„Das Thema ist viel zu lange verpennt worden“

Grüne und Gäste diskutieren über Tierhaltung, ihre Steuerung und Wasserschutz

+
Die Nitratwerte sind auch im Landkreis Oldenburg stellenweise zu hoch. Auf Einladung von Bündnis90/DieGrünen wurde am Donnerstagabend über die Steuerung von Tierhaltungsanlagen und die Auswirkungen auf den Grundwasserschutz diskutiert. 

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Rund fünf Jahre ist es her, dass sich die Gemeinde Dötlingen in Sachen „Steuerung von Tierhaltungsanlagen“ auf den Weg gemacht hat. Derzeit befindet sich der Entwurf für den Bebauungsplan in der öffentlichen Auslegung. Zweifel an dem Vorhaben hat die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen. Ihre Fragestellung für eine Vortragsveranstaltung, die am Donnerstagabend Politiker, Naturschützer, Gegner von Massentierhaltung und Landwirte gleichermaßen ins Landhotel lockte, lautete deshalb „Steuerung von Tierhaltungsanlagen und Grundwasserschutz – wie hängt das zusammen?“.

Eine Verbindung zwischen der Landwirtschaft und der Nitratbelastung des Grundwassers stellte niemand infrage. Gastredner Peter Meiwald, umweltpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen und Kandidat für den Wahlkreis Oldenburg-Ammerland, wollte den „Schwarzen Peter“ aber nicht allein den in der Agrarwirtschaft Tätigen in die Schuhe schieben. Schon sein T-Shirt mit der Aufschrift „Mein Fleisch ist mir nicht Wurst“ verriet, in welche Richtung es gehen sollte. „Ziel muss es sein, dass wir uns alle Gedanken über unsere Ernährung machen“, sagte Meiwald. Dabei plädierte er nicht unbedingt für einen Fleischverzicht, sondern für eine bewusstere Auseinandersetzung mit Lebensmitteln. „Sie müssen eine andere Wertschätzung erfahren“, sagte er. Der Verbraucher müsse bereit sein, einen angemessenen Preis zu bezahlen, damit der Landwirt „Tierhaltung betreiben kann, die zu unseren Flächen passt und davon auch noch vernünftig leben beziehungsweise seine Familie ernähren kann“.

Sich hinter dem Billigfleisch kaufenden Konsumenten zu verstecken, sei aber zu einfach. „Wir, die Politiker, müssen handeln und die Rahmenbedingungen so verändern, dass sich wertige Produkte durchsetzen“, sagte Meiwald, der sich zum einen für eine deutliche Kennzeichnung von Lebensmitteln aussprach und zum anderen für eine Novelle des Baurechtes plädierte.

Wie die Steuerung von Tierhaltungsanlagen baurechtlich aussieht, erläuterte Uwe Behrens vom Bündnis „MUT“ (Mensch, Umwelt, Tier) den Zuhörern. Um eine weitere Zersiedelung der Landschaft zu verhindern und die Entwicklung von Ortschaften zu sichern, hatte die Gemeinde Dötlingen das Vorhaben in Angriff genommen. Es betrifft 91 landwirtschaftliche Betriebe, deren Bestandsflächen im Plan gekennzeichnet sind. Zudem hatten 45 Landwirte während einer Befragung angegeben, sich eine eventuelle Erweiterung vorstellen zu können. Hierfür sind Entwicklungsflächen, meist direkt am Hof, vorgesehen. Nur auf diesen ausgewiesenen Arealen wären dann noch Stallbauten möglich. Knapp 20 der Betriebe würden den Plänen nach bei einer Erweiterung aber zu groß, um noch privilegiert zu sein und müssten dann wiederum eine Bebauungsplan-Änderung beantragen.

Bauchschmerzen bereitet dem Bündnis laut Behrens, dass gewerbliche Betriebe, die unter die UVP-Schwelle (Umweltverträglichkeitsprüfung) fallen, privilegiert sind. „Da sie keiner Futterflächenbindung unterliegen, ist es aus unserer Sicht einfacher, eine solche Anlage zu betreiben“, so Behrens. „Dies bedeutet aber die Ausrottung der landwirtschaftlichen Ställe.“ Das Bündnis befürchtet eine Steigerung der Tierzahlen, damit größere Mengen an Gülle und wiederum höhere Nitratwerte.

Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter Grundwasser. Nach Auskunft von Eduard Hüsers, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, wurde er 2016 in 29 der 50 Brunnen des Landkreises Oldenburg überschritten. Die Werte für dieses Jahr würden im Herbst erwartet. Meiwald meint, dass „die Region eine weitere Zunahme des Tierbesatzes nicht verkraftet“. Deshalb müssten Anreize zur Reduzierung geschaffen werden. „Wir müssen gegensteuern“, sagte der Abgeordnete mit Blick auf die Grundwasserbelastung. Das Thema sei viel zu lange „verpennt worden“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Meistgelesene Artikel

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Kommentare