19 Hamburger Schüler für drei Wochen im „Archäologie-Camp Dötlingen“ / Leben ohne Kühlschrank und Telefon

Sogar ein Steinzeithaus soll entstehen

Die Schüler der Winterhuder Reformschule haben bereits bei anderen Projekten Ausgrabungserfahrungen gesammelt.

Dötlingen - (ts) · Rentierjägerzelt, Unterwasserarchäologie und Kochen wie in der Steinzeit – so sieht für drei Wochen der Stundenplan für 19 Schüler der Winterhuder Reformschule in Hamburg aus. Am 23. August starten sie unter dem Motto „Natur erleben – Im Reich der Glaner Fürsten“ zu ihrem Archäologie-Camp an der Hunte nahe Dötlingen, wo sie unter der Leitung von Ullrich Masemann praxisnah an die Themen Ökologie, Natur und Archäologie herangeführt werden.

Der erfahrene Hamburger Archäologe, der seine Wurzeln im Landkreis Nienburg hat, hatte bereits im vergangenen Jahr versucht, eine Archäologieschule im Naturpark Wildeshauser Geest zu gründen. Damals war das in Prinzhöfte vorgesehene Projekt aufgrund der geringen Anzahl an Anmeldungen gescheitert. Durch die Zusammenarbeit mit der Hamburger Gesamtschule, die unter dem Leitmotiv „Herausforderung“ im kommenden Schuljahr mehrere Projekte geplant hat, kann nun erstmals auch das „Archäologie-Camp Dötlingen“ über die Bühne gehen.

Gemeinsam mit Masemann sowie einem Sozialpädagogen der Reformschule und zwei Archäologiestudentinnen der Hamburger Universität wollen die 19 Schüler bis zum 11. September eine Reise ins Land der Sagen und Pyramiden des Nordens unternehmen. In der freien Natur werden sie nur etwa 500 Meter entfernt vom Großsteingrab der Glaner Braut ihr Camp direkt an der Hunte aufschlagen und drei Wochen lang ohne Kühlschrank, Supermarkt, Telefon oder sonstigen Kontakt zur Außenwelt leben. Allein das dürfte für die meisten Jugendlichen schon eine Herausforderung sein. Hinzu kommen möglicherweise schlechte Wetterbedingungen. „Aber wir wollen ja Praktiken zum Überleben in der heimischen Wildnis lehren und vergangene Zeiten live erleben“, berichtet Masemann.

Eine Herausforderung, auf die sich die Gruppe im Vorfeld vorbereitet. „Das Thema wird natürlich schon in der Schule aufgegriffen“, erzählt Masemann. So haben sich die Schüler unter anderem bereits mit der Domplatzgrabung in Hamburg, an der Masemann auch selbst beteiligt war, beschäftigt. Einige Dinge könnten aber erst vor Ort realisiert werden. „So wollen wir in Dötlingen zum Beispiel ein Steinzeithaus bauen“, verrät der Archäologe.

Zunächst gilt es für die Schüler aber, auf dem unbekannten Gelände Grundlagen zu schaffen: Zelt- und Schlafplatz sowie Herdstelle und Essensversorgung haben Priorität. Dabei versteht es sich von selbst, dass die Schüler auf Pizza und Nudeln verzichten müssen. Stattdessen gibt es gegrilltes Fleisch mit Wildkörnerbrei und Löwenzahn-Sauerampfer-Salat, Forellen, Waldfrüchte und Hagebuttentee. Zudem backen die Mädchen und Jungen Brot – in einem Erdofen oder ganz einfach im Topf. Auch Wasser müssen sie selbst aufbereiten. Als Obdach dient ein mit Reisig bedecktes Gerüst aus Ästen, auch benötigte Werkzeuge werden selbst hergestellt.

Aufgeteilt in verschiedene Gruppen stehen den Schülern einige Aufgaben bevor – vom Feuerstein schlagen über die Fertigung von Messern und Schabern bis hin zum Töpferofenbau. „Wir werden auch Ausflüge machen, unter anderem zum Pestruper Gräberfeld und weiteren eindrucksvollen Denkmälern der Steinzeit.“ Ansehen werden sich die Nachwuchsarchäologen natürlich auch die in Campnähe gelegene Glaner Braut mit ihren großen Findlingssteinen, die einer Sage nach einst das Fundament eines riesigen Tempels bildeten. In diesem soll der Stammesfürst Glanos gewohnt haben.

Die Schüler werden sich ausführlich mit der geheimnisvollen Sage beschäftigen. „Und wir wollen ein Puzzle der Geschichte zusammensetzen“, so Masemann. „Vielleicht entsteht ein Krimi.“ Und da sich die Schüler in einem Archäologie-Camp befinden, sind natürlich auch Ausgrabungen, Vermessungen und entsprechende Fotografien geplant.

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