Die Storengy steuert von Dötlingen aus vier Erdgasspeicher in Deutschland

Einspeisung per Mausklick

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Die FDP-Mitglieder durften gestern auch einen Blick in den Leitstand der Storengy werfen.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Helmut Platte entschuldigt sich kurz. Sein Telefon klingelt. „Leitstand“, meldet er sich. Das Gespräch dauert kaum eine Minute, dann legt er auf, greift zur Maus von einem der PCs und bewegt den Cursor auf das große Feld „Stopp“. „Ich musste mal eben die Erdgas-Entnahme aus dem Speicher in Lesum beenden“, erklärt er seinen Gästen in der StorengyLeitzentrale Dötlingen. „Die Gasmenge ist schon erfüllt.“

Einblicke in die Arbeit der Storengy Deutschland GmbH, die seit Ende 2011 als Untermieterin der ExxonMobil Production auf dem Gelände des ehemaligen Erdgasporenspeichers in Dötlingen ansässig ist, erhielten gestern Mitglieder der FDP sowie weitere Interessierte. Sie wollten wissen, was die Storengy eigentlich genau im Golddorf macht. Wie Matthias Schorr, zuständig für die Unternehmenskommunikation, erläuterte, sitzt in Dötlingen mit der Leitzentrale das Herzstück des Betriebes. „Von hier aus werden vier Speicher gesteuert.“

Neben den Kavernenspeichern in Lesum und Harsefeld gehört auch der größte Porenspeicher der Storengy in Deutschland, der sich in Uelsen befindet, dazu. „Und seit einer Weile betreuen wir auch den Speicher in Epe in Nordrhein-Westfalen an der niederländischen Grenze“, so Schorr. Egal, ob Gas in einen der Speicher ein- oder ausgespeist wird – alles läuft über den Leitstand in Dötlingen, der 24 Stunden am Tag besetzt ist. Die rund 25 Angestellten arbeiten im Schichtbetrieb. „Heutzutage braucht niemand mehr zu einem der Speicher hinausfahren und ein Rad drehen, es reicht ein Knopfdruck“, beschrieb er etwas vereinfacht das Verfahren.

In der Tat blicken die Mitarbeiter auf eine Vielzahl von Monitoren, auf denen sämtliche Daten auflaufen. Die unterschiedlichen Schritte zur Einlagerung oder Ausspeisung von Erdgas können von dort aus geregelt werden. „Bei der Speicherung werden zunächst Feststoffe herausgefiltert. Dann messen wir die Gasmenge, ehe sie auf Kavernendruck verdichtet und eingepresst wird“, berichtete Schorr. Bei der Ausspeisung müsse das Gas zunächst in einem Flüssigkeitsabscheider getrocknet und anschließend erwärmt werden, bevor es nach einer Druckreduzierung in die Leitung darf. „Eigentlich ein simpler Vorgang“, so der Sprecher des Erdgasspeicher-Unternehmens, das sich als Logistiker sieht und europaweit an 22 Standorten operiert. Deutschlandweit hat die Storengy, die eine Tochter der GDF Suez ist, die sich gerade in „Engie“ umbenannt hat, 160 Mitarbeiter.

Für den Standort Dötlingen hat sich die Storengy aus ganz praktischen Gründen entschieden. „Die nötige Infrastruktur war bereits vorhanden“, sagte Schorr, der aber auch verdeutlichte, dass das Speichergeschäft „derzeit kein Zuckerschlecken“ ist. Der Verbrauch an Primärenergie sei rückläufig. Allein von 2013 auf 2014 sei der Anteil von Erdgas um 14 Prozent gesunken. „Hauptgrund war der milde Winter“, erläuterte er. Entgegen vieler Befürchtungen bewegten sich die Erdgas-Importe aus Russland zudem auf einem stabilen Niveau. Die Leitungen würden sogar noch ausgebaut. Dennoch seien Speicher momentan sinnvoll, um flexibel reagieren zu können, meinte Schorr, der sich den Fragen der FDP, auch zum Thema „Fracking“, stellte. „Die Bedenken sollte man zwar ernst nehmen“, sagte er. Als Geologe teile er sie allerdings nicht. „Ich denke, dass zu viel auf emotionaler statt sachlicher Ebene diskutiert wird.“ Zur Erdbebengefahr an Bohr- und Speicherstandorten erklärte er, dass durch Druckunterschiede durchaus Erdbewegungen möglich seien. In Dötlingen bräuchte allerdings niemand Erschütterungen oder Absenkungen zu befürchten. „Die Stätten sind klein und liegen tief.“

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