Gewerbegebiet Hockensberg: Knappe Mehrheit für „Das Brakland“

Standortfrage spaltet Politik

Zwei Ausschussmitglieder stimmten für „Das Brakland“, einer für „Kellersberg“, und zwei enthielten sich. - Archivfoto: ts

Brettorf/Hockensberg - Von Tanja Schneider. Die Standortwahl für ein Gewerbe- und Industriegebiet in Hockensberg spaltet die Politik. Mit einer äußerst knappen Mehrheit sprach sich der Bau-, Straßen- und Verkehrsausschuss während seiner Sitzung am Donnerstagabend für die Fläche „Das Brakland“ aus. Als Vorentscheidung ist dies nicht zu werten. Der Rat könnte anders votieren. Denn wie einige Ausschussmitglieder andeuteten, ist man selbst innerhalb einiger Fraktionen unterschiedlicher Meinung und teilweise unentschlossen.

Die Hockensberger machten hingegen während der Einwohnerfragestunde deutlich, was sie wollen: Kein Gewerbe- und Industriegebiet vor ihrer Haustür. Gut 40 Bürger hatte es zu der Sitzung in den Brettorfer Schützenhof gezogen. Und mit denen möchte es sich die FDP offenbar nicht verscherzen. Dierk Garms stimmte für den Alternativstandort „Kellersberg“ (ebenfalls an der B 213). „Wir sind gegen das Gebiet ,Brakland’“, betonte er im Namen der Liberalen. „Wir sollten nicht ein ganzes Dorf gegen uns aufbringen.“ Durch die seitens der Einwohner angekündigten rechtlichen Schritte könnte es zudem zu erheblichen Verzögerungen kommen. „Das könnte Jahre dauern“, so Garms.

Die CDU steht hingegen hinter dem Standort „Das Brakland“. Entsprechend fiel das Votum von Gernot Kuhlmann und Willi Niehoff aus. Letzterer erläuterte die Gründe. Neben der „scheinbar einfacheren Erschließung“ und dem Umstand, dass dieser Standort schon als Gewerbefläche ausgewiesen ist – für „Kellersberg“ müsste erst ein Bauleitverfahren angeschoben werden –, sind für die CDU ein Wald und ein Naturdenkmal das Problem. Diese müssten in „Kellersberg“ Berücksichtigung finden, was das Gebiet für die Vermarktung unattraktiver mache.

Bekanntlich waren beide Standorte auf ihre Eignung geprüft worden. Die Ergebnisse hatte Thomas Aufleger vom Planungsbüro NWP vor der Abstimmung präsentiert. Demnach sind beide Flächen grundsätzlich geeignet. Leichte Vorteile gibt es aus städtebaulicher Sicht für „Das Brakland“. Denn wie ein Geruchsgutachten gezeigt hat, kann in „Kellersberg“ ein Teil der südlichen Fläche wegen der Überschreitung der Richtwerte nicht gewerblich genutzt werden. Zudem befindet sich mitten auf dem Flächenteil östlich der B 213 ein Wald. Soll er bestehen bleiben, gibt es keine Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Areal. Auf Letzterem lohne sich dann kaum die Entwicklung. Hinzu kommt noch ein Naturdenkmal am östlichen Rand, zu dem Abstände einzuhalten sind. Die Teilfläche westlich der B 213, oberhalb des Gebiets „Das Brakland“, ist unproblematisch.

Garms appellierte, nicht nur die städtebaulichen Aspekte zu betrachten. Sarah Orth (Grüne) gestand, dass man innerhalb ihrer Fraktion nicht auf einen Nenner gekommen sei. Es sei ein Hin und Her. Am liebsten sei ihr ein Standort C. Sie enthielt sich ihrer Stimme. Ebenso wie Hans-Dieter Posch (SPD). „Wir hatten hitzige Diskussionen. Der Großteil scheint für ,Das Brakland’ zu sein.“ Er selbst ist generell gegen die Entwicklung eines Gebietes. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir die Landschaft weiter verschandeln, nur um potenzielle Investoren anzulocken“, meinte er.

Sowohl Niehoff als auch Bürgermeister Ralf Spille betonten die Notwendigkeit. Die Gemeinde müsse ihre Einnahmen verbessern. „Dass dies kein Vorhaben ist, dass wir alleine stemmen können, ist klar“, sagte Spille, dem eine Entscheidung wichtig war. Schließlich wird über das Gewerbegebiet Hockensberg schon seit rund 20 Jahren diskutiert. „Und wir müssen endlich einmal weiterkommen.“ Dies sah Niehoff ähnlich – auch mit Blick darauf, dass sich Wildeshausen schon um die Entwicklung eines eigenen Gebietes bemüht. „Auf lange Sicht können wir es uns nicht leisten, alles an uns vorbeiziehen zu lassen“, sagte er.

Die für den 23. Juni geplante Ratssitzung dürfte also spannend werden.

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