Flüchtling aus dem Irak nimmt an Theo Leijdekkers‘ Malkurs teil

Die Traurigkeit hinter den Kulissen

Lehrer und Schüler: Theo Leijdekkers und Mahmud Abd Al Wahab während des Kurses in der Müller-vom-Siel-Kate. - Foto: Nosthoff

Dötlingen - Von Anja Nosthoff. Konzentriert blickt Mahmud Abd Al Wahab auf seine Bleistiftskizze. Die Blumen in der kaputten Vase, die allesamt bereits traurig ihre Köpfe hängen lassen, will er nun mit Pinsel und Ölfarbe auf die Leinwand bringen.

Die Dötlingen-Stiftung hat für den Flüchtling aus dem Irak zwei Sponsoren gefunden, die ihm am Wochenende die Teilnahme am Malkurs mit Theo Leijdekkers in der Dötlinger Müller-vom-Siel-Kate ermöglicht haben. Der niederländische Leijdekkers aus der Dötlinger Partnergemeinde De Marne gab den Teilnehmern dabei Tipps und Ratschläge rund um die Ölmalerei.

Auf das Talent von Abd Al Wahab war die Dötlingen-Stiftung durch Zufall gestoßen. „Für Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung hatte Mahmud als Dankeschön Bilder gemalt. So wurden wir auf ihn aufmerksam“, berichtete Thea Freiberg von der Stiftung.

Im Kurs bei Leijdekkers war der Iraker der einzige Teilnehmer, der nach einer eigenen Skizze arbeitete. Die meisten Malschüler – oder besser gesagt Malschülerinnen – hatten ein farbiges Foto als Vorlage ausgewählt. Allein dem einzigen weiteren männlichen Schüler neben Abd Al Wahab standen prachtvolle echte Blüten in einer Vase Modell.

Wer Abd Al Wahab bei der Arbeit beobachtete, den lächelte er freundlich an. Traurigkeit war ihm nicht anzumerken. Doch wer seine Skizzen betrachtete, der bekam einen Blick hinter die Kulissen in sein Seelenleben. Malschülerin Ilsemarie May aus Thedinghausen zeigte auf sein Bild: „Das sind Scherben, oder Mahmud?“ Abd Al Wahab nickte. „Kaputt, nicht schön, traurig“, erklärte er stockend, aber gestenreich und wischte den Ernst der Worte mit einem Lachen weg. Der Iraker lebt seit eineinhalb Jahren in Deutschland, seine Familie musste er jedoch zurücklassen.

Bereitwillig holte Abd Al Wahab weitere Bleistiftskizzen aus seinem Rucksack und zeigte sie. „Meine Oma und meine kranke Tochter, die oft nicht schlafen kann“, erläuterte er ein Bild, auf dem eine Frau mit Kopftuch einem Mädchen, das unter einer Decke liegt, über den Kopf streicht.

Auch ein Porträt seiner Gattin präsentierte er. „Das ist meine Frau – nicht ganz, aber ein bisschen“, sagte Abd Al Wahab lachend – er blieb stets auf eine humorvolle und sympathische Art bescheiden.

Sehr berührend wirkt das Bild. Die Frau hat ein schönes Gesicht, die eine Hälfte ist von den langen Haaren komplett verdeckt, sie lächelt nicht, der Blick aus dem großen, runden Auge ist ernst und durchdringend.

In seiner Heimat habe er wenn, dann nur zu Hause gemalt, erklärte Abd Al Wahab. Ein Seminar oder dergleichen habe er nie besucht. In Leijdekkers‘ Kurs legte er zum ersten Mal in seinem Leben beim Malen den Bleistift beiseite und nahm einen Pinsel in die Hand.

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