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Von der Baumschule ging’s an den Webstuhl

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Von: Lara Terrasi

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Sitzt am Schnellschusswebstuhl: Brigitte Becker aus Geveshausen.
Sitzt am Schnellschusswebstuhl: Brigitte Becker aus Geveshausen. © Terrasi

Geveshausen – Unmengen an bunten Garnen sind in den Schränken zu sehen. Schals in rot, blau und lila sowie mehrere Schiffchen liegen auf zwei Tischen verteilt. Bei den Schiffchen handelt es sich aber nicht um kleine Modelle – auch wenn sie einem Schiff schon sehr ähneln. In diesem Fall werden in ihrem Inneren die Spulen für den Schussfaden eingespannt.

Seit 1988 wohnt und webt Brigitte Becker auf einer alten Hofstelle in Geveshausen. In ihrer Werkstatt stehen acht Webstühle. „Einer ist noch im Flur“, sagt Becker. Warum sie so viele hat? „Ich gebe auch Kurse“, so die 65-Jährige. So finden sich größere und kleinere Modelle in dem Raum, der durch die Fenster einen schönen Blick ins Grüne bietet. „Mit den kleinen Webstühlen kann man bis einen Meter breit weben. Und was ich toll finde: Die passen durch die Türen. Im Sommer stelle ich mir so einen Webstuhl auf die Terrasse und webe da“, erzählt sie und lacht.

Acht Webstühle stehen in Brigitte Beckers Werkstatt.
Acht Webstühle stehen in Brigitte Beckers Werkstatt. © Terrasi

Becker hat an der Fachhochschule in Hannover Textildesign studiert. „Und irgendwie bin ich dann beim Weben hängen geblieben.“ Gelernt hatte sie zuvor aber etwas ganz anderes: Sie hat eine Lehre in einer Baumschule abgeschlossen. „Ich fand die Arbeit tierisch schwer und anstrengend. Im Sommer hat man immer total lange gearbeitet und war danach total kaputt“, berichtet die gebürtige Oldenburgerin. Sie habe sich damals nicht so richtig zwischen Gartenbau und Kunst oder Kunsthandwerk entscheiden können, verrät sie.

Nach ihrer Lehre machte sie dann ein sechsmonatiges Praktikum in einem Geschäft in Hannover, das unter anderem Spinnräder und Webbedarf verkaufte. „Das war ganz interessant. Die sind da auch auf Messen gefahren wie zum Beispiel auf die ,Creativa‘ nach Dortmund. Ich bin auch mal mitgefahren und habe mir meinen ersten Webstuhl damit verdient, dass ich auf einer Messe mitgeholfen haben“, sagt sie.

Das Praktikum habe sie letztendlich dazu gebracht, sich mit Anfang 20 für ein Textildesign-Studium zu entscheiden. Dort hatte sie eine Freundin, die Webermeisterin war. „Wir haben viel in den Werkstätten gemacht. Nach Feierabend konnte man an die Webstühle, und wir haben etwas experimentiert und zusammen gewebt“, erinnert sich Becker, die neben Schals, Schalkragen, Shirts und Jacken auch Stulpen und Stirnbänder fertigt. Die Schals bestehen aus Wolle mit Seide. Diese webe sie überwiegend an den kleineren Webstühlen. Die etwas breiteren Stoffe entstehen auf dem größeren. Dann erklärt sie, wie die Anlage funktioniert: „Der Kettfaden verläuft immer längs und der Schussfaden quer.“ Beim Handwebstuhl wird das Schiffchen von Hand durch die Kettfäden geschoben. Beim Schnellschusswebstuhl ist das anders: „Klack“, klack“ ist zu hören, wenn Becker an einem Band zieht, das das Schiffchen hin und her schießen lässt.

Ganz viele bunte Garne liegen in den Schränken der Werkstatt.
Ganz viele bunte Garne liegen in den Schränken der Werkstatt. © Terrasi

Wie lange sie für ein Stück brauche, könne sie nicht genau sagen: „Die meiste Arbeit ist das Einrichten des Webstuhls.“ Ihre fertig gewebten Stücke verkauft sie sowohl im Atelier „Villa Vierzehn“, das sich auf dem Hof befindet, als auch auf Märkten. „Es gibt spezielle Textilmärkte.“ Als Beispiel nennt sie den norddeutschen Kunsthandwerkermarkt sowie den Eifel-Kunsthandwerkermarkt. „Da fahre ich gerne hin. Der ist auch zwei Jahre wegen Corona ausgefallen. Im Moment ist das ja wie verhext. Ich hoffe, dass sie in diesem Jahr wieder veranstaltet werden.“

Weiter erzählt sie: „Ich muss sagen, in der Coronazeit ist mir auch mal die Luft ausgegangen. Man hatte die Sachen gemacht und konnte sie nicht loswerden. Wenn ich sonst auf irgendwelchen Märkten war, dann verkaufe ich natürlich direkt oder die Leute bestellen etwas.“ Sie fügt hinzu: „Ich war irgendwie aus dem Gedächtnis der Leute. Ich weiß nicht, ob die nicht gekauft haben oder mehr online bestellt haben.“

Die Schiffchen, in die die Garnspulen gelegt werden.
Die Schiffchen, in die die Garnspulen gelegt werden. © Terrasi

Im Moment arbeitet sie an einer Jacke, die eine Frau aus Nürnberg bei ihr in Auftrag gegeben hat. „Die hat bei mir schon ganz viel bestellt und möchte jetzt eine Jacke in Blautönen haben“, sagt Becker, die auch ausbilden dürfte. „Ich habe schon zwei Weberinnen ausgebildet, aber das mache ich nicht mehr.“

Seit mindestens zehn Jahren biete sie Webkurse an, so die 65-Jährige – so auch in diesem Jahr. Als Termine nennt sie die ersten drei Märzwochenenden (5./6., 12./13. und 19./20. – jeweils von 10 bis 16 Uhr. Und was kann man an einem Wochenende so alles schaffen? „Einsteigermodelle sind solche Schals. Das ist kein Problem, das schaffen die Leute gut.“ Ihr sei es wichtig, dass die Teilnehmer im Anschluss mit einem fertigen Teil nach Hause gehen können.

Präsentiert ihre gewebten Arbeiten: Brigitte Becker.
Präsentiert ihre gewebten Arbeiten: Brigitte Becker. © Terrasi

Anmeldungen nimmt sie unter Telefon 04432/567 oder per E-Mail an brigitte.becker@farbverflechtung.de entgegen. Neben dem weben spinne sie „aber ab und zu auch ganz gerne“, sagt sie. Auf Anfrage bietet sie auch solche Kurse an.  

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