„Wer heilt, hat recht!“

Dötlinger Heilpraktiker wehren sich gegen Kritik an ihrem Beruf

Kritiker werfen Heilpraktikern vor, dass ihre Behandlungsmethoden wissenschaftlich nicht haltbar sind. - Foto: djd/hkk

Dötlingen - Von Phillip Petzold. Fehlbehandlungen mit dramatischen Konsequenzen, wissenschaftlich unhaltbare Methoden, mangelnde Kompetenzen. Die Autoren des „Münsteraner Memorandums“ üben heftige Kritik am Beruf des Heilpraktikers. Unsere Zeitung hat sich bei Vertretern dieser Profession in der Gemeinde Dötlingen nach Reaktionen umgehört.

Ebenso drastisch wie die Vorwürfe sind auch die Forderungen der Hauptautoren. Nämlich entweder deren Befugnisse zu beschränken oder „den staatlich geschützten Beruf des Heilpraktikers zu annullieren“. So heißt es in dem Memorandum. Bei Dötlinger Heilpraktikern stoßen die 17 Hauptautoren – darunter Ärzte, Juristen, Ethiker und Journalisten – auf wenig Verständnis.

Vorwürfe gegen Lobbyisten und Pharmaindustrie

„Solche Veröffentlichungen sind von Lobbyisten und der Pharmaindustrie gesteuert“, glaubt Anette Marquardt, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Die steckten auch hinter den Vorwürfen, dass die Methoden der Alternativmedizin nicht wissenschaftlich belegt seien. „Wer heilt, hat recht!“, so Marquardt. Dennoch ist sie der Ansicht, dass Heilpraktiker bei der Behandlung, „ihre Grenzen kennen“ müssen. Sie arbeite daher mit Schulmedizinern zusammen. Bei den Ausbildungsstandards sieht sie keinen Verbesserungsbedarf.

Die von den Verfassern des Memorandums geforderte fachspezifische und wissenschaftsorientierte Ausbildung für einen begrenzten Bereich findet Thomas Brüning „gar nicht so schlecht“. Allerdings würden sich viele Heilpraktiker ohnehin weiterbilden, so der Heilpraktiker für Psychotherapie. Er plädiert dafür, dass der Staat „ein schärferes, kritisches, aber auch realistisches Auge“ auf die Berufe im Gesundheitswesen hat und eine Erfolgsquote einführt. „Dann wäre das Thema schnell vom Tisch.“ Auch Brüning findet, dass angesichte des breiten Spektrums an Krankheiten sowohl Alternativ- und wissenschaftsbasierte Medizin ihren Platz haben.

Heilpraktiker sollten mehr praktische Erfahrungen sammeln

„Es gilt, diesen komischen Kleinkrieg auf beiden Seiten aufzulösen“, findet Ramona Wagener, die in Neerstedt als Heilpraktikerin tätig ist und für eine Zusammenarbeit plädiert. Den grundsätzlichen Nutzen wissenschaftlicher Studien zweifelt sie an. Die Wirksamkeit der Methoden sei wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, und das sei auch in der Schulmedizin nicht anders. Hinsichtlich der Qualifikation von Heilpraktikern, glaubt Wagener, dass diese mehr praktische Erfahrungen sammeln sollten. Als gelernte Krankenschwester meint sie, wer andere Menschen behandeln will, solle sich vorher ein Bild von den Erkrankungen gemacht haben. Hier ist sie auf Linie mit den Autoren des Memorandums.

Die bringen durchaus Verständnis für Menschen auf, die sich an Heilpraktiker wenden und sich dort besser aufgehoben fühlen, als in so mancher Praxis von Schulmedizinern: „Unbestritten schenken viele Heilpraktiker ihren Patienten Zuwendung und wohltuende Aufmerksamkeit, die diese in der auf Effizienz getrimmten wissenschaftsorientierten Medizin sehr oft nicht finden“, heißt es im Memorandum. Doch die Therapieansätze der Alternativmedizin seien aus wissenschaftlicher Sicht schlicht irrational.

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