Viertägiger Selbstbehauptungskursus für knapp 40 Dötlinger Grundschüler

Wie sich Kinder bei Gefahr wehren können

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Auch die Reaktion auf einen Angriff wurde geübt.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Nimm deine Finger weg!“, „Lass mich los!“ und „Hilfe“ hallte es gestern Nachmittag durch die Dötlinger Grundschule. Und das immer wieder. Denn das Schreien ist ein wichtiger Bestandteil eines Selbstbehauptungskurses für Mädchen und Jungen, der bis einschließlich Donnerstag an der Schule läuft. „Durch das Schreien können die Kinder, wenn sie angegriffen werden, Aufmerksamkeit erregen“, erläuterte André Schäfer vom Defending-Team, einer Hamburger Gesellschaft für Gewaltprävention.

An vier Nachmittagen schult er gemeinsam mit seinem Kollegen Jap Colve knapp 40 Kinder in zwei Gruppen. Organisiert haben das Angebot, das im Rahmen des Präventionskonzeptes der Schule läuft, der Elternrat sowie der Förderverein der Einrichtung. Im Mittelpunkt des Kurses steht die Selbstbestimmung. „Die Mädchen und Jungen sollen wissen, dass sie aktiv werden dürfen, wenn sie es mit einem ‚Kinderbetrüger‘ zu tun bekommen“, so Schäfer. Aber was genau ist ein „Kinderbetrüger“? Diese Frage wurde gleich zu Beginn geklärt. „Denn Ziel ist es nicht, dass die Kinder die Selbstbehauptungs- und vor allem Verteidigungstechniken nun auf dem Schulhof anwenden oder meinen, sie müssten sich Einbrechern entgegenstellen“, sagte Schäfer. „Es geht konkret um Personen, die Kinder misshandeln wollen.“

Schäfer und Colve verdeutlichten deshalb, wo Erwachsene Kinder nicht anfassen und besonders nicht streicheln sollten. Sie erzählten ihnen auch die Geschichte von einem Mädchen, das sich von einem Erwachsenen locken ließ. Das klingt erst einmal schonungslos. „Da es ja aber dem Mädchen in der Geschichte passiert, ist es für die Kinder nicht belastend. Sie nehmen es eher wie ein Märchen auf“, erläuterte Schäfer aus Erfahrung. Um dem Nachwuchs zu erklären, dass nicht nur fremde Menschen übergriffig werden, berichtete er zudem von einem Jungen, der von seinem Nachhilfelehrer angefasst wird. Die Botschaft: Auch Vertrauenspersonen können „Kinderbetrüger“ sein. Gleichzeitig zeigte Schäfer den Schülern auf, wie sie reagieren können. „Das Wichtigste ist, dass ihr nicht schweigt. Das Fehlverhalten des Erwachsenen solltet ihr nicht geheim halten“, sagte er. Erste Anlaufstation seien die Eltern.

Die Mütter und Väter der Dötlinger Schüler waren übrigens zuvor während eines Infoabends über die Thematik unterrichtet worden. Zudem erfuhren sie, wie Kinder lernen. „Am besten durchs Teilnehmen und Mitmachen“, so Schäfer. Bereits gestern standen deshalb die ersten Übungen auf dem Programm. Der Trainer betonte dabei, dass Kinder einen Erwachsenen nicht besiegen können. „Aber ihr könnt ihm kurz wehtun, euch losreißen und weglaufen“, erzählte er. „Wenn euch jemand von hinten angreift, könnt ihr ihm mit dem Ellenbogen in den Bauch schlagen.“ Das wurde direkt geprobt. Sicherheitshalber legte Schäfer hierfür eine gepolsterte Weste an. Und das war auch gut so. Denn einige Kinder hatten keine Hemmungen. Ausnahmsweise gab es fürs Zuschlagen mal Lob. In der zweiten Runde mussten die Kinder den Ellenbogenhieb noch mit dem Schreien verbinden. „So erhöht ihr die Chance, dass euch jemand wahrnimmt, hilft und die Polizei ruft. Davor haben ‚Kinderbetrüger‘ Angst.“

In den kommenden Tagen stehen noch Befreiungstechniken an. „Zudem möchten wir üben, wie man sich verhält, wenn neben einem ein Auto stoppt“, informierte Schäfer. „Und vor allem, wie man erkennt, dass derjenige im Auto nichts Gutes im Sinn hat.“ Schließlich hätte nicht jeder böse Absichten, manche wollten auch nur nach dem Weg fragen. „Uns geht es darum, dass die Kinder potenzielle Gefahren einschätzen und ihnen aus dem Weg gehen können.“

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