16 Kinder reisen während der Themenwochen der evangelischen Jugend durch die Jahrhunderte

Von der Steinzeit ins Dötlingen der Zukunft

Gregor Kulbach zeigte den Kindern, wie früher Löcher gebohrt wurden – nämlich mit Kraft und Geduld.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. 10 Uhr in Dötlingen: 16 Kinder steigen in die Zeitmaschine. Ihr Ziel ist das Reich der Römer und Germanen. In voller Rüstung befinden sie sich plötzlich mitten in der Varusschlacht. Als es zu brenzlig wird, steigen alle wieder in die goldene Maschine, die sie nun ins Mittelalter bringt. Dort wartet eine reich gedeckte Tafel. Sie dürfen mit den Händen essen. So lecker es auch schmeckt, die Neugierde siegt. Wie sieht es im Jahr 2116 in Dötlingen aus?

Um sich zwischen den Zeitreisen erholen zu können, haben sich die Kinder Rückzugsorte gebaut. „Inklusive eines Waldes“, berichten Tami, Louisa, Milena und Hanna (v.l.). - Fotos: Schneider

Unter dem Motto „Zeitreise“ unternehmen die Teilnehmer der Themenwochen der evangelischen Jugend derzeit Ausflüge durch unterschiedliche Jahrhunderte. Sie erfahren, wie die Menschen in der Vergangenheit lebten, beschäftigen sich mit ihrer Gegenwart und der Frage, was das Altern bedeutet, und werfen einen Blick in die Zukunft. Für das umfangreiche Programm konnte Jugenddiakon Jochen Wecker einige Helfer und auch Einwohner gewinnen. Zwei erfahrene Ehrenamtliche, drei Jungbetreuer und eine Küchenfee kümmern sich um die Sechs- bis Zwölfjährigen, die zwei Wochen lang immer montags bis freitags den Tag im Jugendhaus verbringen. Bereits um 7.30 Uhr trudeln die ersten Kinder ein. Nach einem gemeinsamen Frühstück besteigen sie ihre Zeitmaschine. In diese hat sich das Kaminzimmer an der Karkbäk verwandelt, das die Mädchen und Jungen komplett mit goldener Folie beklebt haben.

Immer wenn etwas Zeit ist, arbeiten die Jungen und Mädchen an ihrem Themenwochen-Buch. Jedes Kind gestaltet eine Seite – die einen im Linoldruck, die anderen haben den Kartoffeldruck gewählt.

Am Dienstag reisten sie in die Steinzeit, lernten, wie sie ohne Feuerzeug oder Streichhölzer Feuer machen und backten ihr eigenes Brot. Gegessen wurde am Lagerfeuer. Am Mittwoch brachte sie die Zeitmaschine gemeinsam mit den Ferienpass-Kindern ins archäologische Museum in Kalkriese, wo die Germanen in der berühmten Varusschlacht die Römer besiegt haben sollen. Dort standen nicht nur Führungen auf dem Programm. Die Kinder durften auch selbst an Ausgrabungen teilnehmen und in die Kleidung der Germanen sowie Römer schlüpfen. Und weil dies so spannend war, geht es einen Tag später direkt noch einmal in diese Zeit. Aufgeteilt in Gruppen, versuchen sich die Mädchen und Jungen im Bogenschießen und Handwerken. Zu Gast ist der Dötlinger Gregor Kulbach der ganz besondere Bohrmaschinen mitgebracht hat. „Ohne Kabel und ohne Akku“, stellen die Kinder schnell fest, die anschließend eifrig kurbeln und so ein Loch nach dem anderen in Holzbretter bohren.

In einer freien Minute entführen Tami, Milena, Louisa und Hanna ins Obergeschoss des Jugendhauses, wo die Kinder sich auch in diesem Jahr wieder aus Pappkartons Rückzugsorte gebaut haben. Aber nicht nur das: „Riech mal“, fordern die Mädchen auf. Es duftet nach Wald, und genau dieser verbirgt sich hinter der Tür. „Der Wald ist spazieren gegangen“, berichten sie. Vor jeder Papphütte befinden sich große, belaubte Zweige. Die vier legen eine kurze Pause ein und denken darüber nach, wie Dötlingen in 100 Jahren aussieht. „Die Dorfeiche steht bestimmt nicht mehr. Und die Kirche ist dann ganz modisch oder verrottet“, meint Tami. Die anderen drei sind sich sicher: „Es gibt auf jeden Fall mehr Fabriken.“

Das Thema „Dötlingen 2116“ steht erst in der kommenden Woche an – ebenso wie ein Freibadbesuch und die Reise in die Zeit des Nationalsozialismus. Denn auch diese wird nicht ausgespart. Die Dötlinger Erzählerin und Autorin Helga Bürster, aus deren Feder das prämierte Hörspiel über den von Nazis ermordeten Dötlinger Bauern Willi Rogge stammt, wird diese Schreckensherrschaft im Rahmen eines Spazierganges kindgerecht vermitteln. „Zudem werden wir das Mahnmal an der Kirche besuchen“, kündigt Wecker an. Am Dienstag erwartet die Gruppe zwei Gäste im Alter von 30 sowie 70 Jahren. „Dann geht es um die eigene Zukunft und darum, was es heißt, älter zu werden“, so der Jugenddiakon.

Zum Abschluss der beiden Wochen ist für Freitag, 8. Juli, ab 16 Uhr ein Fest beim Jugendhaus geplant, bei dem die Kinder ihren Eltern zeigen wollen, was sie erlebt und erarbeitet haben. Zudem gibt es Getränke und Kuchen.

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