Begabtenförderung im Schulverbund beinhaltet auch Kursus in Neerstedt

Wenn Talente lernen

Während sich Jasmin, Annabell und Antonia (v.l.) mit den plattdeutschen Bezeichnungen für Farben befassten, versuchten sich Johannes, Hannes und Jan-Henry (rechtes Bild, v.l.) an einem Spiel auf Platt. Fotos: Schneider

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Könnt ihr Plattdeutsch nur verstehen oder auch sprechen? Hannes‘ Finger schnellt sofort in die Höhe: „Ich kann sogar ein Gedicht auf Plattdeutsch aufsagen“, erzählt er und legt los. Der Schüler der Wildeshauser St.-Peter-Schule gehört zu den insgesamt sechs Kindern, die im Rahmen der Talentförderung der im Schulverbund Huntetal zusammengeschlossenen Einrichtungen einen Plattdeutschkursus an der Neerstedter Grundschule besuchen. Mit dabei sind an diesem Dienstag auch Jan-Henry von der Harpstedter Grundschule, Annabell von der Grundschule Ahlhorn, Jasmin und Antonia von der Privatschule Gut Spascher Sand sowie Johannes, für den es ein Heimspiel ist.

Als einziger in der Runde hat Johannes keine Plattdeutsch-Kenntnisse, weiß nur zwei Wörter auf Platt. Die übrigen Kinder können die niederdeutsche Sprache zumindest verstehen, weil Oma und Opa sie noch regelmäßig sprechen. „Deshalb sind wir für den Kursus ausgesucht worden“, meint Annabell. Die Neerstedter Lehrerin Hildburg Kästner ergänzt: „Und weil eine gewisse Sprachbegabung sowie Interesse vorliegen.“

Der Kooperationsverbund möchte mit der Talentförderung Kinder mit besonderer Begabung stärken und motivieren. Denn Inklusion bedeute nicht nur, Schüler mit Lernschwächen oder Beeinträchtigungen teilhaben zu lassen, sondern auch, Talente zu unterstützen. Ein erster Schritt im Schulverbund ist das jetzige Pilotprojekt mit sieben Kursen an fünf der beteiligten Einrichtungen. Das Spektrum reicht von der Musikwerkstatt übers Storytelling bis hin zur „Mathematik für kleine Forscher“.

„Segt dat op Platt“ ist das einzige Angebot in der Gemeinde Dötlingen. „Ich hatte es unserer Schulleiterin vorgeschlagen, weil ich selber mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen bin und nicht möchte, dass sie in Vergessenheit gerät“, erklärt Kästner. Plattdeutsch sei lange Zeit als „hinterwäldlerisch“ verschrien gewesen, gewinne mittlerweile aber wieder an Bedeutung. „Platt heißt nichts anderes als verständlich oder deutlich“, betont die Lehrerin.

Den vierstündigen Kursus baut Kästner wie Fremdsprachenunterricht auf, vermittelt zunächst Informationen über die Entwicklung des Niederdeutschen und bringt den Kindern anschließend Zahlen sowie Farben bei. Grün heißt gröön, und braun ist bruun. „Gar nicht so schwer“, finden die Mädchen und Jungen. Damit das Lernen Spaß macht, lockern Spiele und Ausmalbilder auf Platt den Kursus auf. Kästner liest noch die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten vor, und am Ende des Vormittags hat jedes Kind sogar einen eigenen kleinen Text auf Plattdeutsch geschrieben.

Damit die Talentförderung keine einmalige Sache bleibt, plant der Schulverbund Huntetal für März eine Fortsetzung.

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