Die Brettorfer Gisela und Christian Jaskulewicz reisten in anderthalb Jahren um die halbe Welt

Mit dem Wohnmobil durch 22 Länder

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Gisela und Christian Jaskulewicz im indischen Mumbai. ·

Brettorf - Von Tanja Schneider„Die Unruhe artet langsam in Panik aus. Unser Abfahrttermin steht fest: Am Sonntag, 16. September, ist take off. Dieses ist der letzte Bericht von Zuhause. Auf geht‘s!“ 22 Länder und rund 70 000 gefahrene Kilometer liegen zwischen diesem 2012 von Christian Jaskulewicz auf seiner Internetseite verfassten Eintrag und heute.

Etwa anderthalb Jahre lang reiste der Brettorfer zusammen mit seiner Frau Gisela im Wohnmobil um die halbe Welt, entdeckte asiatische Metropolen ebenso wie schneebedeckte Berge und einsame Buchten. Nun ist er wieder zurück – mit unwahrscheinlich vielen Eindrücken, Zehntausenden von Fotos und neuen Reiseplänen.

Dass es das seit 43 Jahren verheiratete Paar eigentlich nie lange in der Gemeinde Dötlingen hält, verrät ein Blick auf ihre Homepage: 2004 Island, 2006 Neuseeland, 2007 von Venedig nach Peking, 2008 Südafrika und 2009/2010 die Panamericana. Die Brettorfer sind ständig unterwegs und überlegen nicht lange, wenn sie ein interessantes Reiseangebot entdecken. „Während unserer Tour auf der Panamericana habe ich von der Weltreise gehört und uns sofort angemeldet“, erinnert sich Christian Jaskulewicz. Zwei Jahre nahm die Vorbereitungszeit in Anspruch. „Etwa ein Jahr vorher ging es ans Eingemachte“, erzählt er. Neben der Umrüstung des eigenen Wohnmobils stand die Beschaffung der Papiere an, die so manche Hürde bereithielt. „Schon der internationalen Kfz-Schein mit unbegrenzter Dauer war ein Akt“, sagt der Brettorfer. „Eigentlich wird er hier nur für ein Jahr ausgestellt.“ Auch über die Einreisebedingungen der jeweiligen Länder, über die Sicherheits- und Gesundheitshinweise hatte sich das Paar im Vorfeld umfangreich informiert. Daneben beschäftigte die Brettorfer die Frage „Was muss unbedingt mit und auf was können wir verzichten?“. Denn die Liste des Reiseveranstalters betrug zehn Seiten. „Da mussten wir Abstriche machen, sonst hätten wir noch einen Anhänger gebraucht.“

Auf ein bestimmtes Land hatte sich der 67-Jährige im Vorfeld nicht gefreut. „Einfach, weil die meisten für uns neu waren“, sagt er. Mit Italien, Griechenland, der Türkei, Georgien, Armenien, dem Iran und Pakistan fuhren die Brettorfer in den ersten anderthalb Monaten durch bereits von früheren Reisen bekanntes Gebiet, so dass das eigentliche Abenteuer für sie in Indien begann. „Dort war es sehr bunt und voll, aber die Menschen waren alle fröhlich“, so Jaskulewicz, der mit seiner Frau dreimal täglich eine Garküche ansteuerte und noch heute vom Chai-Tee schwärmt.

Wie überall in den asiatischen Ländern besichtigten die Brettorfer bekannte Tempelanlagen, kamen auf Wochenmärkten mit Einheimischen ins Gespräch und staunten darüber, wie gut der Verkehr trotz der überwiegenden Nichtbeachtung von Regeln läuft. „Egal, wo wir waren, wir sind meist freundlich aufgenommen und nie abgewiesen worden“, sagt Jaskulewicz, der mit seiner Frau tagsüber oft alleine unterwegs war, sich abends aber immer mit den anderen Teilnehmern der Weltreise traf. „Insgesamt waren wir mit 20 Fahrzeugen. Das war auch gut so, denn in manchen Gebieten ist es sicherer, wenn man mit mehreren unterwegs ist“, meint er. Ebenfalls von Vorteil: Zu der Gruppe gehörten zufällig Ärzte und ein Kfz-Meister. Gerade Letzterer war oft gefragt.

Auch die jeweiligen Grenzen wurden im Konvoi überquert – und das nicht immer problemlos. „In Bangladesch wollte der Zoll Schmiergeld, in Australien stand das Wohnmobil drei Tage in Quarantäne, und in Indonesien sollten die Papiere, die wir in der Hauptstadt Jakarta erhalten hatten, ein paar Kilometer weiter schon nicht mehr von Bedeutung sein“, erinnert sich Jaskulewicz an Widrigkeiten. „Wir wurden aber nie unhöflich behandelt. Einmal haben die Polizisten, die uns festhalten sollten, sogar Pizza ausgegeben.“ Zudem waren die Reisenden nie auf sich allein gestellt. „Der Veranstalter hat überall für örtliche Guides gesorgt“, erzählt der Brettorfer, der – wie die anderen auch – durch Länder wie Vietnam und Myanmar als offizieller Abgeordneter der Bundesrepublik reiste. „Sonst wären wir gar nicht über die Grenze gekommen oder hätten vielleicht kein Auto steuern dürfen.“

Zu seinen Highlights gehörte neben Nepal und Myanmar vor allem Bhutan. „Da träume ich heute noch von“, verrät Jaskulewicz. In Bhutan sei das offizielle Staatsziel die Zufriedenheit der Bürger. Und das sei an jeder Ecke zu spüren. „Aber auch andere Länder waren traumhaft schön. Ich würde die gleiche Reise noch einmal machen“, schwärmt der 67-Jährige. Die Tour habe von ihrer Abwechslung und Extremen gelebt. „An einigen Orten pulsierte das Leben, an anderen war es ruhig und friedlich.“ Zu den Höhepunkten der Brettorfer zählten ein Flug entlang des Himalaya-Massivs, eine Bootstour auf dem Li-Fluss bei Guilin in China, und auch das obligatorische Foto vor dem Taj Mahal in Indien gehörte für die beiden dazu. Aber auch abseits bekannter Sehenswürdigkeiten gab es unvergessliche Erlebnisse. „Im Chitwan Nationalpark in Nepal defilierten die Elefanten jeden Tag an unserem Frühstückstisch vorbei“, berichtet Jaskulewicz. „Und in Osttimor wurden wir vom Minister empfangen, der sich darüber freute, dass Touristen sein Land besuchen.“

Dass er mal die Welt bereisen wird, war Jaskulewicz schon als 20-Jährigem klar. „Darauf habe ich hingearbeitet und gespart“, sagt der 67-Jährige, dem das Haus in Brettorf derzeit „schrecklich groß“ vorkommt. Kein Wunder, schließlich hat er anderthalb Jahre lang auf acht Quadratmetern gelebt. Am Wochenende kehrt auch das Wohnmobil endlich von der Weltreise zurück. „Dann kann ich es aus Bremerhaven abholen und zur Generalüberholung bringen“, erzählt Jaskulewicz, dessen nächstes Ziel Nordamerika ist. Eine einjährige Reise durch Kanada und Alaska ist angedacht. „Es sei denn, in Afrika legen sich die Unruhen. Dann geht‘s da hin“, sagt der Brettorfer und ist gedanklich schon wieder auf Reisen.

Ein Tagebuch zu der Weltreise finden Interessierte im Internet.

http://www.hinterdemhorizont.com

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