Waldkita, Neubau oder Container?

Immer wieder besuchen Gruppen aus den Kitas in der Gemeinde Dötlingen im Rahmen von Ausflügen hiesige Landwirte und werfen einen Blick in die Ställe. Nun prüft die Verwaltung auf Antrag der CDU-Fraktion die Einrichtung eines Bauernhofkindergartens. Archivfoto: Schneider

Die Liste an Ideen zur Lösung des Platzproblems in den Kindergärten ist lang. Im Rathaus trudeln immer mehr Anträge der im Gemeinderat vertretenen Parteien ein. Die Verwaltung prüft derzeit die unterschiedlichen Möglichkeiten – von der Bauernhofkita bis zum Neubau. „Ziel ist es, dem Sozialausschuss im November einen Beschlussvorschlag vorzulegen“, sagt Bürgermeister Ralf Spille.

VON TANJA SCHNEIDER

Neerstedt – Wie kann die Gemeinde Dötlingen den steigenden Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen decken? Diese Frage beschäftigt Verwaltung und Politik schon lange. Vor gut zweieinhalb Jahren war deshalb der Entschluss gefallen, an alle drei bestehenden Einrichtungen anzubauen und neue Gruppen zu schaffen. Gereicht hat das nicht. Um der Nachfrage gerecht zu werden, arbeitet die Kommune bereits seit August wieder mit einer Übergangsvariante. Parallel dazu läuft die Suche nach einer Lösung, die für eine längerfristige Entlastung sorgen soll.

Neben der Verwaltung bringen die im Rat vertretenen Parteien Vorschläge ein. Vor rund anderthalb Wochen hatten die Fraktionen von SPD und FDP beantragt, die Aufstellung von Containern zu prüfen (wir berichteten). Am Montagmorgen erinnerte die CDU-Fraktion daran, dass sie einen solchen Antrag schon im Februar gestellt hatte. „Im zuständigen Arbeitskreis wurde das Thema Container aber zunächst – eventuell zugunsten des durch die Verwaltung ins Spiel gebrachten Waldkindergartens – zurückgestellt und bislang nicht diskutiert“, bedauert CDU-Ratsfrau Ditte Höfel. Die Partei nehme deshalb erfreut zur Kenntnis, dass sich nun auch andere Fraktionen mit einer Containerlösung befassen. Bürgermeister Ralf Spille versichert auf Nachfrage, dass die Verwaltung ebenfalls am Thema dran ist. „Wir arbeiten momentan alle möglichen Vorschläge ab“, sagt er. Darunter befinde sich auch die Container-Variante, die für alle drei Standorte geprüft werde. Juckepunkt seien nicht unbedingt die Kosten, sondern die räumlichen Vorgaben. „Unter anderem ist eine Verbindung zum Kindergarten erforderlich“, erklärt Spille. Das Bauamt checke momentan die Voraussetzungen.

Die Verwaltung hat aber noch weitere Ideen auf dem Schirm. Intensiv beschäftigt sie sich mit der Einrichtung eines Waldkindergartens. „Dies ist grundsätzlich möglich. Wir müssen nur dafür Sorge tragen, dass ein Bauwagen sowie ein Raum, in den sich die Kinder bei Sturm oder Gewitter zurückziehen können, zur Verfügung stehen“, berichtet der Bürgermeister. Als denkbarer Standort gilt in Dötlingen der Bereich beim Polizeisportverein, mit dem demnächst Gespräche geführt werden sollen. In einem Waldkindergarten könnten 15 Mädchen und Jungen von zwei Erzieherinnen betreut werden.

Auf Antrag der CDU „sind wir zudem am Thema Bauernhofkindergarten dran“, so Spille. Für diesen gebe es zwei Varianten – eine Art Waldkita oder einen „normalen“ Kindergarten auf dem Bauernhof. Um sich das Konzept einmal vorstellen zu lassen, habe die Verwaltung Kontakt zur Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (Baglob) aufgenommen. Neben konkreten Infos fehle derzeit auch ein geeigneter Standort.

Großtagespflege ab erstem Quartal 2020

Laut Spille prüft die Verwaltung zudem, unter welchen Ausnahmeregelungen eine sechste Gruppe in der Neerstedter Kita möglich ist. Eigentlich sind nur fünf Gruppen unter einer Leitung zulässig. Und auch die „große Lösung“, sprich der Bau eines neuen zweigruppigen Kindergartens, ist noch nicht vom Tisch. „Die Frage wäre nur, wo“, meint Spille. Die Optionen seien begrenzt. Für die CDU kann ein „extrem teurer Neubau nur die letzte Möglichkeit sein“, heißt es in der Mitteilung der Christdemokraten. Zumal die derzeitige Raumnot nicht durch die im Voraus bekannte Zahl der Kinder aus den Neubaugebieten und den im Jahresschnitt normalen Geburtenzahlen ausgelöst werde, sondern sich vielmehr aus den nicht vorhersehbaren und damit unmöglich planbaren Familienzuzügen durch den Verkauf von Altimmobilien ergeben habe. Vor diesem Hintergrund sieht der Bürgermeister die Gefahr, eventuell zu viele Plätze zu schaffen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht irgendwann überall halb volle Gruppen haben“, meint er. Sinnvoll wären deshalb Maßnahmen wie der angedachte Umzug der Dötlinger Hortgruppe ins Schulgebäude. Damit würde in der Kita ein Raum für eine Kindergartengruppe frei. „Sämtliche Ideen setzen allerdings voraus, dass die Landesschulbehörde mitspielt und zustimmt“, betont Spille.

Damit die Verwaltung nicht dermaßen in die Bredouille gerät wie vor dem Start des diesjährigen Kindergartenjahres soll schon zur Sozialausschusssitzung Mitte November ein Beschlussvorschlag her. „Die Politik muss sich dann entscheiden“, so der Bürgermeister. Dies gelte nicht nur für die Lösung des Platzproblemes in den Kindergärten, sondern auch in den Krippen.

Bekanntlich gibt es mittlerweile vier Gruppen, zwei in Neerstedt sowie jeweils eine in Brettorf und in Dötlingen. Auch hier zeichne sich ab, dass das Angebot nicht ausreicht. Um die bereits mehrfach ins Auge gefasste und dann doch nicht benötigte Großtagespflege führe deshalb kaum ein Weg herum. „Wir planen die Einrichtung für das erste Quartal kommenden Jahres“, sagt Spille. Zehn Kinder könnten auf diese Weise betreut werden. Räume hierfür seien schon gefunden. Was noch fehle, sei die notwendige Abstimmung mit dem nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss. Zur Entlastung der Krippen könnten nach Ansicht der CDU auch die Tagesmütter und -väter beitragen. Die Fraktion hat deshalb noch einen Antrag gestellt, wonach die Dötlinger Verwaltung prüfen soll, inwieweit die Ausbildung von Tageseltern zusätzlich unterstützt und gefördert werden kann.

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