Knapp 250 Mitglieder kamen 

Werder-Fanclub 27801 lädt zur Versammlung: Born stellt sich Fragen 

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Werders ehemaliger Vorstandsvorsitzender Jürgen L. Born sprang am Montagabend kurzfristig für Sportchef Frank Baumann ein und stellte sich den Fragen der Fanclub-Mitglieder. 

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Auf wen setzt Fußball-Bundesligist Werder Bremen nach der Entlassung von Trainer Alexander Nouri? War Ishak Belfodil ein missglückter Notkauf? Und kehrt Thomas Schaaf an die Weser zurück? Fragen, die die Mitglieder des Werder-Fanclubs 27801 während ihrer Jahreshauptversammlung am Montagabend gerne Werders Sportchef Frank Baumann gestellt hätten.

Da sich aber an jenem Montag mit dem Rauswurf Nouris, der Bekanntgabe von Florian Kohfeldt als Interimscoach und der Suche nach einem künftigen Trainer die Ereignisse überschlugen, blieb Baumanns Platz im Dötlinger Landhotel leer. Kurzfristig sprang der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Werder, Jürgen L. Born, ein.

„Frank Baumann hat gegen 15 Uhr abgesagt. Er bittet um Verständnis, bei ihm brennt der Baum“, erklärte WFC-Präsident Ingo Kläner den rund 250 Mitgliedern im Saal, während sein Stellvertreter Andreas Cording fix das Namensschild austauschte. Kläner freute sich über Borns spontane Zusage – und dieser scherzte: „Ich habe erst überlegt, ob ich mir nicht die Haare so kämme wie Frank. Dann hättet ihr nichts gemerkt.“ Ein wenig habe er sich schon über die Anfrage gewundert. Schließlich hätte Nouri nun ja auch Zeit gehabt. Und er selbst rede eigentlich nur noch auf Kreuzfahrtschiffen und in Gefängnissen. „Da kann niemand abhauen“, sagte Born, der zuletzt 2011 bei einer WFC-Versammlung war. Die Aussicht auf eine Flasche „Püttengeist“ habe ihn aber nach Dötlingen gelockt.

Rauswurf von Nouri nicht überraschend

Born sprach auf seine ganz eigene Art über den Bundestagswahlkampf und die Digitalisierung, ehe er sich den Fragen rund um Werder Bremen stellte. Für ihn sei der Rauswurf von Nouri nicht überraschend gekommen – schon gar nicht nach dem 0:3 am Sonntag. Das Heimspiel gegen Augsburg bezeichnete auch das WFC-Präsidium als pure Enttäuschung. „Was wir da erlebt haben, war sehr schlimm“, so Kläner. Born konnte angesichts der miserablen Leistung gar nicht verstehen, „dass es jemanden gibt, der in der Tabelle noch hinter uns steht“.

Aber wie konnte es so weit kommen? „Nouri hat hübsche Augen, er ist strebsam und versteht etwas von Fußball, aber er ist zu nett“, meinte Born. Diese Umarmerei sei nichts. „Das Nette bringt uns nicht nach vorne.“ Der nächste Trainer dürfe ergo „nicht zu nett sein. Ich wünsche mir einen, der über 45 Jahre alt ist und den man nicht so leicht durchschauen kann“, sagte der Ehrengast. Wer neuer Trainer wird? „Jedenfalls niemand aus Dötlingen“, witzelte Born. „Es gibt eine Liste von Namen.“ 

Mit Kohfeldt als Interimscoach zeigte sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende durchaus einverstanden. „Der soll mal die Partie am Freitag machen, und dann ist eh erst einmal Länderspielpause.“ Aus den Reihen der WFC-Mitglieder wurde allerdings die Befürchtung laut, das „junge Eigengewächs“ Kohfeldt könnte mehr als nur eine Übergangslösung sein und der Verein damit wieder den typischen Werder-Fehler begehen. „Jetzt sollte wirklich in jemanden mit Erfahrung investiert werden“, hieß es. Born schloss sich der Meinung im Prinzip an, dämpfte aber die Erwartungen: „Nicht jeder Trainer will heutzutage noch zu Werder.“ Der Tabellenstand erleichtere die Arbeit von Baumann nicht.

Über diverse Spieler diskutiert

Diskutiert wurde auch über diverse Spieler. Es ging um die spärlichen Einsätze für die Eggestein-Brüder, die Leistung von Belfodil und die Frage, ob Baumann gut einkauft. Mit Letzterem ist Born sehr zufrieden. Anders sieht es mit Werders nicht vorhandener Verabschiedungskultur aus. „Da muss mehr kommen“, meinte Born mit Blick auf den Weggang von Claudio Pizarro. „Er war der wichtigste Spieler, den Werder je hatte. So einen schiebt man nicht einfach zur Seite“, sagte er unter Beifall. Etwas irritiert zeigte er sich über ein eventuelles Comeback von Schaaf – nicht als Trainer, sondern auf einem neu zu schaffenden Posten. „Da fehlt noch eine genaue Arbeitsplatzbeschreibung“, kommentierte Born, der sich angesichts des vielen Personals wunderte. „Seit meiner Zeit bei Werder sind 68 Mitarbeiter hinzugekommen.“

Einer von ihnen ist der Fanbetreuer Jermaine Greene, der zum wiederholten Mal der Versammlung beiwohnte und sich zu den jüngsten Vorfällen bei Auswärtsspielen äußerte. Die Strafe in Höhe von 40 000 Euro nach dem Spiel in Berlin „werden wir nicht akzeptieren“, kündigte er an.

Wo Werder am Saison-Ende steht? „Auf Platz 9“, sagte Born, nahm seine Flasche „Püttengeist“ und machte sich auf den Heimweg.

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