Windkraft Iserloy GmbH ersetzt vier alte Anlagen

Repowering der anderen Art

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Beim Verladen der einzelnen Bauteile war Millimeterarbeit angesagt. Vor rund einer Woche hat die Demontage der Windräder in Iserloy begonnen. Die neuen Anlagen sollen im Herbst errichtet werden.

Iserloy - Von Tanja Schneider. Es ist schon ein imposantes Bild, das sich derzeit in Iserloy bietet. Hinter den Spielern auf der Swingolf-Anlage und den Besuchern, die durchs Maislabyrinth irren, ragen drei riesige Kräne in den Himmel. Dicht an dicht reihen sich die Lkw auf dem Feld, um ihre Ladung aufzunehmen.

Grund ist die Demontage zweier Windräder. Sie sollen neuen Anlagen weichen. Wer nun glaubt, die 2001 errichteten Vestas V80 würden durch höhere Modelle ersetzt, der täuscht sich. Tatsächlich werden die beiden neuen Mühlen sogar eine etwas geringere Nabenhöhe haben, dafür aber leistungsstärker sein.

„Mit dem Repowering, das momentan überall im Gespräch ist, also mit der Aufstockung der Gesamthöhe, hat diese Maßnahme nichts zu tun“, klärt Herwig Garms von der fünfköpfigen Betreibergesellschaft Windkraft Iserloy GmbH& Co.KG auf. Bekanntlich beschäftigt sich der Gemeinderat derzeit mit einer Flächennutzungsplan-Änderung für die zwei bestehenden Windpark-Gebiete in Uhlhorn und Aschenstedt/Iserloy, „um den dortigen Betreibern ein gewünschtes Repowering zu ermöglichen und dieselben Bedingungen wie für den geplanten Windpark in Haidhäuser zu schaffen“, hieß es während der Sitzung. Konkret bedeutet dies, dass die Höhenbeschränkung wegfallen soll. „Für das Gebiet in Aschenstedt hat aber niemand einen solchen Antrag gestellt“, betont Garms. Der Grund ist schnell genannt: Es besteht überhaupt kein Interesse. „Jedenfalls nicht mehr“, erzählt er.

Vor ein paar Jahren hätte die Windkraft Iserloy, die fünf der insgesamt neun Anlagen betreibt, tatsächlich mit dem Repowern geliebäugelt. Wegen der Novellierung des Erneuerbare Energiengesetzes (EEG) sei dies aber keine Option mehr. „Denn das EEG sieht ab 2016 eine Reduzierung der Einspeisevergütung vor – um 0,4 Prozent pro Quartal“, so Garms. Dies gilt allerdings nur solange, wie sich der Windkraft-Zubau im Rahmen eines Korridors von jährlich 2400 bis 2600 Megawatt netto bewegt. Schließlich beinhaltet das EEG auch einen „atmenden Deckel“. Demnach sinkt bei einem erhöhten Ausbau der Windkraft der Vergütungssatz nach einem festgelegten Schlüssel immer weiter – bis zu einer maximalen Degression von 1,2 Prozentpunkten pro Quartal. Der Bundesverband Windenergie rechnet derzeit mit der vollen Ausschöpfung der Vergütungsreduktion.

Daneben soll die feste Vergütung ab 2017 einem Ausschreibungsmodell weichen. Betroffen sein sollen alle Anlagen, für die bis Ende 2016 noch keine Baugenehmigung vorliegt.

Die Windkraft Iserloy will deshalb noch in diesem Jahr vier neue Anlagen errichten und sich damit die Vergütung von 8,9 Cent pro Kilowattstunde sichern. „Auf eine Flächennutzungsplan-Änderung können wir nicht warten“, sagt Garms. Neben den beiden Windrädern, die momentan abgebaut werden, sollen auch zwei Typgleiche ersetzt werden, die sich seit 2002 in dem Gebiet drehen. „Sie gehen nach Polen, die ersten neuen Anlagen, ebenfalls von Vestas, sollen im Oktober errichtet werden“, berichtet er. Sie verfügen dann über eine Nabenhöhe von 94 Meter, 3,3 Megawatt Nennleistung und einen größeren Rotordurchmesser, wodurch sich die „überstrichene Fläche“ erhöht. Ihre Vorgänger kommen auf 100 Meter und zwei Megawatt Nennleistung.

Die Windkraft Iserloy investiert eine nicht unerhebliche Summe. „3,5 Millionen Euro kostet eine Anlage“, verrät Garms. „Da schlackern einem als Landwirt schon die Ohren.“ Gut kann er sich noch an die Anfänge im Jahr 1992 erinnern. Damals hatte die Betreibergesellschaft drei 150-kW-Anlagen für jeweils rund 500000 Mark errichten lassen. „Da waren sie auch noch privilegiert. Wir konnten sie quasi hinsetzen, wo wir wollten“, blickt der Iserloyer zurück. Wirtschaftlich seien die Anlagen hingegen nicht gewesen, weshalb sie nach der Ausweisung zum Windenergie-Gebiet durch leistungsstärkere ausgetauscht wurden. 2009 kam dann die fünfte Anlage hinzu, „die auch bleiben wird“, sagt Garms.

Der Abbau der anderen Windräder ist eine logistische Meisterleistung. Allein für den Transport des zerlegten Turmes sind fünf Lastwagen notwendig. Stück für Stück wurde die erste Anlagen auseinandergebaut. Und auch die Demontage der zweiten Mühle ist so gut wie abgeschlossen. Nach und nach hievte der Kranführer die tonnenschweren Einzelteile in den vergangenen Tagen auf die Ladeflächen der Lkw. Von den Flügeln über die Nabe bis hin zum Maschinenhaus tritt nun alles seinen Weg gen Osten an. Für den Aufbau der Anlagen im Herbst sollen frühzeitig die Arbeiten beginnen. „Schließlich muss ein neues Fundament her, das noch aushärten muss“, erläutert Garms.

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