Was Corona für die Gleichstellung bedeutet

Ist seit einem halben Jahr Dötlingens Gleichstellungsbeauftragte: Ute Vogt. 
Foto: Schneider
+
Ist seit einem halben Jahr Dötlingens Gleichstellungsbeauftragte: Ute Vogt. Foto: Schneider

Die Coronakrise hat eine erneute Diskussion über das Thema Gleichberechtigung entfacht. Laut aktueller Studien sind Frauen von der Pandemie stärker betroffen und tragen auf mehreren Ebenen eine größere Last. Das hat auch Dötlingens Gleichstellungsbeauftragte Ute Vogt beobachtet.

Neerstedt – Es seien in der Regel die Frauen, die sich kümmern, weiß Ute Vogt. Als die Schulen und Kitas aufgrund der Corona-Pandemie schlossen, steckten viele von ihnen zurück. Während ihre Männer zur Arbeit fuhren, blieben sie zu Hause, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Beim Homeschooling schlüpfen sie in die Rolle von Lehrern, in der Freizeit ersetzen sie so manche Stunde, die die Kinder sonst in Vereinen, Musikschulen und Co. verbracht hätten. Sie „schmeißen“ den Haushalt und gehen sogar noch für ältere Nachbarn oder die Schwiegereltern einkaufen. „Ich kenne Geschichten von Frauen, die bereits um 5 Uhr morgens Homeoffice machen, um alles zu schaffen“, berichtet Vogt. „Wenn man weiß, dass es nur für einen begrenzten Zeitraum wie zum Beispiel vier Wochen ist, kann man das gut durchhalten. Aber wer weiß schon, wann sich die Lage wirklich entspannt?“, spricht sie von einer enormen Leistung.

Vogt hat vor etwa einem halben Jahr den Posten als Gleichstellungsbeauftragte übernommen und sieht in der jetzigen Coronakrise eine besondere Belastung von Frauen. Die Probleme seien vielfältig, macht Vogt deutlich. Vor allem die ersten Wochen, als die Bevölkerung aufgefordert war, möglichst zu Hause zu bleiben, hätten einige Familien auf eine harte Probe gestellt. Die räumliche Enge und die viele Zeit, die plötzlich miteinander verbracht wird, könnten Auseinandersetzungen und Gewalt fördern. „Und wegen des Kontaktverbotes hatten Frauen kaum eine Chance, sich bemerkbar zu machen“, sagt Vogt. Nach den Lockerungen sei ihr Rat nun wieder mehr gefragt.

Neben der Belastung seien finanzielle Sorgen momentan ein großes Thema. Von der Coronakrise seien besonders die Minijobber betroffen, da sie keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. „Und etwa zwei Drittel dieser geringfügig Beschäftigten sind Frauen“, verweist Vogt auf das Ungleichgewicht. Die 450 Euro im Monat fehlten natürlich und verschärften die ohnehin schon angespannte Lage. Vogt sieht sich als Ansprechpartnerin und Vermittlerin in schwierigen Situationen. Sie gibt Tipps, wenn sie kann, und verweist an weiterführende Stellen, wenn es nötig ist. Da auf die Gleichstellungsarbeit in der Gemeinde Dötlingen nur zwei Stunden pro Woche entfallen, seien ihre Kapazitäten aber begrenzt.

Vogt ist im Rathaus hauptsächlich im Standesamt sowie Sozialversicherungsrecht zuständig, hilft Einwohnern unter anderem bei ihren Rentenanträgen, und leistet außerdem Seniorenarbeit. Dass Bürger einfach nur mal schnacken und loswerden wollen, was sie auf dem Herzen haben, erlebt die Neerstedterin immer wieder. „Zum Teil sind da die Grenzen zur Gleichstellungsarbeit fließend“, sagt sie. Auch ihre 13-jährige Erfahrung im Sozialamt käme ihr zugute, zum Beispiel, wenn sich Paare trennen und Versicherungsfragen zu klären seien.

Ihre Hauptaufgabe als Gleichstellungsbeauftragte liegt übrigens innerhalb der Verwaltung. „Ich arbeite mit der Dienststelle sowie dem Personalrat zusammen und werde an Personalentscheidungen beteiligt“, berichtet sie. Und da sei mehr zu tun, als manch einer denkt. „Dötlingen ist zwar eine kleine Gemeinde. Wir haben inzwischen aber auch 85 Beschäftigte – inklusive Kitamitarbeitern, Reinigungspersonal und Bauhof“, so Vogt. Ein Großteil seien Frauen, was hauptsächlich mit den Kindertagesstätten zusammenhänge. Die Anzahl der männlichen Erzieher sei mehr als übersichtlich. Beim Bauhof sei es umgekehrt, sagt sie und weist damit unbewusst wieder auf das typische Rollenbild hin.

Bei Bedarf nimmt Vogt auch an politischen Sitzungen wie dem Ausschuss für Jugend, Sport und Soziales teil. Sie informiert über Veranstaltungen mit frauenrelevanten Themen, pflegt Kontakt zu Vereinen und Institutionen wie dem Frauenhaus oder Beratungsstellen und tauscht sich regelmäßig mit den übrigen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Oldenburg aus. „Das nächste Treffen ist im Juli bei uns in der Gemeinde“, verrät sie. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen organisiert sie Aktionen wie die „FrauenKulturTour“ und nimmt an Fortbildungen wie der im Januar zum Thema „Arbeitsrecht“ teil. „Im Mittelpunkt stand die Teilzeit“, erzählt die Neerstedterin. Angesichts der Erfahrungen in der Coronakrise hofft sie auf ein Umdenken und flexiblere Arbeitsmodelle. Schließlich funktioniere Homeoffice in vielen Bereichen besser als gedacht, nennt sie ein Beispiel.

Von Tanja Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

So teilen Sie Ihr WLAN sicher

So teilen Sie Ihr WLAN sicher

Wie Sprachreisen in Corona-Zeiten ablaufen

Wie Sprachreisen in Corona-Zeiten ablaufen

50 Jahre Citroën SM

50 Jahre Citroën SM

Genua will wieder hoch hinaus

Genua will wieder hoch hinaus

Meistgelesene Artikel

Einzelhandel: Ja zum neuen Standort

Einzelhandel: Ja zum neuen Standort

Erster Spatenstich für neue Kita

Erster Spatenstich für neue Kita

Naturpark entwickelt sich weiter

Naturpark entwickelt sich weiter

Heftige Kritik an der Firma Geestland

Heftige Kritik an der Firma Geestland

Kommentare