Vortragsveranstaltung auf Gut Altona/Kritik an einseitiger Diskussion

Mehr als 200 Landwirte lauschen Empfehlungen

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Informierten gut 200 Landwirte über Aktuelles im Pflanzenschutz: Eckehard Pieper, Stefan Knipper, Josef Kuhlmann, Kreislandwirt Jürgen Seeger, Klaus Sandbrink und Hinrich Rothert. (v.l.).

Altona - Von Tanja Schneider. Die Landwirtschaft hat den Kampf gegen ihr schlechtes Image aufgenommen und wehrt sich gegen Vorwürfe. Angesichts des Pauschalverdachtes – besonders beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – appellierte Dr. Josef Kuhlmann von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen gestern vor mehr als 200 Vertretern der Branche, sachlich zu diskutieren.

Die Veranstaltung im Hotel „Gut Altona“ bildete den Auftakt einer Vortragsreihe zum Thema „Aktuelles im Pflanzenschutz und -bau“ in insgesamt acht Orten im Bereich der LWK-Bezirksstelle Oldenburg-Süd. Viele Landwirte nahmen nicht nur teil, um den geforderten Sachkundenachweis im Pflanzenschutz zu erhalten, der alle drei Jahre erbracht werden muss. Sie wollten sich auch über neue gesetzliche Vorgaben sowie Empfehlungen zu Produktionstechniken informieren.

Zunächst begrüßte aber Kreislandwirt Jürgen Seeger die Teilnehmer und ging auf aktuelle Probleme der Branche ein. Vor allem bei den Milchbauern und Schweinehaltern sei die wirtschaftliche Situation „angespannt bis katastrophal“, meinte er, „während sich andere die Taschen voll machen, meiner Meinung nach die Discounter.“ Bauchschmerzen bereiteten den Landwirten auch ein geplantes geobasiertes Antragsverfahren, das laut Seeger recht aufwendig sei, sowie das zum Jahresanfang in Kraft getretene Verbot von einjährigen Ausbildungsverträgen. Diese waren bislang üblich, da sich die Ausbildung auf mehrere Betriebe verteilt, um Kenntnisse sowohl in der Pflanzen- als auch in der Tierproduktion zu vermitteln. Die Landwirtschaftskammern arbeiteten derzeit an einer Lösung.

In insgesamt sechs Vorträgen gaben die Referenten anschließend Empfehlungen zum Anbau und zur Produktionstechnik bei Mais, Getreide und Kartoffeln. Auch die Möglichkeiten und Grenzen von Düngestoffen waren Thema. Kuhlmann, der die Veranstaltung moderierte, sprach über den sachkundigen sowie verantwortungsbewussten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und kritisierte in diesem Zusammenhang die einseitige, öffentliche Diskussion. Im Fokus stünden stets die Risiken, über den Nutzen und die Vorgaben zur Verwendung werde kaum gesprochen. „Wir reden hier über Mittel, die ein strenges Zulassungsverfahren durchlaufen haben“, betonte Kuhlmann. Auf diese Prüfungen müssten sich die Landwirte verlassen können. Der Einsatz erfolge, um die Pflanzen gesund sowie Unkraut und Schädlinge fernzuhalten. Auch für eine gute Produktion sei er notwendig. „Denn die Marktversorgung geht nicht allein durch Bio“, so Kuhlmann.

Die Probleme, beispielsweise die Nitratbelastung im Wasser, müssten auf fairer und sachlicher Ebene diskutiert und gelöst werden. „Die menschliche Gesundheit, der Wasser- aber auch der Bienenschutz sind Themen, die wir sehr ernst nehmen“, stellte Kuhlmann klar. Nicht ohne Grund gebe die LWK regelmäßig Empfehlungen. Die gestrige lautete, in Wasserschutzgebieten vor allem bei Metabolit-Funden (Abbauprodukt) auf den Einsatz des Wirkstoffes S-Metolachlor zu verzichten. Auch in anderen Bereichen sei eine einseitige Anwendung nicht empfehlenswert.

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