Tierische Naturschützer

Dötlinger Grüne und Interessierte besuchen Schäfer Koert Nijboer in Neerstedt

Hören dem Schäfer Koert Nijboer (3.v.l.) zu: die Dötlinger Grünen sowie Interessierte.
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Hören dem Schäfer Koert Nijboer (3.v.l.) zu: die Dötlinger Grünen sowie Interessierte.

Neerstedt/Dötlingen – Das, was er tut, mache ihn glücklich, sagt Koert Nijboer. Und das ist ihm anzusehen. Am Donnerstagabend gab der Schäfer aus Wildeshausen interessierten Gästen, der Bürgermeisterkandidatin Antje Oltmanns und den Dötlinger Grünen draußen an der frischen Luft einen Einblick in seine Arbeit mit den Tieren. Die Grünen hatten im Rahmen ihrer ökologischen Ferienaktion zu dem Termin unter dem Titel „Landwirtschaft – Landschaftspflege – Regionale Vermarktung“ eingeladen.

Seit 2011 weiden die Herden von Nijboer auf einer Fläche von etwa 40 Hektar in der Gemeinde Dötlingen. Insgesamt zählt er 300 Schafe der Rasse Goldfuchs. Knapp 200 Tiere grasen auf dem Gelände der Fachklinik in Neerstedt.

Schäfer lebt seit 1984 in Wildeshausen

Der Schäfer lebt seit 1984 in Wildeshausen und stammt aus einer holländischen landwirtschaftlichen Familie. Die erste Zeit habe er jedoch etwas anderes gemacht und als „Key Account Manager“ gearbeitet. 2009 war er für anderthalb Jahre im Krankenhaus. „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und überlegt: Was machst du eigentlich in deinem Leben? Es ist doch sinnlos, was du da machst“, erzählte der 62-Jährige.

Von 2006 bis 2011 unternahm er Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem, um sein persönliches Verhältnis zur Religion zu festigen. Während seiner Wanderungen war er für 14 Tage zu Gast bei einem Scheich auf Zypern. Dessen Schäfer und die Tiere habe er in die Berge begleitet. „Da habe ich gedacht: Das ist es. Das passt zu mir.“

Mäh! Rund 200 Schafe weiden in Neerstedt.

Sein Idealismus sei es, Naturschutz zu betreiben. „Mein Steckenpferd ist die Biodiversität. Die Natur sollte die Chance bekommen, zu überleben“, so der Schäfer. Nijboers Herden trügen dazu bei, dass die Landschaft ihre Gestalt behalte, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen. Das sei ein erheblicher Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und damit auch zum Naturschutz.

Schafe bekommen Pediküre

Zudem erzählte er etwas über die Pflege der Tiere. Einmal im Jahr bekämen die Schafe eine Pediküre. Das mache der Schäfer selbst, das Scheren übernehme jemand anderes. „Heutzutage ist Wolle fast wertlos. Für ein Kilogramm bekommt man fünf Cent und das Scheren kostet pro Schaf drei Euro. Es ist eine rein medizinische Behandlung.“ Die Schäferei sei nicht lukrativ, aber darum gehe es ihm auch nicht, sondern darum, das zu machen, was er machen möchte. Die Produkte der Schäferei sind biozertifiziert und werden regional vermarktet. Die Lämmer werden in einer Bioschlachterei geschlachtet. Das Fleisch werde zerlegt und vakuumiert. Es kann tiefgefroren bei ihm erworben werden oder es werde per City-Post in einer Thermobox verschickt, so Nijboer. „Die Saison ist für mich von Weihnachten bis Ostern. Da verkaufe ich dreiviertel meiner Produkte – auch an Gastronomen.“ Als Beispiel nennt der 62-Jährige das Alte Amtshaus in Wildeshausen sowie den Lopshof in Dötlingen.

Während der Veranstaltung kam auch kurz das Thema Wolf zur Sprache. Seit vergangenem Jahr wird die Weide in Neerstedt von einem 1,20 Meter hohen Wolfszaun eingefasst, um das Tier vom Reißen der Schafe abzuhalten. „Seit ein paar Jahren schon haben wir den Wolf“, so der Schäfer. Was er davon halte, dass er sich ansiedelt, wollte Ratsherr Dirk Orth wissen. „Ich denke, dass er hier heimisch ist und hierher gehört. Wir haben mehr Wild als genug. Aber ich kann es leicht sagen, weil ich noch keinen Übergriff hatte“, sagte Nijboer dazu. Die Schafe leben übrigens das ganze Jahr über draußen, einen Stall gibt es nicht. „Die können das ab“, weiß der 62-Jährige. Im Winter bekämen sie Heu als Futter.

Von der Schafweide ging es dann weiter zu den Rindern. Vor fünf Monaten hat sich Nijboer fünf Welsh-Black-Rinder sowie ein rotes Angus Rind gekauft. Die Herde möchte er in Zukunft noch vergrößern.

Am Mittwoch, 1. September, wollen die Grünen um 18 Uhr den Hof von Meike Stüber und Ralf Osterloh in Klattenhof besuchen.  

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