Unterwegs im Elektroauto eines Aschenstedters/Umbau von Zapfsäulen

Geräuschlos über den Asphalt

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Gemeinsam mit Carsten Hünecke (r.) baut der Aschenstedter Roland Klose eine Zapfsäule zur Ladestation um.

Aschenstedt - Von Tanja Schneider. Ich drücke auf den Startknopf neben dem Lenkrad – und höre nichts. „Doch, der Wagen ist an“, versichert der Aschenstedter Roland Klose, als er meinen fragenden Gesichtsausdruck bemerkt und lässt die Fensterscheiben hinunter. Trotzdem muss ich aufmerksam lauschen, um das leise Surren zu vernehmen. Von meinem Auto bin ich eine ganz andere Geräuschkulisse gewohnt. Klose nickt zufrieden. 1:0 für das Elektroauto. Seit einem knappen Jahr fährt der Aschenstedter seinen Renault Zoe – und das mit großer Überzeugung. Kritik, zum Beispiel an der geringen Reichweite, begegnet er mit Online-Berichten wie über seine Fahrt von Dötlingen nach Österreich und zurück.

„Natürlich muss ich bei solchen Reisen öfter eine Ladestation ansteuern als damals mit meinem Diesel eine Zapfsäule“, erzählt er, während ich seinen Wagen geräuschlos, aber ansonsten mit „stinknormalem“ Fahrgefühl über die Altona-Kreuzung in Richtung A1-Raststätte lenke. 140 Kilometer am Stück seien drin, wenn der Renault voll aufgeladen ist. Rund 5370 Ladestellen gebe es derzeit in Deutschland – „und es werden täglich mehr“, berichtet Carsten Hünecke, der übrigens auch in dem Viersitzer mitfährt. „Wenn man weiß, wo man laden kann, sind längere Strecken kein Problem“, meint der Bremer, der Klose während seiner Reise nach Österreich begleitet hat.

Langsam nähern wir uns unserem Ziel. „Da vorne“, zeigt Klose auf die weiße Säule. Kaum stehen wir, springt er vom Beifahrersitz und kramt das Ladekabel vor. „So ein Mist, das ist nun der Vorführ-Effekt“, ärgert er sich beim Blick auf die Ladestation. „Außer Betrieb“ steht dort. „Das habe ich hier noch nie erlebt. Dann eben auf die andere Seite“, nimmt er es gelassen, und alle steigen wieder ein. Von der Rastanlage-Nord geht es über die Autobahnbrücke zur Südseite – und dort erwartet den Elektroauto-Fahrer das nächste Hindernis. Vor der Ladesäule steht ein Benziner. „Das kommt leider häufig vor“, wissen Klose und Hünecke aus Erfahrung. Ein freundlicher Hinweis, und der andere Fahrer parkt um. Seine Begleiterin schaut interessiert zu, wie Klose den Renault „anstöpselt“. „Wie lange dauert es, bis er aufgeladen ist?“, will sie wissen. „Einen Kaffee und eine Bratwurst lang“, antwortet Hünecke. In Minuten sind das 30, denn der Wagen des Aschenstedters hat eine Schnellladung. „Es gibt auch Autos, bei denen dauert es bis zu neun Stunden. Da lädt man am besten über Nacht“, sagt Klose, während wir auf der Anzeige seines Zoes den aktuellen Ladestatus beobachten. „Sie zeigt auch die restliche Reichweite an, das ist sehr praktisch“, meint er. Die Batterie, die übrigens nur gemietet ist, erreicht 100 Prozent. Wir steigen wieder ins Auto und fahren weiter. Bezahlt haben wir nichts. „Das wäre ein bisschen albern. In den Wagen gehen 20 Kilowatt, das entspricht nur fünf Euro“, so Klose. In Zeiten steigender Spritpreise ein dicker Pluspunkt für das Elektroauto. Dieses hat übrigens einen Neupreis von gut 20000 Euro. „In Frankreich oder auch Österreich sind Elektroautos günstiger, weil es eine Förderung gibt“, weiß er.

Nächste Station ist der Jasminweg in Aschenstedt. Vor Kloses Haus parkt der Renault Twizy von Hünecke. „Mein Zweit-Elektroauto“, meint der Bremer beim Anblick des imposanten Zweisitzers, in dem die Insassen hintereinander Platz nehmen. Natürlich hängt der Wagen gerade an Kloses Ladepunkt, den er an der Hauswand angebracht hat. „Hier kann jeder sein Auto anschließen“, erzählt der Aschenstedter. „Damit er funktioniert, braucht man ihn nur anzurufen.“ Nach der Ladung ruft er zurück – mit der Meldung, das er fertig ist und mit wie viel Kilowatt das Fahrzeug nun beladen wurde. „Jeder, der Elektroauto fährt, stellt eigentlich auch einen Ladepunkt zur Verfügung“, informiert Hünecke, der mit Klose nicht nur Testfahrten unternimmt, sondern auch alte Zapfsäulen zu Stromladepunkten umbaut. Den ersten haben sie im Mai fertiggestellt. „Wir nehmen sie mit auf Messen oder Events wie jetzt im Juni das Hamburger E-Mobil-Treffen“, so Hünecke, der die Zapfsäule einst erworben hatte, um sein damaliges Auto mit Speiseöl zu versorgen. Dann kam die Steuer auf Pflanzenöl und für Hünecke ein Auto mit anderem Antrieb. „Die Säule stand jahrelang nur rum, bis Roland auf die Idee kam, sie umzubauen.“

Derzeit haben die beiden die zweite Zapfsäule in der Mangel. Die Einzelteile sind verstreut in Aschenstedt und Bremen. „Das Schlimmste ist das Reinigen“, informiert Klose. „Alles klebt und ist schmierig.“ Momentan tüftelt er an der Anzeige, auf der bald statt DM und Liter Euro und Kilowattstunden stehen sollen. Über die einzelnen Schritte des Umbaus informiert Klose auf seiner Internetseite.

Dort ist unter anderem auch der Bericht zur Österreich-Tour zu finden. „Zugegeben, am Anfang war ich skeptisch. Schließlich wollten wir insgesamt 2500 Kilometer zurücklegen. Aber es hat gut funktioniert“, betont Hünecke. „Es war eine traumhafte Tour, und wir haben unterwegs viele nette Leute kennengelernt.“ Da das Duo regelmäßig Pausen zum Laden von Kloses Zoe einlegen musste, sei die Reise sehr entspannt gewesen. „Die Ladezeiten haben wir genutzt, um zu frühstücken, Mails zu checken und was man sonst so macht“, sagt der Aschenstedter. Neben dem Zoe-Treffen in Österreich hat die beiden vor allem das Verhalten des Wagens in den Bergen begeistert. „Rauf haben wir zwar einiges verbraucht, das gab es beim Runterrollen aber zurück“, verweist Hünecke auf die Energierückgewinnung, ehe er an sein klingelndes Handy geht. Am anderen Ende ist Kloses Ladepunkt. Der Twizy ist aufgeladen. „Dann kann es ja losgehen“, sagt der Bremer und öffnet mir die Flügeltür. Dass auf den Rücksitz drei Kisten Bier passen, wie er versichert, kann ich kaum glauben. Ich sitze schon etwas beengt. Für den kurzen Weg zurück in die Redaktion ist aber auch dies mehr als passabel.

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