Wenn ein Köln-, ein Gladbach- und ein Werder-Fan an derselben Straße wohnen...

Schlagabtausch vorm Bundesliga-Start

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Morgen startet die Bundesliga: An der Straße „Neddenhüsen“ schlägt das Herz für drei Clubs. Marla-Renee Schütte und ihr Vater Hartmut (Mitte) drücken dem 1. FC Köln die Daumen, Enno Hollmann (l.) ist Werder-Fan, und Thomas Hartung jubelt am liebsten mit Borussia Mönchengladbach.

Brettorf - Von Tanja Schneider. So mancher kann es kaum erwarten. Ab morgen Abend rollt in der ersten Fußball-Bundesliga wieder der Ball. Auch entlang der Straße „Neddenhüsen“ in Brettorf freut man sich auf das Ende der Sommerpause. Dort wohnen Geest-Böcke, Gladbach-Anhänger sowie Werder-Fans in unmittelbarer Nähe.

Spinnefeind ist man sich keineswegs. Sticheleien zum Saison-Auftakt gehören aber dazu – und so trafen sich Hartmut Schütte, Köln-Fan und Schatzmeister der „GeestBöcke“, Thomas Hartung, Schriftführer beim Mönchengladbach-Fanclub „Huntetal Borussen“, sowie Enno Hollmann, Gründungsmitglied des Werder-Fanclubs 27801, zu einem kleinen Schlagabtausch.

Bei Cappuccino und Bier auf Schüttes Terrasse wird erst einmal die Frage diskutiert, warum das Haus des Köln-Anhängers eigentlich grün-weiße Fenster hat. „Das hat überhaupt nichts mit Werder zu tun“, verteidigt sich der Brettorfer. „Das Grün steht für den Rasen, auf dem Fußball gespielt wird. Außerdem haben wir ja ein rotes Dach.“ Schütte war 2008 ein Mitbegründer des Fanclubs „GeestBöcke“ und ist seit 1992 Mitglied beim 1. FC Köln. „Zum 20-Jährigen gab es einen Schal von Toni Schumacher. Da staunt ihr“, meint er stolz. Noch mehr staunen Hollmann und Hartung über die Erklärung ihres Nachbarn, wie er überhaupt zum Köln-Fan wurde. „Ich habe mir mal ein entsprechendes T-Shirt ausgesucht. Seitdem bin ich dem Verein treu“, erzählt er – und erntet ungläubige Blicke: „Du bist Fan wegen eines T-Shirts?“

Hartung hat einen besseren Grund parat, warum er Mönchengladbach-Anhänger ist. „Es begann in den 70er-Jahren, als die Borussia fünf Mal die Meisterschaft gewann. Da war ich noch ein kleines Kind“, erinnert er sich. Schütte lacht: „Nee, warst du da nicht schon 18 oder 19?“, neckt er. Hartung gehört zu den „Huntetal Borussen“ der ersten Stunde, ist ebenso im Vorstand wie seine Frau Stefanie. „In diesem Jahr feiert der Club sein Fünfjähriges“, berichtet er. Die Spiele schauen die „Huntetal Borussen“ stets gemeinsam im Wildeshauser „Kayserhaus“. „Nicht nur die Bundesliga, auch die Champions League“, stichelt er in Richtung seiner Nachbarn, deren Vereine nicht den Sprung auf die internationalen Plätze geschafft haben.

Das wird diese Saison doch aber gelingen, oder etwa nicht? „Ich glaube, dass Gladbach und Werder am Ende weit oben in der Tabelle stehen, Vizemeister und Dritter – direkt hinter Köln“, wirft Schütte den Fehdehandschuh in den Ring. Hartung reagiert: „Für Köln tippe ich Rang zehn oder tiefer.“ Den eigenen Verein sieht er am Saisonende auf Platz drei oder vier. „Und Werder auch weit oben“, ergänzt er. Schließlich muss der Haussegen bewahrt werden. Denn der Hartungsche Nachwuchs gehört zu den Bremen-Anhängern.

Ganz realistisch schätzt Hollmann die Chancen seiner Werderaner ein, es dieses Mal in die Europa-League zu schaffen. „Das wird schwer“, meint der ehemalige Kassenwart des „WFC 27801“ und der aktuelle Kick-Tipp-Gewinner des Fan-Clubs. „Ja, ich bin ein erfolgreicher Tipper, und stolz drauf“, sagt er. Für das erste Werder-Heimspiel am Sonnabend gegen Schalke vermutet er ein 1:1-Remis. Gegen die Gladbacher am dritten Spieltag hofft er ebenfalls auf ein Unentschieden, „und gegen Köln gewinnen wir 2:1“. Schüttes achtjährige Tochter Marla-Renee schaltet sich ein: „Die Kölner sind so gut, die kann keiner schlagen“, ruft der mit dem Geest-Bock-Virus infizierte Nachwuchs. Hartung ist sich aber sicher, dass die Borussen die Kölner „weghauen“ – 4:0, tippt er. Der erste Gegner der Gladbacher heißt allerdings Dortmund. „Ein Topspiel“, sagt Hartung und setzt auf einen vorsichtigen 1:0-Sieg. „Gegen Werder legen wir noch ein Tor drauf.“

Schütte hält sich mit Tipps hingegen zurück. „Da liege ich fast immer falsch“, gesteht er. Auch eine Wette möchte er mit Hollmann und Hartung lieber nicht abschließen. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie einige Werder-Fans mal ausgestattet mit Köln-Utensilien vor einem Spiegel getanzt haben“, erzählt er. So wolle er nicht enden. Hollmanns Antwort folgt prompt: „Ihr könnt froh sein, dass hier im Dorf auch Minderheiten toleriert werden“, sagt er mit Blick auf die rund 1500 WFC-Mitglieder. Das will Schütte nicht auf sich sitzen lassen. „Was heißt hier Minderheit? 70 Prozent der Brettorfer sind doch Köln-Fans“, meint der „GeestBock“. Hartung kann da nur mit dem Kopf schütteln. „Champions-League-Teilnehmer“, wiederholt er noch einmal mit einem breiten Grinsen.

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