Familie Schwarz richtet denkmalgeschützte Hofstelle am Grünen Weg wieder her / „Alte Schmiede erhalten“

Mit viel Fantasie und vereinten Kräften

Dr. Manfred Schwarz und seine Frau Irene vor dem Hauptgebäude. Anfang des Jahres hat die Familie die Hofstelle erworben, die mit Weiden und Ackerfläche rund 2,75 Hektar umfasst. - Foto: Schneider

Dötlingen - „Ist das nicht eine herrliche Aussicht?“ Manfred Schwarz lässt den Blick schweifen – über das Dötlinger Holz, die Weiden, die bis an die Straße „Zum Morgenland“ grenzen, den Schützenhof und das Heuerhaus. „Von der Lage dieses Grundstücks war ich sofort begeistert“, sagt der Dötlinger Arzt. Im Januar erwarb er die rund 3500 Quadratmeter große Hofstelle am Grünen Weg plus Weiden und Acker, die vielen Dötlingern bestens bekannt ist. Schließlich stehen auf dem Areal nicht nur ein Haupthaus, eine Remise, ehemalige Ställe und ein Backhaus, sondern auch die alte Schmiede.

Schwarz kramt einen Schlüssel aus seiner Tasche hervor. Kaum hat er die grüne Tür geöffnet, beginnt eine Zeitreise. Denn auch wenn in der Schmiede seit Jahrzehnten nicht mehr gearbeitet wird, ist sie noch voll eingerichtet. „Mal abgesehen von dem ganzen Staub und den Spinnweben sieht es aus, als hätte der Schmied gerade seinen Hammer auf dem Amboss abgelegt“, meint Schwarz. Überall steht Werkzeug, an der Wand hängen unzählige Hufeisen. „So viele, dass wir den ganzen Landkreis versorgen könnten“, scherzt der Dötlinger und öffnet eine Schatulle. Zum Vorscheinen kommen alte Quittungen. Sie sind etwas vergilbt, aber noch gut lesbar. Über den unebenen Boden geht es in den hinteren Bereich, wo der Blick auf zwei Kutschen fällt. Ein paar der Räder weisen kaum Gebrauchsspuren auf.

Auch nach Wochen entdeckt Schwarz hier immer noch etwas Neues. „In der Schmiede möchte ich eigentlich gar nichts anrühren“, sagt er. „Ich finde, sie sollte erhalten werden.“ Genau dies ist die Intention der Dötlingen Stiftung, die die Schmiede für die Öffentlichkeit zugänglich machen wollte und deshalb ebenfalls am Erwerb des Areals interessiert war. Den Zuschlag erhielt allerdings Schwarz. „Ich bin irgendwie zwischen die Bieter gerutscht“, erzählt er. „Ich habe aber schon mit Vertretern der Stiftung gesprochen und werde sicherlich auch weiter das Gespräch suchen. Mal sehen, was es für Möglichkeiten gibt.“

Das Haupthaus möchte der Dötlinger für Wohnzwecke herrichten. „Für unsere Tochter“, ergänzt er. Mitarbeiter des Monumentendienstes haben es bereits in Augenschein genommen und eine To-Do-Liste erstellt. „Glücklicherweise ist die Substanz gar nicht mal so schlecht“, freut sich Schwarz. Die Fenster seien beispielsweise noch in einem relativ guten Zustand und müssten nur gestrichen werden, am Reetdach und vor allem den dortigen Luken besteht Ausbesserungsbedarf. Bei allen Arbeiten sind die Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten.

Das Gebäude enthält neben einer rund 80 Quadratmeter großen Wohnung, die bis November sogar noch bewohnt war, auch eine Diele mit ehemaligen Schweineställen, einem „Original-Donnerbalken“ und jeder Menge Utensilien, die anno dazumal so benötigt wurden – Milchkannen, Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte. „Die haben wir überall auf dem Gelände gefunden“, sagt Schwarz. „Wahrscheinlich werden wir mal einen Hof-Flohmarkt veranstalten.“ Angeboten werden könnten dann unter anderem ein alter Pflug, ein Kartoffelroder oder auch ein Bottich. „Das ist der Thermomix von damals“, scherzt Schwarz. „Da wurde Wäsche drin gewaschen, eingeweckt und Fleisch zubereitet.“ Nach und nach gewährt er einen Blick in die unterschiedlichen Gebäude, öffnet die Türen der ehemaligen Ställe. Es geht vorbei am kleinen Backhaus, dass die Familie gerne wieder in Betrieb nehmen möchte, zur Rückseite der Schmiede. Die nächste grüne Tür knarzt. „Hereinspaziert, in den Dötlinger Eisenwarenladen“, meint Schwarz mit Blick auf die vielen Nägel und Schrauben, die in kleinen Pappkartons in den Regalen lagern.

Wieder im Freien fällt der Blick auf den Giebel des Haupthauses. 1789 steht dort. „Ich nehme an, dass das Gebäude auch aus diesem Jahr stammt“, so der Arzt. Die im Inneren befindliche Wohnung wurde in der jetzigen Form später eingerichtet. Mit vereinten Kräften hat Familie Schwarz bereits mächtig entrümpelt und auch Tapeten entfernt. Ganz in Eigenregie kann sie den Umbau kaum stemmen. „Wir werden uns schon an eine Baufirma wenden“, sagt Schwarz und schreitet über den welligen Holzboden in Richtung Küche. In einer Ecke des Raumes führen schmale Holzstufen steil nach unten in die Dunkelheit. „Achtung, Kopf einziehen“, warnt der Dötlinger, der nun ins Gewölbe entführt. „Auch hier haben wir ordentlich aufgeräumt“, erzählt er.

Fleißig waren Familie und Freunde zudem auf dem Gelände. Überall fanden sich Schutt, Erdreich, Laub und Gestrüpp. „Rund einen Meter hoch aufgetürmt, sodass wir einige der Gebäudetüren gar nicht öffnen konnten. Gut zehn Anhänger voll haben wir bereits abtransportiert“, berichtet Schwarz. Auch einige Räume im Haupthaus waren vor der Entrümpelungs-Aktion kaum zugänglich. „Wir brauchten viel Fantasie, aber mittlerweile haben wir schon eine gute Vorstellung, wie es hier mal aussehen könnte“, ergänzt seine Frau Irene Schwarz, die den Spaziergang mit dem Hund für einen Abstecher zur Hofstelle nutzt. „Am Samstag haben wir hier richtig geschuftet. Einige Bäume mussten weichen“, verrät sie. Die Arbeit hat sich gelohnt. Nun ist der Blick frei – auf die Weiden, den Schützenhof und das Heuerhaus. Den Garten legt die Dötlingerin in Gedanken bereits an. Mit dem Imker Götz Neuber haben Schwarzes schon über eine Blühfläche sowie Bienenweidegehölze gesprochen. Erst einmal stehen aber noch ein paar Wochenend-Schichten auf dem Programm. „Da bin ich froh, dass wir so eine schlagkräftige Gruppe sind“, meint Manfred Schwarz.

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