Vom Vierfüßlerstand zur Katze

Das erste Mal Yoga / Lehrerin erzählt, wie wichtig Achtsamkeitstraining ist

Yogalehrerin Iris Vollkammer gibt Hilfestellung:
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Gibt Hilfestellung: Yogalehrerin Iris Vollkammer.

Dötlingen – Auf den Rücken legen, ankommen, den gesamten Körper entspannen, an nichts denken, und bloß das Atmen nicht vergessen. Der Körper will aber nicht so richtig mitmachen und bleibt verkrampft. Ich hatte meine erste Yogastunde bei Iris Vollkammer. Vor neun Jahren ist sie nach Dötlingen gezogen, ein Jahr später eröffnete sie an der Straße Am Steinberg 12 ihr Yoga-Studio „Tara – Raum für Yoga“.

Zugegeben: Viel wusste ich bisher nicht über Yoga. Nur, dass es aus Indien kommt. Die meisten Informationen und Übungen dazu findet man in Onlineartikeln oder Zeitschriften – und das nicht erst seit gestern. „Seit circa 20 Jahren wird Yoga gehypt“, sagt Iris (wir sind direkt beim Du). „In Artikeln kommt es immer wieder rüber, Yoga sei Fitness. Das ist das Bild, das rüberkommt, aber das wird dem nicht gerecht“, findet sie. „Yoga ist ein Achtsamkeitstraining mit Meditation in Bewegung“, erklärt die Expertin. Wichtig sei es, zu sich selbst zu finden und den eigenen Körper wahrzunehmen. Zum Yoga gehörten auch Atemtechniken und Entspannungsübungen. Die Verknüpfung von Bewegung und Atem sei ein wesentlicher Bestandteil. „Ursprünglich ging es um rein geistige Übungen und nicht um die Bewegung.“ Körperübungen seien erst viel später dazu gekommen, informiert sie.

Bevor wir mit den Übungen loslegen, will Iris ein bisschen was von mir wissen. „Je mehr ich von den Menschen erfahre, desto besser kann ich die Übungen anpassen“, begründet sie. Viele kämen wegen körperlicher Beschwerden zu ihr.

Katzenbewegung ist gut für den Rücken

Nach ein paar Fragen geht es auch schon los: Ich stelle mich in den Vierfüßlerstand. „Die Arme nicht durchstrecken“, sagt die Trainerin zu mir. Dann soll ich meinen Rücken leicht biegen, danach meinen gesamten Rumpf in einer leichten Vorbeuge mit dem Po in Richtung Füße bewegen und mit der Stirn – wenn möglich – die Matte berühren. Das mache ich ein paar Mal hintereinander. Für Außenstehende mag die Übung leicht aussehen, aber ich finde sie gar nicht so einfach, vor allem wenn ich synchron zur Bewegung atmen soll. Ich habe meine Schwierigkeiten und muss mich total konzentrieren. Iris betont, dass diese „Katzenbewegung“ sehr wohltuende Wirkungen auf die Wirbelsäule und den Rücken habe.

Dann geht es mit der nächsten Übung weiter, der „Schulterbrücke“. Ich lege mich wieder auf den Rücken, die Beine sind angewinkelt. Die Arme soll ich hinter dem Kopf ablegen und dabei tief einatmen, dann kurz den gesamten Rumpf hochnehmen, mehrere Atemzüge halten und dann langsam ausatmend die Wirbelsäule wieder auf die Matte ablegen, die Knie auf den Bauch legen und mit den Armen festhalten. Die „Schulterbrücke“ sei ebenfalls gut für den Rücken, allerdings etwas schwieriger als die vorherige „Katze“.

Seit wann macht Iris eigentlich schon Yoga? „Seit ich 16 bin. Ich hab sehr früh damit angefangen, jetzt bin ich 60 Jahre alt.“ Und wie kam es dazu? „Viele, die mit dem Yoga anfangen, haben einen Leidensdruck, also sie haben Rückenschmerzen oder schlafen schlecht und fangen daher damit an. Viele erhoffen sich dadurch Linderung. Ich hatte keinen Leidensdruck, mir ging es gut. Ich habe aus Neugierde in Bremen angefangen und es hat mich nicht losgelassen“, erzählt sie.

Yogalehrerin Iris Vollkammer zeigt, wie die Übung richtig geht.

1987 Yoga-Schule in Bremen eröffnet

Nach ihrem Abitur war sie eine längere Zeit in Asien. Danach habe sie Ethnologie und indische Geschichte in Heidelberg studiert. „Ich war auch als Studentin in Indien unterwegs, dann bin ich aber schwanger geworden. Eigentlich wollte ich Feldforschung in Indien betreiben, aber mein Plan B war, Yogalehrerin zu werden“, erzählt die 60-Jährige und lacht.

Nach dem Studium und einer vierjährigen Ausbildung beim „Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland“ ging sie wieder zurück in ihre Heimatstadt Bremen, wo sie 1987 die „Yogaschule Iris Vollkammer“ gründete, die sie 30 Jahre lang geleitet hat. Ihre Entscheidung bereut sie aber nicht: „Es ist ein toller, und wie ich finde, sinnvoller Beruf, weil ich mit Menschen arbeite. Yoga zeigt Wege, wie wir mit uns selbst und anderen kommunizieren können, wir können uns und auch andere besser kennenlernen und wir lernen, wie wir Mitgefühl für andere und die Welt entwickeln können“, schwärmt sie.

Normalerweise besuchten um die 20 Frauen und Männer ihre Gruppenkurse, die seit November ausfallen mussten. Einzelstunden waren möglich. Um trotzdem für ihre Teilnehmer da zu sein, bietet Iris Meditationsübungen per Zoom an. Zudem hat sie im vergangenen Jahr damit angefangen, einige ihrer Yoga- und Meditationseinheiten auf Video aufzuzeichnen und sie auf Youtube für jedermann zugänglich zu machen. Mittlerweile 25 Einheiten können dort aufgerufen werden. Das sei aber nicht zu vergleichen: „Ich war davon ausgegangen, dass wir nach den Osterferien wieder starten können.“ Gerade in unsicheren, aufwühlenden Zeiten wie diesen, sei Yoga perfekt geeignet, innere Stabilität zu geben. Auf ihrer Homepage teilt sie mit, dass sie mit ihren Kursen im September wieder starten wird.

Zum Schluss lege ich mich wieder auf den Rücken. Iris legt mir ein Kissen unter die Knie. Und dann heißt es: entspannen. Ich schließe die Augen, konzentriere mich auf meinen Atem und kann tatsächlich abschalten. „Der Atem findet seinen ganz eigenen Rhythmus“, höre ich Iris leise sagen.

Weitere Infos

gibt es im Internet unter www.tara-raum-fuer-yoga.de/

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