Die Alarm- und Ausrückeordnung der Gemeinde

Wenn in Dötlingen die Sirene heult

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Der Meldeempfänger zeigt das Einsatzstichwort an.

Dötlingen - „Gebäudebrand groß“ steht auf dem Display des piependen Funkmeldeempfängers. Schon sitzt der Feuerwehrmann beziehungsweise die Feuerwehrfrau im Auto, düst – begleitet vom Geheule der Sirene im Ort – zum Feuerwehrhaus, wo sich die Alarmtüren wegen des Einsatzes schon automatisch geöffnet haben.

Dort „springt“ er/sie in die Einsatzklamotten und ins Tanklöschfahrzeug, das bei Bränden als erstes vom Hof fährt. Doch wann wird eigentlich welche Ortswehr alarmiert? Heulen die Sirenen nur, wenn es brennt? Und bei welchen Stichwörtern ruft die Leitstelle zusätzliche Kräfte hinzu? 

Antworten auf diese Fragen liefert die Alarm- und Ausrückeordnung (AAO), die jede Gemeinde für sich selbst festlegt. „Sie ist wie der Brandschutz eine kommunale Aufgabe“, sagt Feuerwehr-Pressewart Jannis Wilgen, der für unsere Leser die Besonderheiten der Alarmierung in der Gemeinde Dötlingen erklärt.

Wochentags rücken alle drei Ortswehren aus

Generell regelt die AAO, welche und wie viele Einsatzkräfte bei welchem Stichwort ausrücken. Dadurch wird zum einen gewährleistet, dass ausreichend und optimal ausgerüstete Feuerwehrleute zur Verfügung stehen. Zum anderen verhindert sie, dass ständig sämtliche Kameraden von ihrer Arbeitsstelle oder nachts aus dem Schlaf geholt werden. Schließlich reicht, um beispielsweise einen Ast von der Straße zu entfernen, eine kleine Besatzung aus, während ein Wohnhausbrand ein Großaufgebot erfordern kann.

Da in der Gemeinde mit ihren rund 6 250 Einwohnern viele der etwa 150 Aktiven zum Arbeiten auspendeln, gibt es dort besondere Alarmierungszeiten. „Montags bis freitags zwischen 7 und 17 Uhr werden bei vielen Einsatzlagen generell alle drei Ortswehren alarmiert, um genügend Personal zu haben“, berichtet Wilgen. Abgesehen von Bränden gehören Einsätze dazu, bei denen Menschenleben in Gefahr sind. 

Die Zahl der Feuerwehrleute, die dann zur Verfügung steht, variiert und ist unter anderem abhängig von Schichtdiensten. Dafür, dass möglichst viele kommen, soll zudem die Alarmierung per Sirene sorgen. Sie heult wochentags zwischen 7 bis 17 Uhr bei allen und außerhalb dieser Zeiten bei dringenden Einsätzen. „Für die Einwohner ist dies auch ein Signal, dass es im Ort hektischer werden kann. Schließlich fahren die Kameraden durchaus zügiger zum Feuerwehrhaus und dann zum Einsatzort“, so Wilgen. 

„In der Regel rückt das erste Fahrzeug drei bis fünf Minuten nach der Alarmierung aus.“ Diese läuft stets über mehrere Kanäle. Zu ihnen gehören neben Sirene und Meldeempfängern, die je nach Modell Text- oder Sprachnachrichten anzeigen, auch SMS sowie Push-Benachrichtungen der App „FWPortal“. Durch die Meldungen aufs Handy erhalten die Mitglieder konkrete Infos zum Einsatz.

Entscheidend für den Umfang der Alarmierung ist das Stichwort. Dieses legt der Disponent in der Großleitstelle Oldenburger Land fest. Dazu ist er auf detaillierte Angaben desjenigen angewiesen, der den Notruf gewählt hat. „Und zwar europaweit die 112“, betont Wilgen mit Blick darauf, dass es immer wieder Menschen gibt, die im nicht besetzten Feuerwehrhaus oder beim Ortsbrandmeister zu Hause anrufen. Der Disponent stellt gezielt Fragen, gibt die erhaltenen Daten, zum Beispiel Anzahl der potenziell Eingeklemmten bei einem Verkehrsunfall, in seinen PC ein und legt ein Stichwort fest. 

Schon erscheint ein Vorschlag, welche Feuerwehr über die passende Ausrüstung verfügt und am schnellsten vor Ort sein kann. Dementsprechend werden die Fahrzeuge angefordert. „Bei bestimmten Stichwörtern wird beispielsweise automatisch der Rettungsdienst als Eigensicherung für die Feuerwehr mitalarmiert, bei Wohnhausbränden auch der Energieversorger oder die Drehleiter“, ergänzt Wilgen. An der Einsatzstelle entscheiden die Verantwortlichen, ob weitere Kräfte erforderlich sind.

Ausstattung für besondere Einsatzlagen

Dieses Vorgehen setzt voraus, dass die Ausrüstung der Ortswehren bei der Leitstelle registriert ist. Dazu gehören vor allem Ausstattungen für besondere Einsatzlagen wie der Brettorfer Bahnrollwagen, mit dem Material auf der Schiene transportiert werden kann. Die Dötlinger haben wegen der Nähe zur Hunte ein Schlauchboot, und die Neerstedter sind mit ihren zwei Sätzen hydraulischem Rettungsgerät für schwere Unfälle gewappnet. 

Wo Spreizer, Schere und Co. an Fahrzeugen am besten angesetzt werden, um Eingeklemmte zu befreien, verrät die Rettungskarte mit fahrzeugspezifischen Informationen. Diese kann von der Leitstelle anhand der Kfz-Kennzeichen abgerufen und auf ein Tablet im Dötlinger Einsatzleitwagen übermittelt werden. Weshalb dieser ebenfalls zu schweren Unfällen ausrückt – auch außerhalb der besonderen Alarmierungszeiten in der Woche. - ts

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. 

Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt unsere Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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