Wer war der Künstler Karl Bannmüller?

Kaum einer kennt ihn, obwohl seine Arbeiten in Dötlingen und Wildeshausen zu finden sind

Das aus Kupfer getriebene Taufbecken in der Wildeshauser Alexanderkirche stammt von Karl Bannmüller.
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Das aus Kupfer getriebene Taufbecken in der Wildeshauser Alexanderkirche stammt von Karl Bannmüller.

Dötlingen – Auf einen alten Artikel der Wildeshauser Zeitung vom 3. November 1950 ist Heimatforscher Dirk Faß aus Sage-Haast gestoßen. Darin geht es um den Metallbildhauer Karl Bannmüller, der unter anderem in Dötlingen gelebt und gewirkt hat. Er dürfte zwar über Gemeindegrenzen bekannt sein, da sich in vielen Kirchen Deutschlands Wandleuchten, Taufbecken oder Leuchter von ihm befinden, trotz allem haben nur wenige Dötlinger bisher von ihm gehört.

In dem Artikel heißt es: „Den Spaziergängern, die die idyllisch gelegenen Goldberge bei Dötlingen durchstreifen, dringt auf ihren Wegen durch die grünen Wälder und zu den steilen abfallenden Hängen der Hunte ein munteres taktvolles Hämmern in den Ohren. Geht man den Klopftönen nach, so gelangt man, ringsum von Bäumen umgeben, zu einer kleinen Holzhütte. Hier treffen wir auf einen Künstler, der bis tief in die Nacht klopft und hämmert, und das auf spielzeughaft winzigen Ambossen. Grobe und rohe Kupfer- und Messingbleche, Stangen und Rohre, formen sich unter der künstlerischen Hand des Metallbildhauers Karl Bannmüller zu glänzenden großen Kugeln und Schalen, geschwungenen Armen und Ornamenten in verschiedenen Zierformen.“

Als Ausgebombter kam er nach Dötlingen

Als Bannmüller nach Beendigung des Krieges in seine Heimat Aachen zurückgekehrt war, hatte er alles verloren. Haus und Inventar waren ausgebombt und ihm fehlte jegliche Existenz. Weiter heißt es: „Nach allerlei anfänglichen Schwierigkeiten gründete er schließlich in seiner neuen Heimat, in Dötlingen, eine kunstgewerbliche Werkstatt. Schließlich errang er im ständigen Existenzkampf der Nachkriegsjahre einen künstlerischen Ruf, der mittlerweile weit über die Grenzen des Oldenburgischen hinausgedrungen ist. Auch aus dem Ausland, wie aus Südamerika, konnte Metallbildhauer Bannmüller Aufträge erfüllen. Schwerpunktmäßig verlegte er sein künstlerisches Arbeitsgebiet auf die Herstellung von Leuchtern und Lampen. Zu seinen bisherigen Arbeiten gehören unter anderem zwei große 18-armige Kronleuchter altflämischen Stils in Messing getrieben, die sich im Oldenburger Ratshausaal befinden.“

„Im Hotel „Graf Anton Günther“ in Oldenburg befinden sich eine Anzahl 14-armiger Leuchter. Zu den weiteren Arbeiten zählen die Ausstattungen mit Beleuchtungskörpern des Wildeshauser Berufsschulsaales – wie auch auf Gut Altona. Ebenfalls gehören zu Bannmüllers Gestaltung großer Säle Wandleuchter in den verschiedensten Arten, von antiken Formen oder Blätter- bis hin zu Flammenmustern.“ Wer die Alexanderkirche in Wildeshausen besucht, sollte das kupfergetriebene Taufbecken und die dazu gehörenden Geräte in Augenschein nehmen. Denn die Kupferschule im Taufbecken stammt aus seinen Händen.

Taufbecken-Schale stammt von Bannmüller

Auch das Taufbecken in der Dötlinger St.Firminus-Kirche fertigte Karl Bannmüller.

Aber nicht nur das: Ebenfalls das Taufbecken in der Dötlinger St.-Firminus-Kirche fertigte Bannmüller. Das waren aber nicht seine einzigen Arbeiten: Bannmüller hatte ebenso die Amtskette für die Wildeshauser Bürgermeister gefertigt und die Beleuchtungen für das Museumsdorf Cloppenburg geschaffen. Diese Informationen fand der Dötlinger Heimatforscher Karsten Grashorn mithilfe von Artikeln einer Lokalzeitung heraus. Ihm war der Name Bannmüller zuvor jedoch nicht bekannt. Obwohl Bannmüller im Dorf lebte und dort acht Jahre lang eine Werkstatt betrieben hatte, haben nur wenige Dötlinger von ihm gehört. „Der Name ist mir überhaupt noch nicht untergekommen“, sagt Dette Zingler, die Interessierten als Gästeführerin unter anderem die Dötlinger St.-Firminus-Kirche zeigt.

Wildeshauser Heimatforscher Peter Hahn ist der Name ebenfalls nicht bekannt. Pastorin Susanne Schymanitz kann bei der Spurensuche auch nicht weiterhelfen. „Ich habe den Namen zwar schon mal gehört, aber nicht so, dass ich sagen kann: Ach, das ist der.“

„Ich kenne ihn nicht. Ich habe den Namen noch nie gehört“, sagt Gerti Essing von der Dötlingen-Stiftung am Telefon. Eckehard Hautau vom Bürger- und Heimatverein kennt den Metallbildhauer ebenfalls nicht. Nächster Versuch, der mehr Erfolg verspricht. Der Dötlinger Walter Ulrich, ebenfalls von der Dötlingen-Stiftung und Mitglied im Bürger- und Heimatverein, kannte Bannmüller: „Ich kannte ihn persönlich. Damals, als Junge, habe ich ihn kennengelernt“, erzählt er. „Er hat nach dem Krieg etliche Sachen gemacht und sein Geld damit verdient.“ Er sei zu der Zeit etwa 14 oder 15 Jahre alt gewesen, so Ulrich. „Er war damals schon sehr viel älter als ich.“ Daher glaube er nicht, dass Bannmüller noch lebt. Wo er damals seine Werkstatt hatte, das wisse er nicht mehr, so Ulrich.

Der Dötlinger Kurt Kläner erinnert sich ebenfalls an den Metallbildhauer. „Ich habe Bannmüller gekannt. Seine Arbeiten habe ich gerne gesehen. Er hat nur mit Metall und immer mit einem Hammer gearbeitet. Die Kupferplatte wurde immer größer und breiter“, erzählt er. Er erinnert sich noch, dass der Künstler eine ganz kleine Werkstatt hatte. „Die war in der Dorfmitte, wenn man in Richtung Neerstedt fährt.“ Gesprochen hatte er mit Bannmüller aber nicht. „Ich ging gerade mal zur Schule und war noch nicht so wortgewandt“, erzählt Kläner.

Bei Spurensuche helfen

Wer Licht ins Dunkel bringen kann und mehr über Karl Bannmüller weiß, ihn sogar persönlich kannte oder Bildmaterial von ihm hat, kann sich per E-Mail an redaktion.wildeshausen@kreiszeitung.de oder unter Telefon 04431/9891152 an die Redaktion wenden.  

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