Galerien erhalten Schließungsaufforderung, verweisen aber auf Zuordnung zum Einzelhandel

Wenn das Ordnungsamt in der Tür steht

Überall in Niedersachsen haben die Galerien geöffnet: In Dötlingen mussten das Kunsthaus und die Galerie im Heuerhaus nun schließen. 
Archivfoto: ts
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Überall in Niedersachsen haben die Galerien geöffnet: In Dötlingen mussten das Kunsthaus und die Galerie im Heuerhaus nun schließen. Archivfoto: ts

Dötlingen – „Museen müssen schließen, Galerien bleiben auf“, „Kunsthandel weiterhin möglich“ und „Galerien dürfen als Teil des Einzelhandels öffnen“ lauteten nach Bekanntgabe des „Lockdown light“ die Schlagzeilen in der Kulturbranche. Nachrichten, die bei Julia Neulinger-Kahl für Erleichterung sorgten. Schließlich ist ihr Kunsthaus in Dötlingen eine kommerzielle Galerie und zählt damit zum Einzelhandel. Auch Heike Wendeln, Leiterin der Dötlinger Galerie im Heuerhaus, war froh, öffnen und verkaufen zu dürfen. Doch dem schob der Landkreis Oldenburg nun einen Riegel vor und untersagte den Betrieb.

Im Gegensatz zu vielen anderen Landkreisen legt er den Paragrafen 10 der aktuellen niedersächsischen Corona-Verordnung wortwörtlich aus. Und darin heißt es, dass „der Betrieb von Museen, Kunstausstellungen, Galerien, Schlössern, Burgen, Gedenkstätten und ähnlichen Einrichtungen“ bis zum 30. November unzulässig sei. Einen Unterschied zwischen gewerblichen und zum Beispiel städtischen Galerien macht die Kreisverwaltung nicht, wie Sprecher Oliver Galeotti am Donnerstag auf Nachfrage bestätigte.

Ein Grund, weshalb am Dienstag zwei Vertreter des Ordnungsamtes das Kunsthaus von Neulinger-Kahl aufsuchten. „Sie fragten mich, ob ich denn nicht wüsste, dass ich schließen müsste“, erzählte die Dötlingerin. „Ich habe versucht, sie darüber aufzuklären, dass dies nicht für Galerien gilt, die dem Einzelhandel z zuordnen sind. Doch es half nichts.“

Kurz nach dem Besuch habe sie auch schriftlich die Aufforderung erhalten zu schließen – „mit dem Verweis auf die Verordnung, der Ankündigung weiterer Kontrollen und der Androhung von Bußgeld bei Nichteinhaltung“. Am Mittwoch versuchte die Dötlingerin noch, mit diversen Behörden-Mitarbeitern zu sprechen.

Landkreis prüft und bleibt bei Anordnung

„Das ist doch Willkür. Überall in Niedersachsen haben Galerien geöffnet. Ich stehe mit vielen Kollegen in Kontakt, habe selber gerade eine Ausstellung meiner Bilder in der Galerie XIX in Golmbach laufen“, berichtete Nuelinger-Kahl und appellierte an die Kreisverwaltung: „Es sollten doch in ganz Niedersachsen für alle dieselben Bedingungen herrschen.“

In der Tat prüfte der Landkreis die Regelung noch einmal. „Das Ordnungsamt ist dran“,sagte Galeotti am Donnerstagvormittag. Es liefen Gespräche mit den Nachbarlandkreisen. Am Nachmittag teilte er dann aber mit, dass die Galerien definitiv zu bleiben müssten: „In der Verordnung ist das absolut eindeutig“, hieß es. Im regionalen Umfeld, also in den Nachbarlandkreisen, werde es ebenso gehandhabt. „Da nimmt der Landkreis Oldenburg keine Sonderstellung ein“, teilte Galeotti.

Neben Neulinger-Kahl hatte auch Wendeln auf eine schnelle – allerdings positive – Entscheidung gehofft. „Denn sonst hängt man einfach nur in den Seilen“, sagte die Galeristin im Heuerhaus. Dort sollte ab Sonntag eigentlich unter dem Titel „The best of us“ eine neue Ausstellung mit Werken von Ellen Mäder-Gutz, Sebastian Osterhaus, Viktoria Graf, Laila Seidel, Multimoni und Anne Hollmann laufen, die letzte Schau des Jahres. Natürlich unter Einhaltung der Coronaregeln – heißt: ohne Vernissage, mit Begrenzung der Personenanzahl in den Räumen sowie Abstands- und Hygienemaßnahmen. Doch daraus wird nun erst einmal nichts.

Von Tanja Schneider

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