Wenn die Kuh schön gemacht wird

Jungzüchterinnen in Aktion: Maren Strudthoff gibt ihre Erfahrungen an ihre Nichten Paula, Greta und Alma Drieling (v.l.) weiter.
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Jungzüchterinnen in Aktion: Maren Strudthoff gibt ihre Erfahrungen an ihre Nichten Paula, Greta und Alma Drieling (v.l.) weiter.
  • Katia Backhaus
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Drei Schwestern und viele Kälber: Auf Jungzüchterschauen präsentieren Paula, Greta und Alma Drieling aus Neerstedt die Tiere ihres Großvaters. Diesem besonderen Hobby gehen sie seit dem Kleinkindalter nach – und geben es auch in Coronazeiten nicht auf.

Neerstedt/Geveshausen – Es gibt eine Handvoll Tage im Jahr, an denen Paulas Zahnfleisch kribbelt, Almas Knie anfangen zu zittern und auch Greta nervös wird. Das sind die Tage, an denen die Jungzüchterinnen zur Schau fahren und dort den Richtern die Kälber präsentieren, mit denen sie bereits monatelang gearbeitet haben. Die Schwestern Paula, Greta und Alma Drieling aus Neerstedt machen das, seit sie drei Jahre alt sind. Wegen der Coronakrise sind die Termine jedoch vorerst abgesagt – deshalb stand nun ein Video-Wettbewerb an.

„Wenn es nach mir gehen würde, würde ich das am liebsten noch über die Schule stellen“, erzählt die 14-jährige Paula. Sie ist die älteste der drei Töchter von Inka Drieling und hat damit die meiste Erfahrung im Ring. Dort stellen die Mädchen bei Wettbewerben dem Preisgericht die Tiere vor, die ihr Großvater Egon Strudthoff in Geveshausen züchtet – eine Aufgabe, die viel mit Training und Haarspray, manchmal auch mit Kraft zu tun hat.

Von ihrer Tante Maren Strudthoff, die als Fünfjährige zum ersten Mal an einer Schau teilgenommen hat, haben die Schwestern gelernt, was nötig ist, um als Gewinnerinnen aus dem Ring zu gehen. In der Altersklasse bis zehn Jahre gehe es vor allem um die Kinder, weniger um das Tier, erklärt die 25-Jährige. Sie werden von den Richtern eingehend befragt: Wie heißt das Kalb, wie seine Vorfahren? Wie viele Mägen hat es, und wie heißen seine Körperteile? „Je mehr man weiß, umso weiter vorne landet man“, sagt Strudthoff.

Zur Schau fährt meist die ganze Familie

Am besten sei es, solange zu reden, bis die Richter einen unterbrechen, erzählt Alma und lacht. Die Zehnjährige ist die Jüngste der drei Schwestern. Wenn sie von den Wettbewerben erzählt, an denen sie bereits teilgenommen hat, kann man sich vorstellen, was sie für sie bedeuten: Aufregung, Spaß und ein echtes Gemeinschaftsgefühl – sowohl mit den Menschen als auch den Tieren. „Wenn du gewinnst, springen alle hoch und jubeln.“

Zu den Schauen fährt in der Regel die ganze Familie: Die drei Drieling-Schwestern mit ihren Eltern sowie ihrer Tante Maren mitsamt Mann und zwei Kindern. Oft sind auch die Großeltern Egon und Irmgard Strudthoff dabei. Und dann gibt es noch all die anderen Kinder und Erwachsenen, die sie teilweise nur ein paar Mal im Jahr bei Wettbewerben treffen. Vier bis fünf Termine für regionale oder überregionale Schauen gebe es normalerweise, sagt Maren Strudthoff. Nun gebe es nur noch Absagen.

Zum Ausgleich hat die Firma Masterrind kürzlich einen „Web-Bewerb“ ausgelobt, an dem sich Jungzüchterinnen mit Videos beteiligen konnten. Diese Chance haben Paula, Greta und Alma genutzt und auf dem Hof ihrer Großeltern drei kurze Sequenzen gedreht. Anders als sonst war dieses Mal die Aufgabe, eine Kuh vorzustellen – eine neue Herausforderung für die Schwestern, die sonst mit Kälbern arbeiten, die ihnen höchstens bis zur Schulter reichen. Schon das ist harte Arbeit. Denn wichtig ist etwa, dass das Schautier den Kopf schön hoch hält. Für die Mädchen ist das ziemlich anstrengend, wie im Video der zwölfjährigen Greta gut zu sehen ist. Klar, manchmal habe sie Muskelkater, sagt sie.

Ausmisten, waschen, ans Halfter gewöhnen

Auch sonst ist die Vorbereitung auf den Ring nicht ohne: Etwa zwei Monate vor dem Präsentationstermin wird ausgewählt, welche Schwester welches Kalb betreut. Sind sie alt genug und am Ende ihrer Tränkephase, kommen die Tiere in eine eigene Box mit Stroh und Extrafutter. „Kuhkomfort steht an oberster Stelle“, sagt Maren Strudthoff. Dann geht es darum, eine Bindung aufzubauen: Jeden Tag kommen die Mädchen auf den Hof, misten alle zwei Tage aus, waschen die Kälber und gewöhnen sie langsam daran, ein Halfter zu tragen, damit später im Ring nichts schief geht. „Manchmal helfen wir uns gegenseitig“, berichtet Paula. Aber verantwortlich ist trotzdem jede einzelne: „Der Ehrgeiz muss schon da sein“, findet Inka Drieling, die Mutter der drei. „Sonst hat man zum Vorbereiten auch keine Lust.“

Am Schautag soll sich zeigen, ob sich die Anstrengung ausgezahlt hat. „Hier auf dem Hof sind wir ein Team, aber auf der Schau sind wir auch Konkurrentinnen“, stellt Paula fest. „Aber wenn die andere gewinnt, freuen wir uns mit“, ergänzt Alma schnell. Was alle gemeinsam genießen, ist das Flair rund um den Wettbewerb. „Was zur Schau gehört, ist der Geruch“, findet die Älteste. Eine Mischung aus Öl, Glanzspray und Seife, die das Fell glänzen lässt und die Richter beeindrucken soll. Den gibt es im Video eben nicht.

Je älter die Kinder werden, desto stärker rückt das Tier bei der Schau in den Fokus. Die Jungzüchterinnen müssen es so gut wie möglich herausputzen und präsentieren. Sie selbst bleiben in weißer Bluse und dunkler Hose eher im Hintergrund, müssen aber dennoch eine gute Figur machen und alles in der Hand haben. „Bloß nicht hektisch wirken, total entspannt und selbstbewusst auftreten“, das sei wichtig, sagt Maren Strudthoff. Und: Die Richter immer im Blick behalten.

Gute Plätze beim „Web-Bewerb“

Ihre Tipps haben den Schwestern übrigens auch im Videowettbewerb Erfolg gebracht: In unterschiedlichen Klassen erreichten sie bei der Masterrind-Schau Platz eins (Greta mit Kuh RS Lauri), zwei (Paula mit RS Lifetime) und drei (Alma mit RS Bejou).

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