Tourismuskonzept für die Gemeinde liegt nun vor 

Viel ungenutztes Potenzial

Kultur- und Kunstfreunde sowie Radwanderer bilden in der Gemeinde Dötlingen das Gros der Touristen. - Archivfoto: ts

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Die Gemeinde Dötlingen hat großes touristisches Potenzial, aus dem sie bislang viel zu wenig macht. Dies ist das Fazit des Bremer Planungsbüros Protze und Theiling, das für die Kommune ein Handlungskonzept zur Weiterentwicklung des Tourismus erstellt hat. Die Eckpunkte wie Nachhaltigkeit, Qualität statt Masse und Vernetzung präsentierte Käthe Protze am Donnerstagabend in der Neerstedter Aula, wo der Schul- und Kulturausschuss tagte. Zudem waren rund 40 Zuhörer vornehmlich aus dem Bereich Tourismus vor Ort.

Das Planungsbüro hatte sich für die Konzepterstellung zunächst mit der Ausgangslage befasst, eine Bestandsanalyse gemacht und die Sichtweisen der Akteure eingeholt. Letzteres im Rahmen von Workshops, an denen sich im Herbst viele der Anwesenden beteiligt hatten. Daneben gab es eine Befragung der Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe. Ausgehend von der Ist-Situation, wurden Empfehlungen erarbeitet und der Gemeinde nun kurz- sowie mittelfristige Maßnahmen ans Herz gelegt. Welche davon umgesetzt werden, muss die Politik entscheiden. Die Ausschussmitglieder einigten sich zunächst darauf, das Thema mit in die Fraktionen zu nehmen und zu beraten, was wirklich sinnvoll ist. Die Akteure äußerten in diesem Rahmen die Hoffnung, dass „konkret auf Ziele hingearbeitet wird. Das Konzept sollte nicht im Sande verlaufen“.

Das Planungsbüro sieht den Tourismus als großen Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde. Er habe einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Deshalb lohne es sich, die Herausforderungen in diesem Bereich anzugehen und neue Perspektiven zu entwickeln. Für Protze liegen die Akzentthemen auf der Hand. Neben der Kultur sind es das Radfahren, Wandern und Wasserwandern sowie die historischen und prähistorischen Baudenkmäler. Mit „kulturell und natürlich“ habe Dötlingen schon den passenden Gemeindeslogan, der allerdings viel zu wenig genutzt werde. Der Kommune fehle es an einem touristischen Profil, einer Marke mit Wiedererkennungswert.

Protze verwies im Laufe des Abends nicht nur auf die Vorzüge der Gemeinde, die zweifellos einiges zu bieten habe. Sie ging auch schonungslos auf Probleme und Schwächen ein – allen voran die unübersichtliche und verstreute Darstellung der bestehenden Angebote. Gerade online gebe es überall Infos, aber nirgends gebündelt. „Man muss sich ewig durchklicken“, monierte sie. Kein gutes Haar ließ sie am Internetauftritt der Gemeinde, der „einfach nicht mehr zeitgemäß ist.“ Die Aktualisierung der Homepage mit einem Konzept für eine ansprechende Bündelung der Infos, mit einem gemeinsamen Veranstaltungskalender sowie einem touristisch ausgerichteten Ortsplan gehört deshalb zu den Maßnahmen, die kurzfristig realisiert werden sollten. Falls gewünscht, könnte ein Reservierungs- und Buchungssystem integriert werden. Mittelfristig könnte die Gemeinde beispielsweise über eine Dötlingen-App nachdenken. Außerdem sollte sie eine Infostelle in Dötlingen in Betracht ziehen. „Denn die bestehende im Neerstedter Rathaus ist immer dann geschlossen, wenn die Touristen da sind, also am Wochenende“, gab Protze zu bedenken.

„Brettorfer Bahnhof stärker bewerben“

Zudem empfiehlt sie der Gemeinde, aus ihrer passiven Rolle herauszutreten und mehr eigene Akzente zu setzen. Dafür sei die Einrichtung einer ganzen Stelle in der Verwaltung für das Tourismus-Netzwerk-Management ratsam. „Nebenbei ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen“, so Protze. Die Kommune könnte das touristische Geschehen dann aktiver gestalten, Kooperationen mit Nachbargemeinden entwickeln und gleichzeitig das lokale Ehrenamt unterstützen. Einen Ansprechpartner, „der koordiniert, wünschen wir uns sehr“, hieß es aus den Reihen der Zuschauer.

Neben der Organisation und Vernetzung ging es auch um die Entwicklung der touristischen Angebote. So könnte der Bereich Kunst/Kultur durch gezielte kommunale Förderung stärker als Alleinstellungsmerkmal genutzt und vermarktet werden. Möglich seien Kunst im öffentlichen Raum und besonders eine bessere Verbindung der Standorte, beispielsweise durch Kunstrouten. Ähnliches gelte für die Land- und Gartenkultur. Rundkurse, Wanderwege und eine entsprechende Beschilderung könnten nicht nur das Angebot bereichern, sondern auch für eine räumliche Entzerrung sorgen. Wenn dann auch noch überregionale Radwegverbindungen sowie der Brettorfer Bahnhof als attraktiver Ausgangspunkt für Tagesausflüge beworben werden, könnte die Gemeinde einen wichtigen Schritt in Richtung naturnahen und naturverträglichen Tourismus gehen. „Der öffentliche Personennahverkehr wird derzeit wenig promotet. Da wundert es nicht, dass viele mit dem Auto anreisen“, so Protze, die damit einen Nerv getroffen hatte. Schließlich wird besonders im Ort Dötlingen immer wieder das Verkehrs- und Parkproblem erörtert. Dass das Konzept den Radtourismus stärker in den Fokus rückt, stieß deshalb ebenso auf Wohlwollen wie der Vorschlag, Synergien zu schaffen – zum Beispiel zwischen Radwandern und Paddeln oder Sport und Kultur. Einbezogen werden könnten auch die Baudenkmäler.

Alles andere als ideal sind laut Protze die Öffnungszeiten. Die der Gastronomie seien nicht abgestimmt, sodass an manchen Tagen kaum etwas geöffnet habe. Andere Angebote seien nur eingeschränkt zugänglich oder nutzbar. Publiziert werde dies kaum und schon gar nicht gebündelt. „Wer Interesse hat, muss oft zum Telefonhörer greifen“, kritisierte die Fachfrau. Sie griff zudem das Thema Barrierefreiheit auf. Denn die meisten Touristen sind – wie die Befragung im Vorfeld zeigte – 50plus. Meist handele es sich um aktive Menschen. Aber auch Gäste mit körperlichen Einschränkungen sollten sich wohlfühlen. Daneben müsse sich die Gemeinde überlegen, ob sie auch andere Zielgruppen ansprechen möchte, zum Beispiel jüngere Generationen mit dem Thema Fitness und Wellness.

Der Schul- und Kulturausschuss hielt sich mit Äußerungen zu konkreten Maßnahmen erst einmal zurück. „Wir werden die vielschichtigen Vorschläge in den Parteien aufarbeiten“, sagte die Vorsitzende Anne-Marie Glowienka. Dies hielt auch Bürgermeister Ralf Spille für sinnvoll.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Einzelkritik: Kruse und Bartels noch nicht auf Betriebstemperatur 

Einzelkritik: Kruse und Bartels noch nicht auf Betriebstemperatur 

Mittelalter und Fantasy am Burghof Rethem

Mittelalter und Fantasy am Burghof Rethem

Meistgelesene Artikel

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Politesse: „Die Beleidigungen gehen oftmals unter die Gürtellinie“

Politesse: „Die Beleidigungen gehen oftmals unter die Gürtellinie“

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

50 Jahre Altenpflege aus Familienhand

50 Jahre Altenpflege aus Familienhand

Kommentare