstresen gibt es eine Abstandsmarkierung, und Desinfektionsmittel steht am Eingang ebenfalls bereit.

Seit Montag gelten nun zusätzliche Maßnahmen, die eine Infektionsgefahr reduzieren sollen. „Wir haben unser Wartezimmer geschlossen“, berichtet Syberberg. Termine würden so vergeben, dass sich nur noch zwei Patienten gleichzeitig in der Praxis aufhalten. „Und diese werden direkt in die Behandlungszimmer geschickt“, so der Zahnarzt. Das Ziel ist klar: Die Patienten sollen sich nicht begegnen. Die Zeiten, in denen ganze Familien gemeinsam zur Prophylaxe kamen und am Zahnarztstuhl saßen, sind erst einmal vorbei.

Gleichwohl sind in der Praxis nach wie vor Kontrolltermine möglich. Anders als manch ein Kollege hat Syberberg den Betrieb nicht auf Schmerz- und Notfallbehandlungen beschränkt. So bleibe ihm Spielraum, falls sich die Lage noch einmal verschärfen sollte, meint er. „Zudem haben wir einen Versorgungsauftrag.“ Angefangene Behandlungen würden natürlich zu Ende gebracht, Leistungen wie Zahnreinigungen und andere kosmetische Eingriffe nach Möglichkeit verschoben.

Für den mobilen Zahndienst, den Syberberg seit 2013 für erkrankte, pflegebedürftige und nicht mobile Menschen anbietet, gelten hingegen andere Regeln. „Da es sich bei den Patienten um Risikogruppen handelt, bieten wir mobil wirklich nur noch Schmerz- und Notfallbehandlungen an“, sagt er.

Die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung hatten am Sonntag noch einmal an den medizinischen Versorgungsauftrag erinnert. „Wir appellieren eindringlich, Ihrer Verpflichtung, den Menschen zu helfen, gerade in Zeiten einer großen gesundheitlichen Krise durch vorbildliches ärztliches Handeln nachzukommen“, hieß es anlässlich der Forderungen mehrerer Zahnärzte, die Praxen zu schließen oder auf einen strengen Notdienstplan umzustellen. „Es gibt ganz viele Unsicherheiten. Jede Praxis handelt unterschiedlich und bewertet ihr jeweiliges Risiko“, weiß Syberberg. Und für seine Praxis würde es durch einen Notdienstplan steigen, ist sich der Dötlinger sicher. „Derzeit kennen wir 90 Prozent der Patienten“, erklärt er. Durch eine Notdienstregelung würden nur mehr Unbekannte hinzukommen, die Besucherströme ließen sich schlechter steuern.

Abstand zum Patienten kann Syberberg als Zahnarzt nicht halten. Er arbeitet unmittelbar über den geöffneten Mündern von Menschen, hat es unter anderem mit Aerosol-Nebel zu tun und muss zwangsläufig Brille, Handschuhen und Mundschutz vertrauen. Die sogenannten FFP2-Masken, die einen stärkeren Filter haben, stehen ihm nicht zur Verfügung. „Wir haben den normalen Mundschutz“, informiert er. Einen Engpass bei der Schutzkleidung gebe es in seiner Praxis glücklicherweise nicht. Der Vorrat reiche bis zum Sommer. „Bis dahin kommen wir über die Runden. Dann muss ich weiter sehen“, hofft Syberberg auf eine Besserung der derzeitigen Situation.

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