Nabu-Wahl 2021

Vogel des Jahres: Wer ist Ihr Favorit?

Auffälliges Aussehen, schüchterne Art: der Eisvogel.
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Auffälliges Aussehen, schüchterne Art: der Eisvogel.

Die Stadttaube hat die erste Runde klar für sich entschieden: Derzeit läuft die Wahl zum „Vogel des Jahres 2021“. Der Nabu hat zum ersten Mal die gesamte Bevölkerung aufgerufen, Stimmen abzugeben. Noch bis zum 19. März läuft nun die Stichwahl mit zehn Vogelarten. Was sind die Dötlinger Favoriten?

Dötlingen – Zehn Kandidaten haben es in die zweite und letzte Runde der Wahl zum „Vogel des Jahres 2021“, ausgerichtet vom Naturschutzbund (Nabu), geschafft. Die Liste reicht von der Stadttaube über die Blaumeise bis zur Rauchschwalbe. An der Auswahl der Top Ten aus insgesamt 307 Arten beteiligten sich laut Nabu bundesweit knapp 130.000 Menschen. Nun können alle, die möchten, bis zum 19. März ihre Stimme abgeben. Im Folgenden erklären Dötlinger Vogelkundige, wer ihre Favoriten sind und weshalb sie ihnen den Titel „Vogel des Jahres 2021“ wünschen.

Volker Wessels ist seit mehr als 20 Jahren diplomierter Wildnis- und Naturführer und bietet regelmäßig Touren durch die Gemeinde Dötlingen an. Seine Antwort kommt schnell: „Da würde ich mich eindeutig für den Eisvogel entscheiden.“ Das orange-blau gefiederte Tier sei weniger selten, als die meisten Menschen dächten, sagt Wessels.

Vielmehr sei der Eisvogel einfach eine eher schüchterne Art. Der Massentourismus beim Kanufahren auf der Hunte etwa habe ihn spürbar verscheucht. „Das ist wirklich auffällig, dort sieht man ihn überhaupt nicht mehr“, hat Wessels beobachtet. In Ost-rittrum hingegen tauche der Eisvogel immer mal wieder auf. Feuchtgebiete seien für das Tier, das zu den Watvögeln gehöre, als Lebensraum besonders wichtig.

Gefährdet und mit trauriger Stimme: der Goldregenpfeifer.

„Hochinteressant“ findet der Naturführer auch den gefährdeten Goldregenpfeifer, der ebenfalls in die Endrunde gekommen ist. „Er ist prächtig anzusehen“, sei aber eher selten und für viele deshalb nicht leicht zu identifizieren, erläutert er.

Für Ludwig Duncker, Hobby-Ornithologe und Mitglied des Nabu Dötlingen-Wildeshausen, ist der Goldregenpfeifer die Nummer eins. „Das ist mal was Besonderes“, urteilt er. „Der hat eine ganz traurige Stimme, ganz melancholisch hört der sich an.“ Das feuchtigkeitsliebende Tier brüte vor allem im Moor und lebe im Winter in der Regel im Watt. Nicht nur deshalb sei der schwarz-gold-gefiederte Vogel in der Region eher selten zu sehen: „Er ist auch gut getarnt.“

Kiebitze waren früher stark vertreten

Außerdem hebt Duncker den ebenfalls in seinem Bestand gefährdeten Kiebitz hervor. „Das war früher ein Allerweltsvogel“, erinnert er sich. In den 50er- und 60er-Jahren sei es üblich gewesen, die Eier zu sammeln und zu essen, weil Kiebitze in großen Mengen vorkamen. Inzwischen sei ihr Lebensraum – Feuchtgebiete, Wiesen und Weiden – vielerorts von der Ackerlandwirtschaft verdrängt worden. Bei einer Kartierung entlang der Hunte im vergangenen Jahr habe er nur sehr wenige gezählt. „Und ob die überhaupt gebrütet haben, weiß ich nicht.“ Erkennbar seien die Kiebitze an ihrem typischen „Kiwitt-kiwitt“ und dem schaukelnden Flug.

Dietrich Kammann bietet regelmäßig vogelkundliche Wanderungen, unter anderem für den Bürger- und Heimatverein Dötlingen, an. Er spricht sich dafür aus, eine Art zu wählen, die noch nie zum „Vogel des Jahres“ gekürt worden ist. Seine Favoritin ist die Blaumeise. „Die hat im vergangenen Jahr einen schweren Dämpfer bekommen“, begründet er. Im Frühjahr wurden zahlreiche tote Tiere dieser Spezies entdeckt, lange war unklar, woran sie gestorben waren.

Kammann berichtet, offenbar sei Zeckenpulver, das an Hundehaaren haftete, welche die Vögel wiederum zum Nestbau benutzt hatten, die Ursache dafür gewesen – es wirkte auf die Meisen offenbar tödlich. Auf Platz zwei setzt er die Amsel, dann folgen die Stadttaube und das Rotkehlchen. Alle von ihnen seien bislang ungekürt. An letzteren fasziniere ihn besonders, dass sie rund 275 verschiedene Strophen singen könnten.

Viele ihrer Art starben 2020: die Blaumeise.

Marianne Bernhard-Beeskow, Sprecherin des Nabu Dötlingen-Wildeshausen, hat noch nicht entschieden, für welchen Vogel sie in der Ausscheidungsrunde stimmen wird. Dass die Stadttaube im ersten Wahldurchgang mit großem Abstand (knapp 9 000 Stimmen im Vergleich zu knapp 6 000 für das zweitplatzierte Rotkehlchen) gewonnen hat, kann sie aber durchaus nachvollziehen.

„Die Stadttauben leiden auch unter den Corona-Maßnahmen“, vor allem in Bezug auf ihre Versorgung mit Nahrung in den Städten. Zudem sei die menschliche Sicht auf die Taube widersprüchlich, findet die Nabu-Sprecherin: Während sie einerseits als Friedens- oder Turteltaube hoch geschätzt sei, werde sie als „Ratte der Lüfte“ abfällig kritisiert.

Zur Abstimmung

Wer an der Nabu-Aktion „Vogel des Jahres 2021“ teilnehmen möchte, kann im Internet unter www.vogeldesjahres.de noch bis zum 19. März für einen der zehn Kandidaten abstimmen. Auf der Webseite www.nabu.de gibt es zahlreiche Informationen zu den einzelnen Arten sowie zu den Ergebnissen der ersten Auswahlrunde.

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