Treffen der Arbeitsgruppe „Integration“/Bis zu 40 weitere Asylsuchende

Patenschaftsmodell für Flüchtlinge funktioniert

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Zum Austausch und zur Planung weiterer Hilfen traf sich nun die Arbeitsgruppe „Integration“.

Neerstedt - Äußerst aktiv bringen sich viele Dötlinger ehrenamtlich ein, um die Flüchtlinge in der Gemeinde willkommen zu heißen und ihnen bei der Orientierung sowie alltäglichen Problemen zur Seite zu stehen. Sie begleiten die Asylsuchenden als Paten, helfen bei der Einrichtung von Wohnraum und bei nötigen Reparaturen. Sie organisieren Sachspenden und Kennenlern-Feste, regelmäßige Treffen und Sprachkurse – derzeit für 56 Flüchtlinge. In den kommenden Monaten werden bis zu 40 weitere folgen.

Am Donnerstagabend trafen sich deshalb die 35 Mitglieder der Arbeitsgruppe „Integration“ unter der Leitung von Pfarrerin Susanne Schymanitz und Sozialamtsleiterin Elke Brunotte zu einem Austausch und zu weiteren Planungen. Auch die Sportvereine wurden zur aktiven Integration mit ins Boot geholt.

Die aktuell 56 in der Gemeinde lebenden Flüchtlinge stammen aus dem Sudan, Pakistan, Albanien, Mazedonien, Serbien und Syrien. Nach neuen Zahlen, die das Land Niedersachsen am Donnerstagnachmittag mitgeteilt hat, belaufen sich die Hochrechnungen für die Gemeinde Dötlingen bezüglich der Aufnahme weiterer Asylsuchender in den kommenden Monaten auf 35 bis 40 Personen.

„Unter den 56 Flüchtlingen befinden sich 19 Kinder im Alter von 0 bis 17 Jahren“, sagte Timo Nesemann, Mitarbeiter im Sozialamt. „Das reicht wirklich vom Neugeborenen über Kindergartenkinder und Schüler bis hin zum Berufsschüler.“ Unter den Einwohnern Dötlingens machten die Flüchtlinge jedoch nur einen „kleinen, überschaubaren Teil“ aus – nämlich 0,82 Prozent.

Diese profitieren derzeit von dem Patenschaftsmodell, das die Gemeinde mithilfe vieler Ehrenamtlicher eingerichtet hat. Von den acht Häusern, in denen zurzeit Asylsuchende untergebracht sind, werden sieben durch Paten betreut. „Die Unterkunft an der Hauptstraße in Neerstedt ist so nah am Rathaus, dass wir dort die Betreuung selbst übernehmen können“, so Nesemann.

Auch Pastor Manfred Rose und seine Frau Ingrid engagieren sich als Paten. Wie Brunotte riet auch Manfred Rose den Ehrenamtlichen: „Wir fragen nicht, warum die Menschen, die wir begleiten, hier sind und aus welcher Situation sie kommen – es sei denn, sie erzählen es uns selbst. Ob und wie sie bleiben, können wir nicht entscheiden.“

Tatsächlich werden von den Paten noch mehr Personen als die aktuell 56 Asylsuchenden betreut. „Unsere Begleitung endet nicht einfach mit dem Aufenthaltsstatus“, erklärte Brunotte. „Auch wenn das Verfahren der Flüchtlinge durch ist und sie anerkannt sind, benötigen sie weiter Orientierungshilfe.“ Sie reiche von der Unterstützung bei Behördengängen und Arztbesuchen bis hin zu Fragen und Materialbereitstellung für die Instandhaltung von Haus und Garten. Tipps und Anmeldungen zu Integrationsmöglichkeiten gehören ebenso dazu wie die Unterstützung der Mobilität – zum Beispiel durch Fahrräder. „Die Ehrenamtlichen sind bei allem, was sie für und mit den Flüchtlingen unternehmen, versichert“, betonte Brunotte.

Sprachkurse werden über den Landkreis in der Volkshochschule Wildeshausen angeboten. „In Dötlingen haben sich zusätzlich zwei Freiwillige gefunden, die hier vor Ort Sprachkenntnisse vermitteln möchten“, freute sich Brunotte. Weiterhin seien ein Herbstfest für Dötlinger und Flüchtlinge sowie eine „Nähstube“ als regelmäßiger Treffpunkt für Frauen geplant. Aktive Integration wird auch im TV Brettorf und bei der Feuerwehr Neerstedt gelebt. Eine Gruppe der Feuerwehr, die sich regelmäßig einmal in der Woche zum Sport trifft, hat interessierte Flüchtlinge eingeladen, mitzumachen. „Die Jungs waren sofort Feuer und Flamme“, berichtete Brunotte. „Demnächst sind Kennenlern-Treffen bei den Sportvereinen in Dötlingen und Neerstedt geplant.“

Wie Adam Tirnna, Integrationshelfer der Gemeinde Dötlingen, mitteilte, seien die Flüchtlinge ebenfalls bereit, sich vor Ort aktiv einzubringen. „Sie suchen sogar danach, sich freiwillig zu engagieren – zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Bei der DRK-Kleiderkammer in Wildeshausen helfen zum Beispiel auch schon einige Dötlinger Flüchtlinge mit“, berichtete Tirnna.

Wer Wohnraum für Asylsuchende zur Verfügung stellen möchte, meldet sich bei Bernd Brandes von der Gemeinde unter Telefon 04432/950114. Für Spenden – unter anderem werden Möbel, Geschirr, Hausrat, Wäsche, Fahrräder und Spielzeug benötigt – sind Andrea Leberecht (Tel. 04432/950138) und Ina Schäfer (Tel. 04432/950135) die Ansprechpartner.

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