Stütze ist die letzte Chance für das Naturdenkmal / Weitere Pläne gibt es nicht

Wie geht es weiter mit der Dorfeiche?

Alt und jung: Die 1000-jährige Dorfeiche hat eine junge Nachbarin, deren Krone bereits an den alten Baums reicht. Vorne links liegt dessen 2002 abgebrochener Ast.
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Alt und jung: Die 1000-jährige Dorfeiche hat eine junge Nachbarin, deren Krone bereits an den alten Baums reicht. Vorne links liegt dessen 2002 abgebrochener Ast.
  • Katia Backhaus
    vonKatia Backhaus
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Dötlingen – Wie sieht Dötlingen in 100 Jahren aus? Das war eine der Fragen, die sich mehrere Kinder bei einer Ferienaktion 2016 stellten. „Die Dorfeiche steht bestimmt nicht mehr“, lautete damals eine der Antworten. Nun ist es zwar erst 2020, und nicht schon 2116 – aber die Dorfeiche zeigt bereits deutliche Schwäche.

Der 1 000-jährige Baum hat schon vor Jahrzehnten den Großteil seiner Krone verloren, inzwischen ist nur noch ein Ast übrig. Nun soll das Naturdenkmal, so haben es Gemeinde und Landkreis Oldenburg vor Kurzem gemeinsam beschlossen, ein Stahlgerüst als Stütze erhalten. Wie soll es weitergehen mit der Dötlinger Sehenswürdigkeit?

„Ein Großteil des Baumes ist leider schon tot“, sagt Annika Mutke vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises. Während der letzte verbleibende Ast noch Blätter trage, sei am Stamm viel Totholz zu sehen. „Da fehlen die Leitbahnen, die eigentlich das Wasser führen würden.“ Nichtsdestotrotz sei es wichtig, dass die Eiche erhalten werde. Deshalb sei die Lösung mit der Stütze vereinbart worden. Das Gerüst soll flexibel anpassbar sein, also auch mögliche Veränderungen der Last durch das Geäst mitgehen können. „So etwas in der Art hatten wir auch noch nicht“, erklärt Mutke – und das will etwas heißen: Im Landkreis gibt es laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz insgesamt 344 Naturdenkmäler (Stand: 31. Dezember). Das sind deutlich mehr als in allen anderen Landkreisen. Eine weitere 1000-jährige Eiche ist aber nicht darunter.

Mindestens eine Erinnerung soll bleiben

Ob es bereits konkrete Pläne für den Fall gebe, dass der Baum eines Tages ganz stirbt oder durch einen Sturm noch stärker beschädigt wird, wisse sie nicht, sagt Mutke. Doch sie könne sich gut vorstellen, den historischen Standort weiter zu nutzen und mit einer Infotafel oder Teilen des Baums an das Dötlinger Naturdenkmal zu erinnern.

Dass die Stütze die letzte Maßnahme ist, um die Eiche zu bewahren, sieht auch Bürgermeister Ralf Spille so: „Das kommt dann erst wieder weg, wenn sie darniederliegt.“ Die Gemeinde müsse auch die Verkehrssicherheit im Blick haben, erläutert er, das sei einer der Gründe für die Entscheidung gewesen, ein Gerüst zu bauen. Die bisherigen Absperrungen hätten die Menschen nicht davon abgehalten, ganz nah an den stark in Mitleidenschaft gezogenen Baum heranzugehen. „Uns blieb nichts anderes übrig.“

Zugleich jedoch sei das Naturdenkmal aus dem Dorf kaum wegzudenken: „Es ist schon was Besonderes. Die Eiche taucht auf allen Bildern auf.“ Bereits die Stütze werde eine gewisse irreversible Veränderung bedeuten, sagt Spille: „Es wird nicht mehr das sein, was es mal war.“

Immerhin gebe es seit 2000 eine neue Eiche, berichtet der Bürgermeister. Eckehard Hautau vom Bürger- und Heimatverein weiß es noch genauer: eine zweite neue Eiche. Die erste Anpflanzung sei angesägt worden, berichtet er. Für ihn ist es ein „Phänomen“, dass der 1 000-jährige Baum so hartnäckig an seinem letzten Ast festhält. Hautau war ebenfalls dabei, als über die Stützlösung diskutiert wurde. Wie es weitergehen könnte, falls die Eiche ganz abstirbt, weiß auch er nicht so recht. Seine persönliche Idee wäre, immerhin den Stamm stehen zu lassen – und die „kleine“ Eiche daneben groß werden zu lassen.

Naturdenkmal ND106: Dorfeiche Dötlingen

Im Landkreis Oldenburg stehen etwa zehn Prozent der insgesamt 3 441 Naturdenkmäler Niedersachsens, berichtet Annika Mutke vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege. Die Dötlinger Dorfeiche wird im Register unter der Nummer ND106 als „aufrechter, freistehender Torso einer ehemals mächtigen Solitäreiche“ beschrieben, der „aus heimatkundlichen Gründen“ gesichert werden soll.

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