Familie Bötefür startet neues Auswanderer-Abenteuer

Texas ist passé, nun geht es an den Achensee

Auch wenn es auf diesem Bild so scheint – pudelwohl haben sich Thomas, Michaela, Tim und Mark Bötefür (v.l.) in Texas nicht gefühlt. Die Dötlinger haben Sulphur Springs deshalb verlassen und machen derzeit Heimat-Urlaub im Golddorf.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Schweren Herzens trennte sich die Familie Bötefür vor knapp anderthalb Jahren vom Dötlinger Schützenhof und wanderte in die USA aus. Ihr Glück hat sie in Sulphur Springs in Texas allerdings nicht gefunden. „Es war ein Erlebnis, aber die kulturellen Unterschiede waren einfach zu groß“, berichten Michaela und Thomas Bötefür nun im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit ihren beiden Söhnen Tim und Mark machen sie derzeit Urlaub in Dötlingen, feiern ein Wiedersehen mit Angehörigen und Freunden, ehe sie sich am Sonntag auf den Weg in ein neues Abenteuer begeben: Nächste Station ist Österreich, wo das Paar in einem Wellnesshotel am Achensee arbeiten wird – er als Koch, sie an der Rezeption.

„Ich freue mich schon sehr auf die Berge und die frische Luft“, sagt Michaela Bötefür. Ihr Mann Thomas sehnt die Zusammenarbeit mit Profis und gutes Essen herbei. Letzteres sei in Texas – wenn man es nicht selbst zubereitet hat – eher Mangelware gewesen. „Dafür gab es Unmengen an Burger-Ketten“, erzählen sie. In Sulphur Springs, das etwa so groß ist wie Wildeshausen, arbeitete das Paar ab März 2016 im neu eröffneten Restaurant des deutschen Auswanderers Werner Bösel. Anfangs lief alles gut. „Es war natürlich aufregend, und die Texaner sind speziell, aber sehr nett, hilfsbereit und herzlich“, erinnern sich Bötefürs. Das Arbeiten war angenehm, die Söhne kamen in der Schule gut zurecht.

An so manche Gepflogenheiten in Texas konnte sich die Familie aber einfach nicht gewöhnen. „Wir sind halt keine Pick-up- und Waffenfans. Wir wollen auch mal etwas Gesundes essen und mögen im Restaurant richtiges Geschirr statt Plastik“, sagen sie. Dass morgens in der Schule ein Treueschwur geleistet wird, auf dem Marktplatz rund um die Uhr Country-Musik läuft und Autos auch bei längerer Abwesenheit wegen der kühlenden Klimaanlage angelassen werden, war für sie ebenso befremdlich wie die Euphorie um Donald Trump und die Lokalnachrichten im Radio, bei denen nicht nur Verkehrssünder namentlich genannt werden.

Zu den großen kulturellen Unterschieden gesellte sich bald Unzufriedenheit – vor allem wegen der finanziellen Situation. „Ich habe in den USA nur den Mindestlohn verdient – 3,50 Dollar plus Trinkgeld, für Thomas gab es 7,50 Dollar die Stunde“, erzählt Michaela Bötefür. „Wir hatten Verständnis dafür, dass Werner das Restaurant erst zum Laufen bringen wollte, aber langfristig funktionierte das nicht.“

„USA ereignisreich, aber nicht besser“

Als die Familie dann auch noch um Urlaubstage, die letztlich in Las Vegas, LA und am Grand Canyon verbracht wurden, kämpfen musste, kam sie ins Grübeln. „Wir haben irgendwann Bilanz gezogen, ob das Leben in Texas wirklich besser ist“, berichten die Dötlinger. Die Antwort lautete „Nein“, auch wenn es ereignisreicher und entspannter gewesen sei.

Die Familie beschloss, das Amerika-Abenteuer nach dem Schuljahr frühzeitig zu beenden. „Ursprünglich wollten wir ja zwei bis maximal fünf Jahre bleiben“, erzählen Bötefürs. Noch in Texas sichteten sie die Stellenausschreibungen im Internet, schickten Bewerbungen los und wurden fündig. Das Verwöhnhotel Kristall benötigte nicht nur einen Koch, sondern auch Unterstützung an der Rezeption. „Wir hätten auch in Niedersachsen etwas kriegen können. Aber irgendwie bekommt man die Insolvenz hier doch immer aufs Brot geschmiert, auch wenn es ungewollt geschieht“, so Michaela Bötefür. Wegen ihrer Vorgeschichte hatte das Paar auch ein etwas mulmiges Gefühl bei der Rückkehr nach Dötlingen. „Es hat sich aber nicht bestätigt“, ist Thomas Bötefür erleichtert. Derzeit stehen Besuche bei Familienangehörigen und Bekannten an. „Und die Jungs freuen sich riesig, ihre Kumpels wiederzusehen. Dafür hätten sie am liebsten sogar auf den Zwischenstopp in New York verzichtet.“

Während des Heimat-Urlaubes leben die vier bei Thomas Bötefürs Eltern. „Genauso wie von Michaelas Eltern gab es von ihnen immer Rückhalt. Familie ist das Wichtigste“, betont das Paar. Da trifft es sich, dass der neue Wahl-Wohnort nicht so weit entfernt ist wie Texas. Wie lange die Bötefürs in Österreich bleiben? „Keine Ahnung, wir müssen schauen, wie es uns gefällt“, sagen sie.

Der Abschied aus den USA und von Werner Bösel wurde übrigens für die Vox-Sendung „Goodbye Deutschland!“ von einem Kamerateam festgehalten. Ein Ausstrahlungstermin im TV steht aber noch nicht fest.

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