Wenn das Publikum losprustet

Fred, Paul und Harry schmieden einen Plan – sehr zum Leidwesen ihrer Frauen Elfie, Franziska und Britta (v.l.). Fotos: Schneider

Für die Speelkoppeln im Oldenburger Land ist derzeit Hochsaison. Wochenende für Wochenende präsentieren sie ihre plattdeutschen Stücke – meistens in den Gasthäusern der Region. Auftritte im einzigen Theater im Landkreis Oldenburg, der Neerstedter Bühne, sind für die Darsteller eine willkommene Abwechslung.

VON TANJA SCHNEIDER

Neerstedt – Die Zuschauer haben es sich bequem gemacht – in den roten Polstern des Theaters in Neerstedt. Freie Plätze gibt es an diesem Sonntag kaum noch. Wenn eine plattdeutsche Gruppe aus der Region auf der Bühne steht, ist das Haus meistens ausverkauft. Schließlich servieren die Laiendarsteller nicht nur spannende, humorvolle und abstruse Geschichten, sondern auch gleich eine Lachgarantie. Je öfter das Publikum losprustet, desto besser sind in der Regel das Stück und die schauspielerische Leistung.

Und an diesem Nachmittag wird besonders viel gelacht. Die Akteure der Korsorsbarger Speeldeel befinden sich gerade mal wenige Minuten auf der Bühne, da gibt es für einige Zuschauer schon kein Halten mehr. Ob es an Fred Papendieks stilvollem Outfit liegt – knallrote Socken in Adiletten? Oder an seinen speziellen Vermutungen – zum Beispiel, dass seine Gewichtszunahme auf das neue Volumenshampoo zurückzuführen ist?

Das Stück „Hurra, wi kaamt in‘t Fernsehen“ von Hans Schimmel bietet dem Publikum jede Menge Einblicke in die seltsamen Gedankengänge der Männerwelt. Und so mancher Theatergast hat schon nach kurzer Zeit Mitleid mit den dazugehörigen Frauen: Elfie Papendiek, gespielt von Bärbel Schlösser-Augustyniak, wird von ihrem Gatten Fred (Andreas Hauke) ganz schön gescheucht. Der eingefleischte Sozialhilfeempfänger mit einer großen Leidenschaft fürs Fernsehen lässt sich gerne von vorne bis hinten bedienen. Auch Britta Lüttjohann (Erika Stahmer) hat mit ihrem Harry (Dieter Kruse) kein Prachtexemplar von einem Mann zu Hause. Weil er die Miete nicht zahlt, droht dem Paar der Rauswurf aus der Wohnung.

„Rollentausch – keine Gnade für den Partner“

Über solche Probleme kann Franziska Meyer (Heike Renken) nur schmunzeln. Ihre bessere Hälfte Paul (Heinz Backhus) war ohne Absprache Teilnehmer in einer Fernsehshow. „Er war der geschundene Mann des Tages“, heult sie Elfie und Britta vor. Das Prusten des Publikums geht in ein mitfühlendes „Oh“ über, als sie weiter berichtet: „Er hat erzählt, ich wäre geschlechtsumgewandelt, drogen- und alkoholabhängig – und dass ich ihm nichts zu essen gebe.“

Für die drei Frauen steht fest: „Jetzt ist Schluss mit lustig.“ Die Forderungen: Harry soll Geld für die Miete ranschaffen, Paul eine gute Erklärung für seinen TV-Auftritt liefern und Fred jegliche Ausreden von Paul unterbinden. Besonders für Harry scheint dies eine unlösbare Aufgabe. Das Arbeitsamt vermittle ihm schließlich nur Stellen, die nicht seinen Neigungen entsprächen. „Die Jobs als Millionäre und Könige sind alle besetzt.“

Doch Paul hat eine Idee: Wenn die drei Paare an der TV-Show „Rollentausch extrem, keine Gnade für den Partner“ teilnehmen, gibt es 30 000 Euro. Harry ist Feuer und Flamme, Fred lässt sich mit Blick auf einen neuen Fernseher locken. Und auch die Frauen stimmen zu. Während sie recht schnell in ihre Rollen finden und sich mit Jogginghosen und dem Nichtstun anfreunden, verfluchen die Herren der Schöpfung schon ihre Teilnahme. Das Publikum prustet angesichts der behaarten Männerbeine in Kleidern ordentlich los. Einen wahren Angriff auf die Lachmuskeln versprechen schließlich die Ankündigungen der Moderatorin: „Wie Sie sehen können, strebt unsere Sendung ihrer ersten Eskalation entgegen“ und „Harry Lüttjohann ist gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten, und wir fragen uns jetzt schon, werden die Beteiligten es überleben?“. „Nein“, platzt es aus einer Zuschauerin heraus.

Natürlich überleben die Sechs. Ob sie auch die 30 000 Euro Prämie gewinnen, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Denn die Korsorsbarger Speeldeel steht mit ihrem Stück „Hurra, wi kaamt in‘t Fernsehen“ noch zehnmal auf den Bühnen im Oldenburger Land.

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