Acht der gefährdeten Vögel in Höhlenbrüterkästen 

Trauerschnäppermeile in Dötlingen ein Erfolg

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Die Trauerschnäppermeile beinhaltet 42 Nistkästen. Noch in diesem Jahr will man laut Zerhusen einen Antrag auf Erweiterung des Projektes um 82 weitere „Häuschen“ stellen.

Dötlingen - Von Alina Pleuß. Gut versteckt zwischen Laub- und Nadelbäumen fallen sie den Spaziergängern entlang des Jade-Wanderweges zwischen Dötlingen Busch und der Ortschaft nicht direkt ins Auge: Auf einer Strecke von rund 1300 Metern sind im März 42 Nistkästen für Trauerschnäpper von Projektleiter Willy Zerhusen und der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen befestigt worden. Ende Oktober wurden die Kästen nun kontrolliert. Die Ergebnisse der Zählung und Gründe für das Projekt erläuterte Zerhusen am Donnerstag.

„Die Trauerschnäpper kehren nach dem Winter im Vergleich zu anderen Vögeln relativ spät zurück, weshalb die meisten Nistplätze bereits belegt sind“, so Zerhusen. Die Tiere gelten bundesweit als gefährdet. Privat hatte der Projektleiter schon rund 100 Nistkästen aufgehängt. Auf die Idee, diese Initiative auszuweiten kam er durch Zufall: „Im Rahmen des Ausbaus der Autobahnraststätte in Dötlingen wurden Untersuchungen im Umfeld durchgeführt. Dabei stellte man fest, dass dort extrem viele Brutpaare des Trauerschnäppers vorkommen.“ Zurückzuführen war dies laut Zerhusen auf seine aufgehängten Kästen. „Damals habe ich mich gefragt, warum der Bestand so hoch ist. Dann kam ich darauf.“ Denn anders als allgemein praktiziert, hatte er die „Häuschen“ in Dreiergruppen platziert. „Normalerweise ist der Abstand wesentlich größer. Aber mit der gewonnenen Nähe nutzen wir das Revierverhalten der Meisen aus“, so Zerhusen. Er erklärte das Prinzip wie folgt: Die Meisen kehren früher als die Trauerschnäpper zurück und belegen eine Vielzahl der Nistplätze. „Blau- und Kohlmeisen dulden keine gleichartigen Meisen in ihrem Revier. Wohl aber andere Vogelarten.“ Wenn sie also zwei der „Häuschen“ besetzen, sorgen sie dafür, dass keine andere Meise den dritten Kasten aufsucht. Dieser stünde dann revierbedingt für andere Höhlenbrüter zur Verfügung.

Willy Zerhusen

Bereits im April hatte Zerhusen erste Trauerschnäpper in der Nähe der Kästen gesichtet und gehört. Nach der Kontrolle stellte er nun fest: Von den 42 „Häuschen“ waren 37 besetzt. Acht davon konnten dem Trauerschnäpper zugeordnet werden, 30 bewohnten Meisen und fünf Nester konnten nicht mehr identifiziert werden. „Das ist eine gute Bilanz“, resümiert er.

Ihm persönlich sei es wichtig, dass auch die Bevölkerung erkennt, dass sie helfen kann. „Jeder kann bei sich Nistkästen aufhängen. Wichtig ist nur, dass die Höhlenbrüterkästen eine Öffnung von mindestens 32 Millimetern Durchmesser haben“, so Zerhusen. Dadurch können nicht nur die Meisen, sondern auch die etwas größeren Trauerschnäpper darin Platz finden. Erwerben könne man diese überall in Baumärkten. Die „Häuschen“ am Jade-Wanderweg sind aus Holzbeton. Sie wurden von der Bingo-Umweltstiftung finanziert.

Wie Zerhusen berichtete, will man in diesem Jahr noch einen Antrag auf Erweiterung stellen: „82 weitere Nistkästen wollen wir in dem Projektgebiet Anfang 2018 aufhängen.“ Der Initiator hofft auf eine erneute finanzielle Unterstützung durch die Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen.

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