Auftragslage ist gut

„Alberts-Allradtechnik“ in Neerstedt baut Weltreisemobile

+
Auf das leicht modifizierte Fahrgestell ausgemusterter Bundeswehr- und Feuerwehrfahrzeuge wird die Wohneinheit gesetzt.

Neerstedt - Ein Whirlpool passt nicht in den „Koffer“. Aber sonst versucht Nils Alberts, seinen Kunden jeden Komfort in den Wohnaufbauten seiner Fahrzeuge zu ermöglichen. Denn die sind für die Kunden des Neerstedter Unternehmens „Alberts-Allradtechnik“ oft jahrelang ein Zuhause in der Ferne.

Der „Koffer“ ist in diesem Fall kein Gepäckstück, sondern der Wohnbereich in den Reisemobilen, die das Unternehmen herstellt. Und dabei ist laut dem Firmeneigner vieles möglich: Fußbodenheizung, Fotovoltaikanlage, Waschmaschine und Badezimmer inklusive Wassertoilette seien Standard. 

Zu den außergewöhnlicheren Wünschen, die Alberts erfüllt, gehören Wasserbetten, Mahagoni verkleidetes Mobiliar und der Holzofen, den er in eines seiner aktuellen Projekte installiert hat. Nicht so abwegig, denn schließlich sind seine Kunden auch in Alaska und Sibirien unterwegs. Diese bisweilen eisigen Gefilde stellen Alberts und seine fünf Mitarbeiter vor die größten Herausforderungen. 

„Für die Kälte muss man wirklich alles isolieren“, erläutert Alberts. „Die Öle müssen sogar vorgeheizt werden.“ Falls doch mal etwas ausfällt, gibt eine Absicherung: „Alle lebenswichtigen Dinge sind doppelt verbaut“, so Alberts. „Wir stopfen mehr Technik in die Fahrzeuge, als viele Kunden in ihren Häusern verbaut haben“, meint der Firmenchef. Dazu gehören auch jede Menge Sicherheitsvorkehrungen wie einbruchssichere Türen und Fenster, eine Alarmanlage sowie Kameraüberwachung.

Auf das leicht modifizierte Fahrgestell ausgemusterter Bundeswehr- und Feuerwehrfahrzeuge wird die Wohneinheit gesetzt.

Das alles hat seinen Preis: Die Fahrzeuge kosten zwischen 100.000 und 450.000 Euro. Dafür sollen die Ungetüme auf vier Rädern – sie sind in der Regel bis zu 3,60 Meter hoch – ihre Fahrer sicher um den Globus kutschieren. 

Die Weltenbummler seien oft Selbstständige, die ihre Firmen verkaufen oder die Leitung übergeben, sowie Rentner, die sich fragen: Was kommt jetzt noch?, schildert Alberts die Motivation seiner Kunden, auf große Fahrt zu gehen.

Grundlage für deren Reisemobile sind meist 25 bis 30 Jahre alte, ausgemusterte Bundeswehr- und Feuerwehrfahrzeuge. „Das ist ganz einfache Technik“, berichtet Alberts. „Die braucht man auf Weltreisen, sodass man auch mit einem Schraubenzieher etwas ausrichten kann.“ 

Nils Alberts konzipiert und baut Reisemobile nach den Wünschen seiner fernwehgeplagten Kunden.

Im ersten Schritt der Fertigung werden die Fahrgestelle angepasst: Der Radstand wird verlängert und der Motor auf die neuen Anforderungen eingestellt. Alberts und seine Angestellten ersetzen die alten Dieseltanks durch größere von bis zu 1 000 Litern Fassungsvolumen. 

Denn die Fotovoltaikanlage auf dem Dach unterstützt nur die Stromversorgung des Fahrzeugs, den Großteil der Energie produziert der Dieselgenerator – der Treibstoff sei schließlich auf der ganzen Welt zu bekommen und im Ausland sogar deutlich günstiger als in Deutschland. 

Die Fahrzeuge sollen mindestens zwei Wochen autark unterwegs sein können. Das ermöglicht auch die Wasserreinigungsanlage, die innerhalb einer Stunde etwa 300 Liter See- oder Flusswasser nutzbar machen soll.

Zu den ausgefalleneren Sonderwünschen zählt dieser Holzofen – auf einen Whirlpool müssen die Reisenden jedoch verzichten.

Momentan müssten Kunden zwischen sechs und acht Monate auf ihr Mobil warten, berichtet Alberts. „Die Nachfrage ist enorm“, so der Fahrzeugbauer. „Ich habe Aufträge bis 2020.“ Vor rund fünf Jahren war das Unternehmen von Stuhr nach Neerstedt gezogen, vor acht Wochen in eine neue Halle. „Die ist jetzt schon fast wieder zu klein“, sagt Alberts. „Wir könnten jedes halbe Jahr einen neuen Mitarbeiter einstellen.“ Doch es fehlt an Fachkräften.

Wenn Alberts mal wieder etwas mehr Zeit für Urlaub hat, will er sich selbst ein „Haus auf Rädern“ bauen und am liebsten durch China reisen. Doch daran ist angesichts der Auftragslage momentan kaum zu denken.   

pp

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump-Impeachment mit Plädoyers fortgesetzt

Trump-Impeachment mit Plädoyers fortgesetzt

Nur Bitter stark: DHB-Team mit zähem Sieg gegen Tschechien

Nur Bitter stark: DHB-Team mit zähem Sieg gegen Tschechien

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Meistgelesene Artikel

Sanierung und Ausbau der A 1 kommen gut voran: 250 Lkw-Plätze und neue Baustelle

Sanierung und Ausbau der A 1 kommen gut voran: 250 Lkw-Plätze und neue Baustelle

Hilfe für Hunde aus Versuchslabor: Reaktionen überwältigen Tierschützer

Hilfe für Hunde aus Versuchslabor: Reaktionen überwältigen Tierschützer

Nötigung im Straßenverkehr: Bauer zu saftiger Geldstrafe verurteilt

Nötigung im Straßenverkehr: Bauer zu saftiger Geldstrafe verurteilt

Polizei entdeckt Welpen ohne Heimtierausweis in Transporter an der A1

Polizei entdeckt Welpen ohne Heimtierausweis in Transporter an der A1

Kommentare