Viertklässler lernen mit allen Sinnen

Naschen, beobachten, pflanzen: Dötlinger Schüler arbeiten mit Experten im Kräutergarten

Süßdolde gefällig? Gärtnermeister Vinken (l.) verteilte Kostproben des gerade geschnittenen Krauts an die Dötlinger Grundschüler. Auch Klassenlehrerin Caroline Schütte (hinten) traute sich.
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Süßdolde gefällig? Gärtnermeister Vinken (l.) verteilte Kostproben des gerade geschnittenen Krauts an die Dötlinger Grundschüler. Auch Klassenlehrerin Caroline Schütte (hinten) traute sich.

Dötlingen – Lakritze? Nicht jedermanns Fall in der Klasse 4a der Dötlinger Grundschule. Doch die Stiele der frisch geschnittenen Süßdolde mit ihrem intensiven Geschmack nach Anis, die Gärtnermeister Herbert Vinken den Jungen und Mädchen kurz vor der Wiederbepflanzung des Kräuterbeets am Rande des Schulgartens entgegen reckte, wollten alle probieren.

Denn sie hatten schnell vollstes Vertrauen zum Chef der Bioland-Gärtnerei „herb’s“ aus Nuttel gefasst, der sie mit seiner Begeisterung für Pflanzen im Handumdrehen ansteckte. So erläuterte der Experte anschaulich die Vorzüge der Süßdolde – etwa beim Einkochen von Marmelade als Zuckerersatz – zumindest zu einem Teil. „Er macht das richtig gut“, unterstrich Klassenlehrerin Caroline Schütte, „deswegen wollen wir auch immer Herbert Vinken hier haben.“

„Es ist zu einer kleinen Tradition geworden“

Und das bereits seit 20 Jahren. „Ich war damals schon hier, als der Schulgarten angelegt wurde“, verriet Vinken am Rande dieses Unterrichts im Grünen: „Es ist zu einer kleinen Tradition geworden, die jetzt hoffentlich wieder auflebt.“ Denn seit der vorigen Pflanzperiode konnte der Fachmann hier nicht wirken. „Wegen der Corona-Pandemie waren wir uns lange Zeit nicht sicher, was nun im Rahmen der Hygienemaßnahmen erlaubt ist und was nicht“, erklärte Pädagogin Schütte die Zwangspause.

Diesmal hatte Vinken seine Gärtnergesellin Paula Beil mitgebracht, die später mit der 4a die ersten strahlenförmigen Beete bepflanzte. Das hohe Maß an Konzentration der komplett in die Arbeit versunkenen Kinder erlaubte dem Chef, nach knapp einer Unterrichtsstunde nebenan die Einweisung der Parallelklasse 4b zu übernehmen.

Dabei ging es auch um die Wahl des richtigen Standorts für die jeweiligen Kräuter. Vinkens Faustregel: „Kräuter mit großen Blättern lieben eher den Schatten, welche mit kleinen eher die Sonne. Aber es gibt Ausnahmen.“

Schüler hatten sich vorher im Unterricht vorbereitet

Im Unterricht hatten sich die Schüler schon auf den Tag vorbereitet – sowohl in der Klasse als auch praktisch mit den Vorarbeiten in den Beeten. „Allzu viel haben wir aber nicht vorweggenommen, weil wir nicht wussten, welche Pflanzen Herr Vinken mitbringt“, erläuterte Caroline Schütte.

Der Gärtnermeister freute sich, dass er mit seinen Ausführungen nicht bei Null anfangen musste: „Hier haben die Kinder ja noch größtenteils irgendeinen Bezug zur Landwirtschaft – in der Stadt ist das nicht so ausgeprägt.“

So musste der Unternehmer auch nicht lange fragen, was es mit dem von ihm geführten Bioland-Siegel auf sich habe. In seinem Betrieb verzichtet er auf Pflanzenschutzmittel, setzt stattdessen auf Kompost und die Auswahl der robustesten Exemplare. „Wenn ihr zu Hause im Garten Regenwürmer findet und vielleicht auch einen Komposthaufen nutzt, ist das kein schlechtes Zeichen“, erklärte er den Kindern.

An anderer Stelle warnte er sie jedoch vor zu viel Forscherdrang: So sieht das aztekische Süßkraut dem giftigen Schierling zum Verwechseln ähnlich. „Ihr müsst euch also ganz sicher sein, bevor ihr Süßkraut probiert. Also entweder durch ein Schild an der Pflanze – oder ihr fragt jemanden, der sich damit auskennt. Oder noch besser: Ihr lernt, euch selbst auszukennen.“ Dafür ist das Kräuterbeet-Projekt im Schulgarten bestimmt hilfreich.

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