Der Sudanese Adam Tirnna hat nun eine Vollzeitstelle bei der Verwaltung

Vom Flüchtling zum Gemeinde-Mitarbeiter

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Elke Brunotte und Timo Nesemann freuen sich über ihren neuen Kollegen Adam Tirnna (v.l.).

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Adam Tirnna ist schon ein wenig stolz. Für den Termin im Neerstedter Rathaus hat sich der gebürtige Sudanese ein Jackett angezogen. Am Revers ist das Schild der Gemeinde befestigt, auf dem sein Name steht. Behutsam rückt der 27-Jährige es zurecht. Schließlich ist der anerkannte Asylbewerber jetzt offiziell Mitarbeiter der Verwaltung. Nachdem er ein Jahr lang als Ein-Euro-Jobber die Flüchtlingshilfe der Kommune unterstützt hatte, hat er nun eine Vollzeitstelle. Nicht nur für Tirnna, der als Heranwachsender nach Deutschland kam, jahrelang in Köln lebte und dann mit der Stellung eines Asylantrages vor gut zwei Jahren nach Brettorf „verteilt“ wurde, ein Glücksfall.

„Für uns ist seine Mitarbeit eine unglaubliche Entlastung“, schwärmen Ordnungs- und Sozialamtsleiterin Elke Brunotte sowie ihr Kollege Timo Nesemann. Geht es um die Unterbringung, Betreuung und Integration der Flüchtlinge ist Tirnna „ein Mädchen für alles“. Aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse (Deutsch, Arabisch und Englisch) fungiert er als Dolmetscher. Er zeigt Neuankömmlingen, wo sie was in der Gemeinde finden, erläutert, wie ein Einkauf im Supermarkt funktioniert oder wie der Busfahrplan zu lesen ist. Er begleitet bei Behördengängen und Arztbesuchen, meldet den Nachwuchs in Kindergärten sowie Schulen an und hilft bei der Einrichtung eines Kontos oder eines Internetanschlusses. Wie die Mülltrennung in Deutschland abläuft, vermittelt er ebenso wie die Notrufnummern, wann sie gewählt werden sollten und wann eben nicht. In jeder der derzeit zwölf Unterkünfte hängt eine entsprechende Liste. Tirnnas Telefonnummer steht an dritter Stelle – direkt unter der von Feuerwehr und Polizei.

Der Sudanese, der früher mal mit einem Wirtschaftsstudium geliebäugelt hat, fungiert als Bindeglied zwischen den Asylsuchenden und den ehrenamtlichen Paten. Regelmäßig schaut er auch in den Unterkünften nach dem Rechten. Aktuell hat er über die Pflichten im Winter wie das Schneeschieben aufgeklärt. „Ohnehin ist es mir sehr wichtig, den Flüchtlingen klar zu sagen, dass sie sich hier an Regeln und die Gesetze halten müssen“, betont Tirnna. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln hat er deshalb mit allen Asylbewerbern in der Gemeinde das Gespräch gesucht. „Sie müssen wissen, was richtig und was falsch ist, und dass sie hier nicht machen können, was sie wollen.“

Tirnnas Wort findet Gehör. „Er hat ein Gefühl für die Migranten. Ist nah an den Menschen und ihren Bedürfnissen“, lobt Brunotte, die sich noch an die erste Begegnung am 14. Januar 2014 erinnert. „Er antwortete auf Deutsch. Deshalb haben wir seine Sprachkenntnisse direkt in Anspruch genommen.“ Als Mitarbeiter der Gemeinde bietet Tirnna dienstagnachmittags und donnerstagvormittags Sprechstunden im Rathaus an. „Dann ist es auf dem Flur rappelvoll“, so Nesemann.

In Vorbereitung auf seine Aufgabe hat der 27-Jährige, der gerade nach Neerstedt gezogen ist, eine Fortbildung der Diakonie absolviert. „Zudem mache ich meinen Führerschein“, erzählt er. „Die erste Fahrstunde war bei Eisregen.“

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