Wegeanalyse in der Gemeinde läuft

Straßenerfassung im Schritttempo

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Zentimeter für Zentimeter nimmt Bernd Bröhenhorst das Straßennetz der Gemeinde unter die Lupe.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. So mancher Einwohner hat es schon entdeckt – das dunkelgraue Auto mit rot-weißer Beschriftung und einer orangefarbenen Warnleuchte auf dem Dach, das im Schritttempo durch die Gemeinde Dötlingen fährt. „Und einige haben auch schon im Rathaus anrufen und gefragt, was wir ‚verbrechen‘“, erzählte Bauamtsleiter Uwe Kläner. Die Antwort lieferte er nun gemeinsam mit Bernd Bröhenhorst, dem Fahrer des Wagens. Denn dieser arbeitet für die Firma GSA Grontmij mit Sitz in Kaiserslautern, die von der Kommune beauftragt wurde, den Zustand der Gemeindestraßen zu erfassen und zu bewerten. Mit den gewonnenen Daten soll ein Schadensregister aufgebaut und dann weitergeführt werden. „So wollen wir die Unterhaltung unseres Straßennetzes optimieren“, erläuterte Kläner.

In seinem Fahrzeug hat Bröhenhorst einen festinstallierten Laptop mit einer speziellen, GPS-gestützten Software. Zentimeter für Zentimeter fährt er die Straßen und Wege der Gemeinde ab und sucht mit bloßem Auge nach Schäden. Ist er fündig geworden, kann er Position, Art und Umfang des Mangels direkt in sein Programm eintragen. Abgesehen hat er es auf Abplatzungen, Flickstellen, unterschiedliche Risse, Schlaglöcher, Unebenheiten, Spurrinnen und Setzungen. Bröhenhorst erfasst aber nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die Seitenräume, Parkplätze und Radwege. Nur manchmal müsse er aus dem Wagen aussteigen und die schadhafte Stelle mit dem Messrad abgehen. „Vor etwa 30 Jahren hat man eine solche Straßenanalyse noch komplett zu Fuß erledigt“, erinnerte er sich.

Seit rund zwei Wochen ist Bröhenhorst bereits in der Gemeinde Dötlingen unterwegs, deren Straßennetz 290 Kilometer umfasst. Allerdings inklusive der Sand- und Schotterwege, die er nicht abfährt. Je nach Menge der Schäden schafft er sieben bis 15 Kilometer am Tag. An andere Verkehrsteilnehmer, die aufgrund seiner Schrittgeschwindigkeit drängeln oder hupen, hat er sich längst gewöhnt. Schließlich hat sein Unternehmen auch schon Straßenanalysen in Gelsenkirchen, Hannover und Oldenburg betreut.

Vor fünf Jahren befuhr Bröhenhorst schon einmal die Straßen der Gemeinde Dötlingen. Denn im Zuge der Umstellung auf die doppische Haushaltsführung und die damit geforderte Eröffnungsbilanz musste der Wert des Wegenetzes beurteilt werden. Anhand von fünf Schadenstypen hatte er damals die Straßen, teilweise auch in Abschnitten, benotet. Der Heideweg in Dötlingen bekam beispielsweise eine 4,7. „Damit hatten wir es amtlich, dass er in sehr schlechtem Zustand ist“, so Kläner. Bekanntlich entschloss sich die Politik dann auch, den Ausbau in Angriff zu nehmen. Einen Antrag auf Fördermittel für das insgesamt rund 890000 Euro teure Vorhaben möchte die Gemeinde übrigens bis Ende des Monats stellen, wie Kläner verriet.

Die jetzige Analyse des Straßennetzes geht noch einen Schritt weiter. Diesmal sucht Bröhenhorst sogar nach elf unterschiedlichen Merkmalen. Er benotet auch nicht, sondern liefert konkrete Angaben, wo und in welchem Umfang sich Schäden befinden. Die Ergebnisse werden dann an das Straßendatenbank-Programm „Rosy“ übermittelt, das Marion Einemann vom Bauamt künftig fortschreiben wird. „Jede Veränderung, zum Beispiel Oberflächenbehandlungen oder neue Straßen in Baugebieten, können eingepflegt werden“, berichtete sie. 32000 Euro lässt sich die Gemeinde dies kosten. „Dafür wissen wir in Zukunft nicht nur genau, wo Handlungsbedarf herrscht, sondern auch welche Art der Reparatur nötig ist“, so Kläner. Dies solle dem Rat als Entscheidungshilfe dienen, wann er welche Maßnahmen anpacken möchte.

Kläner und Einemann bewerten den derzeitigen Zustand des Straßennetzes recht positiv – auch wegen der regelmäßigen Unterhaltung, in die die Gemeinde rund 150000 Euro im Jahr steckt. „Ich würde die Note zwei geben“, sagte Kläner. Bröhenhorst schmunzelt: „Eher zufriedenstellend“, meinte er. Neben dem Heideweg sowie den Straßen „Achtern Holt“ und „Zur Kuhweide“ in Dötlingen zähle auch „Zum Welsburger Holz“ in Klattenhof derzeit zu den schlechtesten Wegen in der Gemeinde.

Die Daten aus der neuen Analyse möchte die Verwaltung übrigens schon in den Haushalt 2016 einfließen lassen.

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