Wenn der Poet verzweifelt

Hans-Werner Aschoff (l.) trug bei der Vernissage Gedichte vor, die Karsten Rubbert (r.) mit seinen Fotografien bebildert hat. Fotos: Schneider

Viel Humor und fotografisches Handwerk prägen die aktuelle Ausstellung in der Müller-vom-Siel-Kate. Zur Eröffnung am Sonntag gab es Sekt, Poesie und Einblicke in die Arbeit eines Künstlers.

VON TANJA SCHNEIDER

Dötlingen – Die Auslöser für Verzweiflung können vielseitig sein – von der Partnersuche über den Glauben bis hin zu Arztterminen. Eine Vernissage in der Dötlinger Müller-vom-Siel-Kate gehört in der Regel nicht dazu. Auch am Sonntagvormittag fand sich zunächst keine Spur von Verzweiflung. Musiker Markus Häger spielte Fröhliches auf dem Keyboard, und die Besucher beäugten bei einem Glas Sekt oder Orangensaft interessiert die Schwarz-Weiß-Fotografien von Karsten Rubbert. Eine seltene Gelegenheit, denn eigentlich stellt der Hobbyfotograf nicht aus. „Meine Bilder habe ich normalerweise für mich“, sagte Rubbert.

Dieser Umstand änderte sich mit der Zusage, Hans-Werner Aschoffs Gedichtband „Take Poetry“ zu bebildern. Er ist vor Kurzem erschienen und der Nachfolger des Buches „Fake Poetry“, das der Wirtschaftsförderer des Landkreises Oldenburg vor ziemlich genau zwei Jahren in der Kate präsentiert hatte. Gedichte für einen dritten Band unter dem Titel „Shake Poetry“ hat Aschoff ebenfalls schon verfasst. Aus diesem Sammelsurium trug er den Vernissage-Besuchern einige Zeilen vor. „Es gibt zwar keinen roten Faden in den Büchern. Ich habe aber bemerkt, dass ich eine Menge Verzweiflungs-Gedichte geschrieben habe“, verkündete Aschoff und legte los.

Über das volle Wartezimmer beim Arzt dichtete er: „Wer nach mir kam, der musste stehen. Nicht günstig für die Frau mit Wehen.“ Und zu Schmerzen, die nur Männer haben, schrieb er Folgendes: „Schon am Frühstückstisch fiel ihm ein, dieser Schnupfen könnte tödlich sein.“ Ein Wort, das ihn regelmäßig zur Verzweiflung treibe, sei Nachhaltigkeit. Mit Blick auf seine drei Jahrzehnte bei der Wirtschaftsförderung kamen ihm „Bürogedanken zur Nachhaltigkeit“: „Bin 30 Jahre hier, hier wurden grau die Haare mir. War früher schwarz und flachfaltig. Schade, war nicht nachhaltig.“ So mancher Zuhörer nickte wissentlich.

Aschoff spendierte im Laufe seiner Lesung noch zuversichtliche und fröhliche Reime. Zu dem einen oder anderen Vers verwies er auf das passende Werk von Rubbert. Dieser hatte es als Herausforderung gesehen, die Texte zu bebildern. „Ich denke, wir sollten den Spieß einmal umdrehen. Du schreibst Gedichte zu meinen Fotografien“, schlug er vor. Die Verbindung von Poesie und Bild sei nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. „Bei anderen ist sie offensichtlich“, erzählte Rubbert.

Ebenso wie das Buch sind die Werke quadratisch – nicht hinter Glas, sondern auf Karton, in einem fast schwebenden Zustand. Auf die sonst in der Kate übliche themenbezogene Anordnung – also beispielsweise Landschaft zu Landschaft – wurde diesmal verzichtet. „Die Fotografien hängen in der Reihenfolge, wie sie im Buch zu finden sind“, erklärte Gerti Essing von der Dötlingen Stiftung, die in die kurze Ausstellung einführte. Beim Anblick der Bilder sei ihr folgender Spruch in den Sinn gekommen: „Das Auge schläft, bis es der Geist mit einer Frage weckt.“ Bei Rubberts Fotografien seien es die Details, die zum genauen Hinschauen animierten.

Die Ausstellung ist noch am kommenden Wochenende – Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 18 Uhr – geöffnet. Neben den Bildern kann der Gedichtband erworben werden.

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