Imker Götz Neuber berichtet auf dem Dötlinger Erntefest

„Von den Bienen können wir was lernen“

Feierlich hielten die reich geschmückten Trecker und Kremser zum Auftakt des Erntefestes Einzug – ein besonderer Blickfang war die von der Familie Liebig gebundene Erntekrone.

Dötlingen - Von Anja Nosthoff. „Bienen haben vor 120 Millionen Jahren das Prinzip entwickelt, ihre Nahrungspflanzen nicht einfach aufzufressen, sondern deren Bestäubung und Erhalt zu kultivieren“, zollte der Klattenhofer Imker Götz Neuber, der am Sonnabendnachmittag auf der Dötlinger Kirchwiese die Festrede zum traditionellen Erntefest des Heimatvereins hielt, den gefährdeten Hautflüglern Tribut.

Die Menschen dagegen betreiben, so erklärte Neuber, die Kultivierung ihrer Nahrungspflanzen seit immerhin 7.000 Jahren. „Heute feiern wir dankbar, dass das funktioniert“, so Neuber.

Überhaupt meinte der engagierte Imker, dass die Menschen sich in mancherlei Weise noch eine Scheibe von den Bienen abschneiden könnten. Bereits seit Urzeiten – viele Millionen Jahre länger als die Menschen – betreiben die Bienen die Vorratswirtschaft und die Arbeitsteilung. Bei der Wohnungssuche setzen sie erfolgreich auf ein vorbildlich demokratisches Abstimmverhalten, bei der von 400 Kundschafterinnen die Biene mit dem hochwertigsten Argument „bei 100-prozentiger Wahlbeteiligung und ohne Fraktionszwang“, wie Neuber betonte, den hundertprozentigen Zuschlag bekommt.

Die Kindergartenkinder führten ein musikalisches Theaterstück auf, bei dem die verschiedenen Bauernhoftiere nacheinander ihren Einsatz hatten. - Fotos: Nosthoff

Die Spezies habe Erdzeitalter überlebt, während das Aussterben eigentlich die Regel sei. Davon profitiere der Mensch: Die Honigproduktion der Bienen gebe den Menschen in zehntausenden von Wertschöpfungsketten Gelegenheit, Mehrwert zu erwirtschaften: Ob als Nahrungs- und Genussmittel, in der Holz-, Lack-, Leder- und Textilpflege, in der Naturmedizin, in der Kunst, im Glockenguss und Geigenbau oder in der Hochtechnologie „Beeonik“.

Die jährliche Bestäubungsleistung der Bienen weltweit werde auf einige 100 Milliarden Euro beziffert. Ein einzelner deutscher Imker spende dem Bruttosozialprodukt somit jährlich etwa 40.000 Euro. Durch menschliches Fehlverhalten drohe der Natur-Ressource jedoch nun der Untergang. Nur mit Mühe und hohem Engagement könne man die Bienen vor der Vernichtung bewahren. Und gerade dabei gelte es, die Bienen zum Vorbild zu nehmen. Denn: „Eines haben wir überhaupt noch nicht gelernt“, erklärte Neuber. „Bienen können – wie viele Naturwesen – nichts tun, was ihnen selber schadet. Wir können das und sind auf diese Freiheit auch noch stolz.“

Zum Programm der Feierstunde, zu der wieder unzählige reich geschmückte Trecker und Kremser aus der ganzen Gemeinde sowie vom Trecker-Veteranen-Club Lüerte im Dorf Einzug gehalten hatten, gehörten kurzweilige Vorführungen des Dötlinger Kindergartens und der Grundschule ebenso wie fetzige Tanzdarbietungen des Nachwuchses aus dem Turnverein. „Da würde ich auch gerne mal mitmachen“, zeigte sich der Heimatvereinsvorsitzende Eckehard Hautau nach dem Auftritt der Jüngsten, der „Little Giants“, restlos begeistert. Genauso sorgten die „Flipsides“ und schließlich auch die fortgeschrittenen Tänzerinnen der „Pink Diamonds“ für beste Stimmung.

Ein musikalisches Theaterstück hatten die Kindergartenkinder einstudiert, die in fantasievollen Tierkostümen erschienen. Sie stellten das bunte Treiben von Hund, Katze, Maus und Co. auf einem tierreichen Bauernhof dar. Dabei schoss besonders der kleine Hahn, der munter von seinem Strohballen heruntergackerte, den Vogel ab. Die Grundschulkinder sangen von der Ernte und ließen auch ihre bunten Holzdrachen steigen, die sie an langen Stöcken festhielten.

Im Anschluss trug man die von der Familie Liebig gebundene Erntekrone feierlich zum Hof Dieckmeyer, wo es zum gemütlichen Teil des Erntefestes überging – mit Bewirtung, Kinderbelustigung, Tombola, der Band „Toet & Bloaslust“ und den „Spaaßmaakern“.

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