Haben Landwirte den öffentlichen Grünstreifen in Mitleidenschaft gezogen?

Wegesrand wurde „braun“

7,5 Meter misst die Rittumer Straße an dieser Stelle laut Flurkarte: An den rot-weißen Stangen beginnt das Ackerland der anliegenden Landwirte. Axel Hollmann (Bezirksvorsteher der Bauerschaft), Uwe Kläner (Gemeinde Dötlingen) und Martin Bruns (v.l.) sehen sich die Angelegenheit an. Foto: Hühne
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7,5 Meter misst die Rittumer Straße an dieser Stelle laut Flurkarte: An den rot-weißen Stangen beginnt das Ackerland der anliegenden Landwirte. Axel Hollmann (Bezirksvorsteher der Bauerschaft), Uwe Kläner (Gemeinde Dötlingen) und Martin Bruns (v.l.) sehen sich die Angelegenheit an.

Ostrittrum - Von Gregor Hühne. Das Gliedermaßband musste her. Die Gemeinde Dötlingen hatte für Freitag zum Ortstermin an die Rittrumer Straße in Ostrittrum geladen. Im Raum stand die Frage, ob Landwirte den Grünstreifen am Wegesrand verbotenerweise mit Pestiziden in besprüht haben. So sollte eine öffentliche Fläche vor einiger Zeit mit dem noch erlaubten Pflanzenschutzmittel Glyphosat behandelt worden sein. Anschließend habe sich eine starke bräunliche Verfärbung an der besagten Stelle gezeigt, an der alle Pflanzen eingingen. Dies wiederum ist Martin Bruns aufgefallen. Der interessierte Wildeshauser Bürger ist mit seinem Fahrrad mehr als 1 000 Kilometer im Monat unterwegs und bekommt dabei eine Menge mit, wie er selbst sagt. Die dabei gewonnenen Eindrücke seien auch wertvolle Beobachtungen und Rückmeldungen zum Geschehen in der Gemeinde, sagte Uwe Kläner, Bauamtsleiter der Gemeinde: „Er erkennt Schwachstellen.“

Aufgrund dieser Sichtung habe die Gemeinde 100 zufällig ausgewählte Straßen und Wege aus der Region überprüft, bei denen der Abschnitt zwischen landwirtschaftlich genutzter Flächen und öffentlichen Wegen genauer betrachtet wurde. Lediglich an 15 Wegen stellte die Gemeinde Probleme fest. So seien Übermähungen beziehungsweise eine Mitbewirtschaftung durch Landwirte aufgefallen, berichtete Kläner: „Davon waren wir überrascht, da wir zunächst von einer weit höheren Fallzahl ausgegangen waren.“ Für die beanstandeten Abschnitte wird gegenwärtig mit den betroffenen Landwirten zusammen an einer Lösung gearbeitet, so Kläner. So dürften öffentliche Flächen an Wegesrändern in direkter Nachbarschaft zu Ackerflächen zwar grundsätzlich mit bewirtschaftet werden, dazu müssten aber an anderer Stelle Flächen für den Naturschutz unbearbeitet bleiben.

Wegen des konkreten Problems mit der Verfärbung an der Rittrumer Straße wurde am Freitag exakt nachgemessen. Laut Flurplan der Gemeinde ist der öffentliche Weg auf besagter Höhe 7,50 Meter breit. Kläner, Bruns und Axel Hollmann, Bezirksvorsteher der Bauerschaft Ostrittrum, sahen genau hin. Von der Straßenmitte aus gemessen zur Seite sind es jeweils 3,50 Meter. Dort wurde eine rot-weiße Stange im Boden fixiert. Augenscheinlich beginnen die Äcker der angrenzenden Landwirte sogar erst einen Meter hinter der Rittrumer Straße. Die damalige Verfärbung hätte somit noch auf dem Ackerboden des Bauern gelegen.

Aktuell würden noch sechs Projekte umgesetzt, um Unstimmigkeiten zum Grenzverlauf zu lösen, sagte Kläner. Eines davon beinhaltet die Pflanzung von Bäumen auf einem Teilstück der Rittrumer Straße nördlich von Ostrittrum. Beim Baumpflanzen dürfe die Gemeinde sogar den Setzling direkt auf der Flurgrenze zwischen öffentlichem Weg und Ackerfläche pflanzen, so Kläner. Der Baum dürfe dann bis zu einem halben Meter auf dem privaten Boden wachsen. Jedoch ist die Gemeinde bemüht, einvernehmliche Lösungen zu treffen. Problematisch ist für die öffentliche Seite viel eher, wenn Bauern mit den großen Maschinen den Boden umwälzen und dabei das Wurzelwerk in Mitleidenschaft gerät. Dies sei in der Vergangenheit bereits öfters geschehen.

Einige Landwirte hingegen wollen, dass die Gemeinde die genauen Grenzen nachweist. Das sei wiederum meist kein Problem, sagte Kläner, da viele Verläufe in der Vergangenheit im Zuge von Flurbereinigungen bestens aufgeteilt und dokumentiert seien.

Bezirksvorsteher Hollmann gab zu bedenken, dass auch der Windflug beim Ausbringen von Pestiziden als Ursache vorstellbar ist. Und wenn der Wind weht, könne das Mittel auch einfach versehentlich über das Feld hinausgegangen sein. Dass die Gemeinde das Mitmähen oder Übersprühen der Grünstreifen durch Landwirte befürwortet, weil sie die Flächen dann nicht mehr selbst mähen muss, verneinte Kläner.

Martin Bruns schätzte, dass die möglicherweise rechtswidrig besprühten Wegesränder den meisten nicht wichtig sein dürften: „99 Prozent der Bürger wird das nicht interessieren.“ Wenn die Fläche braun wird, „sieht das der Bürger zwar sofort“, sagte er: „Aber dem ist dann egal, ob der Landwirt das rechtlich durfte oder nicht.“

Marianne Bernhard-Beeskow, Sprecherin des Naturschutzbunds Dötlingen-Wildeshausen, und Carlo Beeskow, wollten zunächst ebenfalls an dem Termin teilnehmen, waren jedoch nicht eingeladen gewesen und verließen auf eindringliche Aufforderung Kläners den Bereich.

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