Werner Knoll repariert ehrenamtlich Fahrräder/Große Spendenbereitschaft

Dank Werkstatt werden Flüchtlinge mobiler

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Immer, wenn es die Zeit zulässt, repariert Werner Knoll in seiner Werkstatt Fahrräder für Flüchtlinge.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Es sieht nach Arbeit aus in der Garage von Werner Knoll. Ein Auto hat kaum mehr Platz. Stattdessen stehen und hängen dort Zweiräder – für Damen und Herren ebenso wie für Kinder. Und seitdem sich herumgesprochen hat, dass der Neerstedter Fahrräder für Flüchtlinge repariert, werden es immer mehr. „Die Spendenbereitschaft ist wirklich hoch. Ich bin dankbar für jedes Rad“, sagt Knoll.

Gerade wird wieder ein älteres 26-Zoll-Damenrad angeliefert. Rund vier Jahre lang stand es ungenutzt im Keller. „Das trifft auf die meisten zu, die ich erhalte“, verrät Knoll. Manche seien dennoch einigermaßen gut in Schuss. „Aber die schrottreifen nehme ich ebenfalls. Schließlich benötige ich auch Ersatzteile“, sagt er und schmunzelt. Das 26er-Rad wird wohl nicht „ausgeschlachtet“. „Macht doch einen super Eindruck“, meint er und testet die Vorderbremse. Sie funktioniert. „Sieht sogar geputzt aus“, staunt Knoll, der weitaus anderes gewohnt ist.

Zweiradmechaniker war vor Jahrzehnten der erste Berufswunsch des Neerstedters. „Hat leider nicht geklappt“, erzählt er und zuckt mit den Schultern. Das Fahrrad bezeichnet er als Hobby. Mit der Reparatur kennt er sich aus. 20 Jahre lang arbeitete Knoll in der Fachklinik Oldenburger Land in der Arbeitstherapie. Dort wurde auch an Zweirädern geschraubt. Zudem ist er regelmäßig beim Radaktionstag an der Neerstedter Grundschule dabei und überprüft die Räder des Nachwuchses auf ihre Verkehrstauglichkeit.

Knoll ist seit Jahren ehrenamtlich tätig. Unter anderem sitzt er im Gemeindekirchenrat und leitet eine Plattdeutsch-AG in der Schule. Sich nun für die Flüchtlinge in der Gemeinde Dötlingen zu engagieren, scheint für ihn selbstverständlich. So übernahm er die Patenschaft für eine Unterkunft und reparierte für die dort untergebrachten Asylsuchenden ein Fahrrad. „Ich fragte in der Nachbarschaft, wer eines übrig hat“, erinnert sich der Neerstedter. Er wurde fündig, und schnell machte der Reparaturservice für den guten Zweck die Runde.

Im Mai lief die Fahrrad-Werkstatt richtig an. „17 Räder habe ich seitdem flott gemacht und quasi ausgeliefert.“ Bei den meisten reichte ein Flicken des Schlauches nicht aus. Mal ist eine Speiche gebrochen, mal das Tretlager defekt oder die Gangschaltung hinüber – „manchmal auch alles zusammen“, weiß Knoll, der dann aus mehreren Rädern eines bastelt. „Die Flüchtlinge freuen sich sehr darüber. Für sie bedeutet ein Fahrrad Mobilität“, erzählt er. Denn ein Bus- oder Bahnticket könnten sie sich nur in Ausnahmefällen leisten. Und so steuerten die Asylsuchenden eben auf zwei Rädern Ämter oder auch die Wildeshauser Tafel an. Da nicht für alle ein Fahrrad zur Verfügung steht, teilen sich manche eines.

Das Fahren auf zwei Rädern ist für viele allerdings neu. Die Straße vor Knolls Garage verwandelte sich da schon häufiger in eine Teststrecke. „Besonders unter den Frauen gibt es einige, die noch nie auf einem Fahrrad saßen“, weiß der Neerstedter, der dann mit ein paar Tipps aushilft. „Bei den ersten Versuchen helfen sie sich oft gegenseitig und halten das Rad fest, damit der andere nicht das Gleichgewicht verliert.“ Zudem gebe es beim Landkreis eine Übersicht über die Verkehrsregeln in unterschiedlichen Sprachen. Unfallfrei kommen dennoch nicht alle von A nach B. „Letztens ist einer gegen eine Wand gefahren, weil er zu sehr mit der Gangschaltung beschäftigt war.“ Verletzt wurde niemand, aber Knoll hatte wieder zu tun. „Kleinigkeiten kann ich schnell reparieren. Für die Fälle, in denen es länger dauert, habe ich ein Leihfahrrad.“

Damit die Flüchtlinge nicht bei jeder Kleinigkeit die „Werkstatt“ ansteuern müssen, zeigt ihnen Knoll zudem ein paar Handgriffe – vom Verstellen des Sattels bis hin zum Auswechseln der Glühbirne. „Auch die Gangschaltung muss ich oft erklären“, sagt der Neerstedter, der das 26er-Rad in die Garage schiebt. „Jetzt sind erst einmal Kinderräder an der Reihe. Die werden gerade benötigt.“

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