Wenn Dötlingen zum Paradies wird

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Wladimir Barantschikov war vor zwei Jahren schon einmal in der Dötlinger Kate zu Gast. Nun kehrte er für sechs Wochen zurück. 

Auf Einladung der Dötlingen Stiftung lebte der Künstler Wladimir Barantschikov die vergangenen sechs Wochen in der Müller-vom-Siel-Kate. Am Sonntag endet sein Arbeitsaufenthalt. Zum Abschluss spricht der gebürtige Kirgise über produktive Tage, seine Werke sowie die Begegnungen mit Menschen aus der Region.

Dötlingen – Für Wladimir Barantschikov liegt das Paradies derzeit in Dötlingen. Seit etwa sechs Wochen wohnt und arbeitet der Künstler in der Müller-vom-Siel-Kate. „Und es ist herrlich“, sagt der gebürtige Kirgise, der seit 1995 im bayrischen Gunzenhausen lebt. „In Dötlingen habe ich Abstand vom Alltag und keine Sorge. Ich kann mich in Ruhe auf die Malerei konzentrieren.“ Der „Tapetenwechsel“ zahlt sich aus. Barantschikov war äußerst produktiv, hat mehrere Gemälde gemalt und einige verkauft, darunter Auftragsarbeiten.

Der Lohn fließt nicht nur in den Lebensunterhalt. Der als Meister des fantastischen Realismus bekannte Wahl-Bayer finanziert so auch seine Reisen. Er liebt die Niederlande, die große Künstler wie Rembrandt, Vermeer und van Gogh hervorgebracht hat, war mehrfach in Asien und verbrachte im Frühjahr einen Monat in Texas. „Dort gibt es im April auch eine Ausstellung mit meinen Werken“, verrät er.

Erst einmal hängen seine von fremden Kulturen sowie der Fantasie geprägten Bilder aber noch in Dötlingen. Bis Sonntag können Interessierte Porträts, Akte, Landschaften und Welten, die der Vorstellungskraft von Barantschikov entsprungen sind, betrachten. Offiziell geöffnet ist die Kate am Rittrumer Kirchweg an diesem Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Besucher dürfen aber auch außerhalb dieser Zeiten vorbeischauen. Ein Schild verrät, ob geöffnet ist.

„Ich habe hier in Dötlingen meinen eigenen Tagesrhythmus gefunden“, erzählt Barantschikov. Zwischen 9 und 13 Uhr greift er stets zu Pinsel und Farben. „Das ist meine heilige Stunde“, sagt er. „Nachmittags gehe ich bei gutem Wetter spazieren oder ich bin bei Freunden auf einen Kaffee.“ Zwischendurch komme er mit Besuchern der Kate ins Gespräch. „Einige sind wirklich sehr interessiert, andere bleiben nur für Sekunden“, berichtet er.

Wer sich auf den Dialog mit Barantschikov einlässt, wird nicht enttäuscht. Hinter jedem seiner Werke steckt eine Geschichte, eine Motivation. Das Bild „Spiel ohne Ende“ rückt beispielsweise das Alter Ego und die Suche nach der eigenen Persönlichkeit in den Fokus. Vor dem Schachbrett sitzen sich scheinbar zwei Frauen – eine realistisch, eine surrealistisch dargestellt – gegenüber und spielen mit nur zwei Figuren ein unendliches Spiel. „Die Frauen sind aber ein und dieselbe Person“, so der Künstler. In der Müller-vom-Siel-Kate hängen seine Bilder dicht an dicht, einige lehnen auf dem Boden stehend an den Wänden. Realistische Ansichten treffen auf Fantasiegemälde. Auch eine Mischung findet sich auf den Leinwänden. „Diesen Akt habe ich zum Beispiel um Drachen und Dämonen ergänzt“, berichtet Barantschikov. Publikumsliebling ist ein Triptychon, das er „Traum“ nennt. Menschen gehen eine Symbiose mit Tieren und Fantasiewesen ein. Es wirkt dreidimensional und nicht von diesem Planeten. „Ich habe etwas Neues geschaffen – für mich und die Welt“, sagt er.

Insgesamt können die Besucher an diesem Wochenende noch 42 Bilder des Künstlers, der an der Akademie der Künste in St. Petersburg studiert hat, betrachten. „Am Abend hänge ich sie dann ab und verpacke sie“, so Barantschikov. Denn am Montag geht es nach sechs Wochen zurück nach Bayern und damit in den Alltag.

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