AUS DEM GERICHT Im Zweifel für den Angeklagten – Aschenstedter freigesprochen

Wer war Täter, wer Opfer?

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Aschenstedt – War ein 50-Jähriger, weil sich nachts jemand an Fahrrädern auf seinem Grundstück zu schaffen gemacht hatte, so wütend, dass er auf zwei nichts ahnende Heranwachsende an einer nahe gelegenen Bushaltestelle direkt mit einem Stock losging? Oder waren die jungen Männer tatsächlich auf seinem Grundstück gewesen und gingen zum Angriff über, als sie zur Rede gestellt wurden? Wer war Täter, wer war Opfer? Was vor einem guten Jahr gegen Mitternacht in Aschenstedt wirklich geschehen ist, ließ sich am Montagvormittag vor dem Wildeshauser Amtsgericht nicht mehr ermitteln. „Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte“, sagte die Richterin und war geneigt, das Verfahren gegen den 50-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung auf Antrag der Verteidigung einzustellen.

Doch da spielte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Sie wollte alle Zeugen hören und war am Ende der Beweisaufnahme davon überzeugt, dass der Aschenstedter die Heranwachsenden angegriffen hat. Sieben Monate, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, plus 50 Stunden gemeinnützige Arbeit sollten nach Auffassung der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Mahnung genug sein. Der Verteidiger empfand dies als geradezu „lächerlich“ und hatte erhebliche Zweifel an den Aussagen der angeblichen Opfer, ein 18- sowie ein 21-Jähriger aus Dötlingen.

Schlug 50-Jähriger direkt mit Stock zu?

Letzteres galt auch für die Richterin. Sie sprach von einer klassischen Aussage-gegen-Aussage-Situation. Die Beweisaufnahme habe kaum Erkenntnisse hinsichtlich des tatsächlichen Hergangs ergeben. Also galt: im Zweifel für den Angeklagten – Freispruch. Der 50-Jährige schien sichtlich erleichtert. Er sprach von ein wenig Gerechtigkeit. Es habe ihn erschüttert, wie er vom Opfer zum Täter gemacht werden sollte.

Nach der Version des Angeklagten war er nachts von seiner Frau geweckt worden, weil sie Geräusche gehört hatte. Beim Blick aus dem Fenster sahen sie zwei Personen, die sich an den Fahrrädern im Carport zu schaffen machten. „Übrigens nicht das erste Mal“, erklärte der Aschenstedter. Es scheine gang und gäbe zu sein, dass sich Partygäste, wenn sie nicht anders nach Hause kommen, einfach ein fremdes Rad nehmen. Und an dem Abend war in der Nachbarschaft eine Feier gewesen.

Der 50-Jährige hatte diesmal genug. Er zog sich schnell eine Hose über, eilte aus dem Haus und verfolgte zwei Flüchtende mit dem Auto. Entdeckt habe er sie an der nahe gelegenen Bushaltestelle, „wo sie sich auf der Bank duckten“. „Auf frischer Tat ertappt“, nannte es der Verteidiger.

Alle drei Beteiligten erlitten Verletzungen

Der 18- sowie der 21-Jährige sagten hingegen aus, sie wären auf einer Party gewesen. Weil es dort so laut war und sie sich lange nicht gesehen hätten, hätten sie sich zum Quatschen in die Bushaltestelle zurückgezogen. Dort sei plötzlich der Angeklagte vorgefahren, ausgestiegen und habe sie aufgebracht und mit einem Stock in der Hand gefragt, ob sie auf seinem Grundstück waren. Als sie dies verneint hätten, hätte er zugeschlagen. Und als sich dies wiederholte, sei der 18-Jährige aufgesprungen, um dem Angeklagten den Stock zu entreißen, der sich übrigens als eine Vogelkäfigstange aus Holz herausstellte, die zufällig im Auto lag. Die beiden kamen zu Fall, auf dem Boden wurde gerangelt.

Der Angeklagte sagte indes, die beiden hätten ihn ausgelacht, als er sie zur Rede stellen wollte. „Schieb ab Alter“, hätten sie gesagt. Dann sei der 18-Jährige auf ihn losgegangen. Die Aussage „Den machen wir fertig“ sei ebenfalls gefallen. Der Aschenstedter bezeichnete das Gerangel als Verdreschen, in dessen Verlauf ihm auch gegen den Kopf getreten worden sei. Die Aussagen deckten sich schließlich in dem Fakt, dass der 21-Jährige seinen Kumpel wegzog und dieser dann die Polizei rief.

Verletzungen hatten alle drei Beteiligten erlitten. Der 21-Jährige war zudem leicht angetrunken, der 18-Jährige hatte einen Atemalkoholwert von 1,6 Promille gehabt. Aus Sicht des Angeklagten haben sich die beiden Heranwachsenden der Körperverletzung schuldig gemacht. Doch die strafrechtliche Verfolgung war eingestellt worden. Die Richterin hätte es deshalb für angemessen gehalten, auch das Verfahren gegen den 50-Jährigen einzustellen. Mit einem Freispruch dürfte der Aschenstedter aber ebenso gut leben können.  ts

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