Serie „Unsere Feuerwehr“

Warum es sich lohnt, Teil der Feuerwehr zu sein

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Seit etwa fünf Jahren ist der Dötlinger Heiner Ulrich (rechts) Gemeindebrandmeister. Ebenso lange ist sein Stellvertreter Malte Grotelüschen im Amt. Im Interview informieren sie über ihr verantwortungsvolles Hobby.

Dötlingen - Rund 95 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich organisiert – in mehr als 22.000 Freiwilligen Feuerwehren. Das klingt nach einer geballten Einsatzstärke. Doch die Zahl der Aktiven ist vielerorts rückläufig. Auch in der Gemeinde Dötlingen ist der demografische Wandel spürbar. Neue Mitglieder sind deshalb jederzeit willkommen.

Welche Voraussetzungen sie mitbringen müssen, was sie in den drei Ortswehren der Kommune erwartet, und warum die Feuerwehr ein lohnenswertes Hobby ist, verraten zum Auftakt unserer neuen Serie „Unsere Feuerwehr“ der Gemeindebrandmeister Heiner Ulrich (52) aus Dötlingen und sein Stellvertreter Malte Grotelüschen (32) aus Neerstedt. Die Fragen stellte Tanja Schneider.

Die Freiwilligen Feuerwehren sind immer auf der Suche nach Mitgliedern. Warum lohnt es sich, bei den Brandschützern aktiv zu werden? Gibt es Vorteile?

Heiner Ulrich: Es stimmt, wir sind immer auf der Suche und über jeden erfreut, der zu uns stößt. Natürlich erhalten wir auch aus der Jugendfeuerwehr Nachwuchs. Deshalb fiel vor fünf Jahren die Entscheidung für die Gründung einer Kinderfeuerwehr.

Malte Grotelüschen: Die Feuerwehr ist einfach ein tolles Hobby, bei einigen schon eher eine Berufung. Man hilft anderen Menschen, und gibt der Allgemeinheit etwas zurück. Außerdem erfährt man eine tolle Kameradschaft. Es ist ein „eingeschworener Haufen“, der sich nicht nur im Rahmen des Feuerwehrdienstes hilft. Es entstehen auch im Privaten sehr wertvolle Kontakte und Freundschaften.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Teilnahme am aktiven Dienst?

Grotelüschen: Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren. Man sollte körperlich unversehrt sein, und der Wohnsitz oder der Arbeitsplatz muss in der Gemeinde Dötlingen liegen.

Ulrich: Momentan ist das späteste Eintrittsalter für Neueinsteiger in der Gemeinde Dötlingen auf 45 Jahre begrenzt. Vielleicht wird es nach der kürzlich erfolgten Änderung der Altersobergrenze im Brandschutzgesetz irgendwann hochgesetzt.

Wie sind Sie damals zur Feuerwehr gekommen?

Ulrich: Mir wurde das quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater war damals Ortsbrandmeister in Dötlingen, und wir Söhne sind schon früh mitgegangen. Von vier sind dann drei in der Feuerwehr gelandet. Ich vor 35 Jahren.

Grotelüschen: Ich bin über die Jugendfeuerwehr dazu gekommen. Ein jetziger Kamerad hat mich damals im Schulbus angequatscht, ob ich nicht mal mitkommen möchte. Das habe ich gemacht und bin geblieben. Zu dem Zeitpunkt war ich zehn Jahre alt.

Haben sich die Aufgaben und Herausforderungen seit Ihrem Eintritt verändert? Wenn ja wie?

Ulrich: Unser Motto heißt nach wie vor „Retten, löschen, bergen, schützen”. Das ist so geblieben. Die Aufgaben sind hingegen mehr geworden. Dafür genießen wir heute aber auch eine bessere Technik. Da hat sich in 35 Jahren gewaltig etwas getan.

Grotelüschen: Vor allem der Bereich „Technische Hilfeleistungen“ ist komplexer geworden. Früher war es deutlich leichter, ein Auto zu zerschneiden, um Eingeklemmte zu befreien. Heute sind die Fahrzeuge stabiler. Aber auch das Brandverhalten hat sich geändert. Die Häuser waren früher einfacher gebaut. Heute finden sich jede Menge Technik und Kunststoffe in den Gebäuden. Die Feuer sind dadurch heißer, und die entstehenden Rauchgase sind gefährlicher.

Als Feuerwehrmann ist man besonders in Notsituationen gefordert. Aber es gibt bestimmt auch viele schöne Erlebnisse. Welche sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Ulrich: Es ist immer schön, wenn man helfen und dazu beitragen konnte, dass zum Beispiel nach einem Brand doch nicht alles verloren ist. Etwas ganz Besonderes war es, den Leuten damals beim Hochwasser 2003 in die Augen zu schauen, nachdem wir es doch geschafft hatten, in Lüchow-Dannenberg die Elbe zu halten.

Grotelüschen: Wenn Menschen, die Unfälle gut überstanden haben, beim Dienst vorbeischauen und sich bedanken – das bleibt allen in Erinnerung.

Wie viel Zeit muss man investieren? Ist die Feuerwehr noch ein Hobby oder schon eine Art zweiter Beruf?

Grotelüschen: Das hängt von jedem selbst ab. Wenn man eine Führungsposition inne hat oder einen bestimmten Posten übernimmt, investiert man natürlich mehr Zeit. Für einen „normalen“ Feuerwehrmann gab es lange einen Richtwert von 100 Stunden im Jahr. Das stammt aus den Zeiten des Ersatzwehrdienstes.

Ulrich: Man kann es als Hobby betreiben, sich aber auch intensiv reinhängen. Übungsdienste finden wöchentlich statt. Hinzu kommen über das Jahr verteilt besondere Dienste und Übungen.

Wie gut sind die Feuerwehren in der Gemeinde Dötlingen ausgestattet, und in welchem Bereich gibt es noch Handlungsbedarf?

Ulrich: Wir sind sehr gut ausgestattet und versuchen immer, auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Gerade mit den Fahrzeugen und den Feuerwehrhäusern können wir zufrieden sein.

Grotelüschen: Die einzige Baustelle, die ich im Bereich Beschaffung momentan sehe, ist bei der persönlichen Schutzausrüstung. Wir sind aber schon dabei, den Bestand in unserer Kleiderkammer in Brettorf aufzustocken, damit wir nach einer Kontamination der Kleidung so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sind. Dafür gibt es im Haushalt der Gemeinde Mittel.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit der Feuerwehren – auch über die Gemeindegrenze hinaus?

Ulrich: Innerhalb der Gemeinde ist eine Zusammenarbeit sehr wichtig, weil am Tage ein Großteil der Mitglieder zum Arbeiten ausgependelt ist, sodass nicht unbedingt viele Kräfte zur Verfügung stehen. Schon seit einigen Jahren fahren deshalb montags bis freitags zwischen 7 und 17 Uhr alle drei Wehren gemeinsam zu Einsätzen raus – damit wir eine schlagkräftige Feuerwehr sind.

Grotelüschen: Über die Gemeindegrenze hinaus bietet sich ein Austausch an. Schließlich benötigen wir mal Spezialgeräte wie die Drehleiter aus Wildeshausen. Da muss die Zusammenarbeit intensiv gehalten werden. Damit jeder weiß, was beim anderen los ist.

Was zeichnet die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Dötlingen im besonderen Maße aus?

Grotelüschen: Die Zusammenarbeit untereinander. Es gibt zwischen den drei Wehren keinerlei Grabenkämpfe. Niemand neidet der anderen Wehr etwas.

Ulrich: Bis jetzt sind wir immer gemeinsam zum Ziel gekommen.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. 

Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. 

Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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